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Haus Auerbach, Jena

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Errichtet nach dem Baukasten-Prinzip von Walter Gropius

Das 1924 errichtete Haus Auerbach zählt zu den wichtigsten Zeugnissen der frühen Bauhaus-Phase. Das durch den Physiker Professor Dr. Felix Auerbach und seine Frau Anna in Auftrag gegebene Wohnhaus setzt sich zusammen aus zwei sich durchdringenden, unterschiedlich hohen Kuben, die einerseits die Wohnräume und anderseits den Wirtschaftsbereich, die Toiletten und Flure sowie Anrichte und Küche beherbergen.

Kennzeichnend für das in leichter Hanglage errichtete Haus Auerbach ist die klare geometrische Formgebung, die auch die anderen Projekte von Walter Gropius prägt. Darüber hinaus ist es das erste Haus, das der Architekt nach seinem Baukasten-Prinzip realisiert hat, das also aus vorgefertigten und beliebig kombinierbaren Raumelementen bestand, die auf der Baustelle nur noch zusammengesetzt werden mussten, um so Kosten und Zeit zu sparen. Für die Außenmauern sowie das Kellergeschoss kamen dabei Jurkoschlackesteine mit einem Bindemittel aus Sand und Zement zum Einsatz, die auf der Baustelle gefertigt wurden. Charakteristisch für das Haus Auerbach ist außerdem die nach Entwürfen von Alfred Arndt ausgeführte Farbgestaltung der Innenräume, die insgesamt 37 Pastelltöne umfasst.

Nach dem Suizid der jüdischen Eigentümer nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und später in den Nachkriegsjahrzehnten zerfiel das Haus Auerbach mehr und mehr, so dass es zuletzt kaum noch als Entwurf aus der Bauhausära erkennbar war. Die ursprüngliche Raumstruktur sowie die bauzeitliche Innenausstattung waren jedoch noch vollständig erhalten, als das Haus 1994 von Barbara Happe und Martin Fischer gekauft wurde. Unter hohem persönlichen Einsatz und in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege konnte anschließend eine umfassende Sanierung erfolgen. Im Rahmen der Maßnahme erhielt das Haus nicht nur seinen originalen materialsichtigen Fassadenputz zurück, der mit Glimmerpartikeln und Flusssandsteinchen angereichert ist, um das Weiß zu brechen, sondern es wurde auch die farbige Innenraumgestaltung wiederhergestellt. Ebenso wurde auch die Waschküche, die Gropius seinerzeit auf dem Dachboden untergebracht hatte, um so Regenwasser mittels einer Zisterne nutzen zu können, wieder dort installiert.

Effektive Dachabdichtung mit Bitumenbahnen
Eine wichtige Rolle für den Erhalt des Hauses spielte die Abdichtung der aus zwei Einzelflächen bestehenden, insgesamt rund 160 Quadratmeter großen Flachdachfläche. Die Deckenkonstruktion beider Flächen war nach dem Entwurf von Walter Gropius als Berradecke mit Ziegelhohlsteinen, einer aufliegenden Torfoleum-Isolierung, einem Druckausgleich-Estrich und einer Ruberoid-Abdichtung (Asphalthaarfilz) ausgeführt worden.

Im Jahr 1994 wurde eine umfassende Gebäudesanierung vollzogen. Allerdings zeigten sich bereits nach wenigen Jahren Unzulänglichkeiten in der Dachsanierung und erste Feuchteschäden an der Attikakante des Hauses, so dass das Dach 2009 erneut saniert werden musste. Mit der Umsetzung der neuen Abdichtung wurde kurz darauf die Dächer von Christoph Gruß GmbH aus dem nahe gelegenen Gumperda beauftragt, die in einem ersten Bauabschnitt zunächst das obere Dach und anschließend das Terrassendach des Hauses ausführte. In einem ersten Schritt und in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde musste dabei jeweils der vorhandene Aufbau komplett abgetragen werden: „Übrig blieb lediglich die ganz alte Abdichtung, über der wir dann zunächst eine neue Dampfsperre aus Bitumen aufgebracht haben“, blickt Projektleiter Christoph Gruß zurück. „In einem weiteren Schritt haben wir eine 70 bis 100 Millimeter dicke Dämmung aus Schaumglas in Heißbitumen integriert und anschließend eine zweilagige Abdichtung mit Bitumenbahnen verlegt. Als untere Schicht kam eine Elastomerbitum-Dachabdichtungsbahn im Gießverfahren in Heißbitumenklebemasse zum Einsatz, direkt darüber wurde eine Elastomerbitumenschweißbahn als Oberlagsbahn verwendet.“

Abschließend wurde außerdem eine umlaufende Kehlrinne mit integriertem Gefälle von 0,5 Prozent installiert, die dauerhaft einen sicheren Ablauf von anfallendem Regenwasser sicherstellt. „Im Zusammenspiel der verschiedenen Bausteine ist so dafür gesorgt, dass das Dach in den kommenden fünfzig bis siebzig Jahren sicher abgedichtet ist“, blickt Christoph Gruß optimistisch in die Zukunft.

Einen umfassenden Überblick über die Geschichte des Hauses sowie die verschiedenen Sanierungsschritte bieten die beiden Eigentümer Barbara Happe und Martin S. Fischer in dem Buch „Haus Auerbach von Walter Gropius mit Adolf Meyer“, erschienen im JOVIS Verlag, Berlin 2018


Objekt: Haus Auerbach, Jena
Standort: Jena, Schaefferstraße 9
Architekt 1924: Walter Gropius
Dachabdichtung: Dächer von Christoph Gruß GmbH, Gumperda



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