Sakralbau | Köln | Knauf Gips KG

DITIB-Zentralmoschee, Köln

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Tradition und Moderne spannungsvoll vereint

Innenbekleidungen für Kuppeln gehören zu den anspruchsvollen Aufgaben des Trockenbaus. Das gilt für den Kuppelsaal der neuen DITIB-Zentralmoschee in Köln in besonderer Weise. Eine zusätzliche Herausforderung war die Anordnung der dreidimensional gerundeten Unterkonstruktion vor einer Innendämmung. Die besondere bauphysikalische Situation erforderte die Beplankung mit der feuchte- und nassraumgeeigneten Spezialgipsplatte Knauf Drystar.

Die Architektur der neuen Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V. (kurz: DITIB) in Köln-Ehrenfeld ist eine kühne Kombination von Tradition und Moderne. Mit dem von Stahl, Glas und Beton geprägten Materialkanon und den sachlich-klaren, weitgehend schmucklosen äußeren Oberflächen verortet sich das Gebäude eindeutig im Hier und Heute. Gleichzeitig weisen die dominierende Kuppelform und die flankierenden beiden Minarette mit dem ersten Blick erkennbar auf die islamische Baukultur und damit auf die Funktion des Bauwerks hin.

Doch auch diese Elemente der Tradition zeigen im Detail avantgardistische Formen, etwa an den Spitzen der Minarette, die mit einem eleganten, an wehende Fahnen erinnernden Schwung auslaufen. Noch markanter lässt sich das Verschmelzen traditioneller und moderner Bauweisen an der Kuppel ablesen, die genau genommen gar kein einheitlich-geschlossenes Gewölbe im herkömmlichen Sinne ist.

Der Entwurf des Kölner Architekturbüros Paul Böhm löst die Kuppel stattdessen in sechs einzelne, in der Höhe nach außen abgestufte Schalen auf, deren Zwischenräume mit mehrfach gekrümmten Glasfassaden geschlossen werden. So entstand eine unregelmäßig unterbrochene Stahlbetonkonstruktion mit Sichtbetonqualität auf der Außenseite, die den rund 2.000 m² großen und durch die Glasfassaden beeindruckend hellen Kuppelsaal umschließt, in dem im Juni 2017 erstmals ein Freitagsgebet stattfinden konnte.

Zum Entwurf von Paul Böhm, der in gemeinsamer Planung mit dem Büro IDK Kleinjohann, Köln, sowie weiteren TGA-Fachplanern umgesetzt wurde, gehören neben den Minaretten und dem Kuppelsaal auch Funktionsunterlagerungen sowie eine weitläufige Randbebauung. Diese Räume unterschiedlichster Nutzung als Büros, Konferenz-, Sozial- oder Kulturräume erweitern die DITIB-Zentralmoschee zu einem lebendigen Gemeindezentrum.

Zweischalige Innenbekleidung im Kuppelsaal
Auch in der inneren Ausgestaltung des Gebetsraums unter der rund 36 m hohen Kuppel wiederholt sich das architektonische Thema der überlieferten Formen in zeitgemäßer Bauweise. Geprägt wird der Raumeindruck von sowohl zwei- als auch dreidimensional gekrümmten Wandscheiben und Kuppelflächen sowie ihren verbindenden Verglasungen. Die geschlossenen Flächen tragen künstlerisch gestaltete Ornamentplatten mit vergoldeten Bögen und kalligraphischen Einzelelementen, die auf die islamische Tradition verweisen. Hinter dieser sichtbaren Innenschale verbirgt sich eine spezielle Trockenbaukonstruktion, die alle konstruktiven und bauphysikalischen Anforderungen des modernen Bauens berücksichtigt.

Hauptauftragnehmer für den Kuppelinnenausbau war die Dirk Hünninghaus GmbH aus Wuppertal, die auf den Beton zunächst eine rissüberbrückende Innenabdichtung als Voraussetzung für die Innendämmung aufbrachte. Denn eine äußere Wärmedämmung kam nicht infrage, weil die Kuppeln dem architektonischen Entwurf folgend nach außen Sichtbeton zeigen sollten. Das Unternehmen verlegte eine diffusionsoffene und kapillaraktive Innendämmung, die die Rundungen der Betonschalen nachvollzieht.

Gesucht war nun eine Unterkonstruktion mit vollflächiger Bekleidung, die durch die Wärmedämmung hindurch zu befestigen war und die neben ihrem Eigengewicht auch die Lasten der später zu montierenden Ornamentplatten tragen musste. Die insgesamt mögliche Ausbaulast unter der Kuppel war mit 0,85 kN/m² vorgegeben, wovon allein 30 kg/m² für die Platten der künstlerischen Innenschale zu berücksichtigen waren. Es blieben also rund 55 kg/m² für die Unterkonstruktion und ihre Bekleidung.

Bei einem Baustellentermin stellte Ekkehard Scholz, Objektmanager Decke bei Knauf, eine mögliche Lösung der Trockenbaukonstruktion vor. Der Vorschlag überzeugte die Vertreter des Bauherrn und der Architekten, sodass Knauf die statische Vorbemessung beginnen konnte und die Unterkonstruktion und Bekleidung des Kuppelsaals (ohne die künstlerische Innenschale) an die Firma Dirk Hünninghaus GmbH für den Nachunternehmer E. Reinstädler GmbH Trockenbau aus Köln vergeben wurde. Das Unternehmen musste nicht nur die beachtliche Größe von 2.500 m² zu bekleidender Fläche und die besondere Geometrie der Kuppel berücksichtigen, sondern auch die konstruktiven Rahmenbedingungen. „Wir haben schon verschiedene Kuppeln mit den unterschiedlichsten Systemen bekleidet“, beschreibt Rudolf Wafzig von der Firma Reinstädler die Ausgangslage. „Aber dieses Projekt war eine besondere Herausforderung, weshalb wir in der Bau- und Montagephase sehr eng mit der Knauf Fachberatung zusammengearbeitet haben.“

Für jede Krümmung die richtige Lösung
Die immer wieder andere zwei- und dreidimensionale Krümmung der Wand- und Kuppelabschnitte erforderte eine flexible Unterkonstruktion und vor allem eine Verankerung, die die Lasten je nach Position des Einbaus sowohl vertikal als auch horizontal ableiten können musste. Knauf entwickelte für diese besondere Befestigungssituation eine spezielle Abhängelösung und stellte sie mit statischer Vorbemessung zur Verfügung. Zwei Gewindestangen M8 wurden dabei durch die Innendämmung hindurch im tragenden Beton verankert. An ihrer Außenseite tragen sie Winkelprofile für die variable Befestigung der horizontal verlaufenden Vierkantrohre.

Auf diesen Vierkantrohren wurden vertikal CD-Profile montiert und mit einer Lage Knauf Drystar-Board in 12,5 mm Dicke beplankt. Diese Spezialgipsplatten von Knauf werden wie klassische Gipsplatten verarbeitet, sind aber besonders unempfindlich gegen Feuchtigkeit. Sie eigenen sich damit für den Innenausbau von Nass- und Feuchträumen und sogar als Beplankung von Unterdecken im nicht direkt bewitterten Außenbereich. In diesem Fall wurden sie gewählt, weil bei vollbesetztem Gebetssaal mit einem vergleichsweise hohen Aufkommen an Transpirationsfeuchtigkeit gerechnet werden muss.

Drystar-Board ist zudem in Radien bis minimal 2750 mm gut biegbar, was in Köln-Ehrenfeld natürlich ein wichtiges Argument war. „An den Wänden haben wir die CD-Profile und die Platten sowohl zwei- als auch dreidimensional selbst zugeschnitten und direkt beim Einbau gebogen“, erklärt Rudolf Wafzig. „Im Kuppelbereich, wo alle Platten in zwei Raumrichtungen gebogen sind, hat uns Knauf hingegen einen vorkonfektionierten Bausatz zur Verfügung gestellt. Die Vierkantrohre, die CD-Profile und die Platten waren zugeschnitten, im jeweils benötigten Radius gebogen und durchnummeriert. Anhand des Montageplans ließen sie sich dann schnell und einfach montieren. Bauseits haben wir außerdem die Stirnseite der Bekleidung am oberen Ende hergestellt, wo Einbaustrahler integriert sind, die die Glaskuppel sehr effektvoll beleuchten.“

Auf etwa 3 m Höhe des an seiner höchsten Stelle rund 28 m hohen Gebetssaals verläuft außerdem eine Galerie, deren Deckenunterseite ebenfalls im Trockenbau bekleidet wurde. „Eine der ganz wenigen ebenen Flächen, die wir bei diesem Bauvorhaben überhaupt erlebt haben“, erinnert sich Rudolf Wafzig mit einem Schmunzeln. Alle Flächen wurden abschließend mit dem systemzugehörigen und wasserabweisenden Drystar-Filler verspachtelt und dann an die Künstler übergeben.

Das vollendete Werk
Unter der künstlerischen Oberleitung durch den Architekten und Künstler Semih İrteş mit seinem Atelier NAKKAŞ (Istanbul) und der Koordination der Architektin Merih Aykaç wurde die Umsetzung der Innenraumgestaltung realisiert. 31 Künstler haben knapp fünf Monate in einer eigens im Kuppelsaal eingerichteten Werkstatt gearbeitet – Herstellung und Montage der über 1800 Stuckplatten waren also unmittelbar miteinander verzahnt. Die gipsgebundenen Ornamentplatten wurden auf der Drystar-Schale unter Beachtung der vorgegebenen Bewegungsfugen verklebt und mechanisch befestigt. Die Arbeit des Vergolders und die Montage der kalligraphischen Elemente vollendeten das Werk.

Zusammen mit der Innenausstattung, etwa dem Teppich oder der Gebetskanzel, entstand ein Raum, der zur inneren Einkehr und Spiritualität anregt. Gleichzeitig ist er ein organischer Teil der spannenden Architektur der Zentralmoschee, der die Schlichtheit und Eleganz des Äußeren im Inneren fortsetzt und dabei auch das Zusammenspiel der geschlossenen und verglasten Teilflächen der Gebäudehülle erneut aufgreift. Man kann dem Bauherrn DITIB nur zustimmen, wenn er zusammenfassend feststellt, dass „durch das Zusammentreffen technischer, künstlerischer und religiöser Kompetenzen die Bedürfnisse im Sakralraum erfüllt“ sind.


Bautafel
Bauherr: Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (kurz: DITIB)
Architektur: Paul Böhm, Köln
Planung: Paul Böhm und IDK Kleinjohann, beide Köln
Innenraumgestaltung/Künstlerische Innenschalen: Semih İrteş, Atelier NAKKAŞ, Istanbul
Trockenbau im zentralen Kuppelsaal: E. Reinstädler GmbH Trockenbau, Köln, als Nachauftragnehmer der Dirk Hünninghaus GmbH, Wuppertal
Bekleidung und Unterkonstruktion: Unterkonstruktion aus CD- und Vierkant-Profilen mit Sonderbefestigung, Beplankung mit Knauf Drystar-Board, teils werkseitig vorgebogen, teils bauseits gebogen
Technische Beratung: Ekkehard Scholz, Objektmanager Decke, Michael Thorwart SOKO Iphofen




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