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Silena: Magie im Moor

Hotel | Vals (I) | noa*
Silena: Magie im Moor

Zu allen Zeiten waren Moore magische Orte. Voller Geheimnisse und wabernder Stimmungen. Die spezifische Eigenschaft eines solchen genius loci machte noa* network of architecture zur zentralen Entwurfsidee seines jüngsten Projektes: der Umgestaltung und Erweiterung des am Ende des Valser Tales – umgeben von Moor – rund 1.300 m hoch gelegenen früheren Hotels „Moarhof“.

O schaurig ist‘s übers Moor zu gehn…Annette von Droste-Hülshoff, 1842

Resultat dieser mystischen Transformation ist das 4-Sterne-S Hotel „Silena“, das sumpfartig getönt, organisch gestaffelt und voll in die Landschaft integriert aus dem unsteten Boden wächst – als ein bis ins Detail gestalteter Ort der Ruhe, der Kraft und der Seele.

Maßgeblich bestimmt wird er durch die umgebende archaische Natur sowie durch den – vom Bauherrn eigens gewünschten – südostasiatischen Touch des Interieurs und des umfangreichen Begleitprogramms.

Naturalistisch-asiatische Architektur

Der älteste Teil des ursprünglichen Hotels nahm vor dem Eingriff von noa* den südwestlichen Bereich des großzügig geschnittenen Hotelareals ein. Er wurde im Zuge der Neugestaltung 2017 bis auf die tragenden Strukturen und Zwischendecken zurückgebaut und sodann nach dem naturalistisch-asiatischen noa*-Konzept neugestaltet. Der 2011 an das Hotel Silena angebaute Südostflügel blieb in seiner Struktur erhalten. Für den optischen Zusammenschluss beider Bauteile sorgt eine Alu-Paneel-Fassade mit – analog zum Moorgelände – erdfarbiger Tönung. Dabei ähnelt die Oberfläche der Gebäudehaut den Pflanzen des Sumpfes, die scheinbar den Hotelkomplex emporwachsen und ihn dabei zur Gänze einhüllen.

Im neuen Baukörper entwickelt sich auf der Untergeschossebene das mit der Landschaft verbundene, nach außen hin organisch-gekrümmt in Erscheinung tretende Wellness-Geschoss, auf dem der bereits vorhandene Innenpool, die neue Sauna- und Beautywelt sowie zwei Ruheräume angeordnet sind. Unter freiem Himmel vorgelagert zeigen sich im Süden ein Indoor-Outdoor-Pool sowie eine Lounge.

Das darüber liegenden Erdgeschoss nimmt ebenso das erweiterte und neu konzipierte Hotel-Restaurant auf wie die Küche und die geschwungene Außenterrasse. Ferner entstand im Südosttrakt eine neue Tee-Bibliothek.

Das renovierte 1. und 2. Obergeschoss beherbergt neu designte und vergrößerte Gästezimmer mit Balkonen, deren Grundfläche jeweils mehr als 30 m² beträgt. Das dritte Obergeschoss – mit weiteren Zimmern sowie einer Suite samt eigener Sauna und Wellness-Oase – wurde komplett neu errichtet. Darüber entstand eine zusätzlich aufgestockte Etage in leichtem Holzbau, die mit ihrer schwungvollen Erscheinung jener des Untergeschosses entspricht und so den Baukörper sandwichartig unten und oben fasst. Raumprogrammatisch entstanden auf der Leichtbau-Ebene eine Dachterrasse mit Panorama-Sauna, Panorama-Ruheraum, Lounge und Dachgarten, der – reich mit Moosen und Gräsern begrünt – die Dachlandschaft des Neubaus übergangslos mit dem Grün der umgebenden Gebirgs- und Moorlandschaft verschmelzen lässt.

Interior zwischen Tag und Traum

Mit dem gewählten Interior Design-Konzept setzt noa* konsequent die Charakteristik der Hotel-Außengestaltung im Inneren fort. Dabei dominieren in den 29 neu geschaffenen Zimmern, Lesezimmern und Suiten, in den Wellness-Zonen, im Restaurant, in der Lobby und Lounge sowie in der Bibliothek Moor- und Naturmotive sowie Bild- und Formenelemente aus dem südostasiatischen Raum.

Im Gesamtausdruck ähnlich, verleihen Tapeten – mit einem überlagernden Hauch von Traumblau – den Gästezimmern ein weiches, schwereloses Ambiente. Himmelbetten mit weißen Bettbezügen und grün-blauen Überwürfen unterstreichen die romantische Note. Duschen und Badewannen – offen im Zimmer platziert – signalisieren intime Vertrautheit. Zugleich nehmen die Fräsungen in den Holzverkleidungen der Duschen Tapetenmotive – wie etwa Moor- oder Lebensblumen – auf und binden die Raumwelt zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk zusammen.

Blaue Vorhänge und Stuhlbezüge zitieren das Wohlgefühl der blauen Stunde. Es entsteht eine Atmosphäre zwischen Tag und Traum.

Tofana: ein Haus holt sich die Natur ins Haus

Im erweiterten Restaurant im Erdgeschoss treffen sich – inselartig an Tischen rings um die Säulen des Speisesaals herum gruppiert – die Gäste zu den Mahlzeiten. Blauer Samt bedeckt – bewusst unterbrochen von eingestreuten, floral anmutenden Stuhlbezügen – die Sitzmöbel.

Mächtige Wein- und Käseschränke erinnern unübersehbar an die kulinarischen Genüsse des Hauses.

Naturhafte Sinnlichkeit bestimmt auch das Ambiente der Sauna- und Wellness-Welten im Untergeschoss und Dachgeschoss des Hotels Silena. Durch einen direkten Aufzug miteinander verbunden, zeigen die Wand- und Deckenelemente Landschaftsimpressionen aus dem Moor sowie verfremdete Farndarstellungen. In der Bibliothek besetzen asiatische Motive die Stimmung. Hier geben sich die Besucher – im Schneidersitz auf Tatami-Matten – ungeteilt dem Lesevergnügen hin.

Fließend geht dieser meditative Bereich in Lobby und Lounge – unweit von Bar und Empfang – über. Auch hier sind die hohen Sitzmöbel in programmatischem Blau gehalten.

Text: Dr. Ulrich Fohrmann


Typologie: Hotel
Ort: Vals, Mühlbach (Italien)
Bauherr: Hotel Silena, Familie Mair
Architektur: noa* network of architecture
Interior Design: noa* network of architecture
Fertigstellung: Dezember 2017
Eingriff: Umbau und Erweiterung




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