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Dachabdichtung - Aufstockung von Bestandsbau mit Bitumenbahnen

Garten- und Landschaftsarchitektur | Nürnberg | vdd
„Gartenhaus“ – Neu aufgestockt

Die Aufstockung von Bestandsbauten zählt zu den wichtigsten Strategien zur Schaffung von dringend benötigtem innerstädtischem Wohnraum. Der Vorteil dabei: Sie kommt ganz ohne weiteren Flächenverbrauch und damit ohne weitere Versiegelung aus und ermöglicht gleichzeitig deutliche Synergieeffekte in puncto Energieverbrauch. Eine gelungene Umsetzung der Bauaufgabe bietet das auf einem viergeschossigen Gründerzeitgebäude im Nürnberger Stadtteil St. Johannis neu geschaffene „Gartenhaus“. Der 1899 errichtete Altbau war im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden, seitdem wurde das Obergeschoss durch ein tieferliegendes Notdach ersetzt. Rund 75 Jahre später ist das Haus jetzt durch eine neue Aufstockung ergänzt und die ursprüngliche Traufhöhe damit wiederhergestellt worden. Besondere Anforderungen bei der Planung des „Gartenhauses“ stellte die Dachabdichtung.

Das Projekt geht zurück auf den Architekten Jürgen Lehmeier vom Nürnberger büro für bauform. Der Architekt hatte das Haus 2010 aufgekauft, um hier seine Vision von urbanem Wohnen mit gemeinschaftlichem Dachgarten für sich und seine Familie umzusetzen. Ausgehend von einer umfangreichen statischen Berechnung entstand eine bewusst moderne, in Stahl-Leichtbauweise über einem stützenlosen Traggerüst errichtete Aufstockung, die geschickt die ursprüngliche Kubatur des Hauses aufgreift. Die Verkleidung der neuen Außenhülle im 3. OG durch hellgraue Sandwichpaneele mit flächenbündig integrierten Aluminiumfenstern schafft dabei einen deutlichen Kontrast zum Bestand aus Sandstein und verweist so auf subtile Weise auf die wechselhafte Historie des Hauses. Das sanierte 2. OG wurde alternativ mit einer dunkelgrauen Putzfassade ausgebildet.

Eine zusätzliche Besonderheit des Projektes ist, dass die Stahlkonstruktion oberhalb der Aufstockung bis auf eine Brüstung komplett unverkleidet geblieben ist. Die gesamte Flachdachfläche kann damit als Dachgarten und als gemeinschaftliche Urban-Gardening-Fläche durch sämtliche Bewohner des Hauses genutzt werden. Das sichtbar gebliebene Stahlgerüst zeichnet dabei die ursprüngliche Dachform des Hauses nach. Im Zusammenspiel ist ein gelungenes Stück Stadtreparatur entstanden, das auf intelligente Weise neuen Wohnraum in der Stadt schafft. In den beiden oberen Ebenen liegt die Wohnung von Jürgen Lehmeier und seiner Familie, in den unteren Ebenen finden sich zwei weitere Wohnungen sowie eine Gewerbeeinheit. Im Hinterhof sind zusätzlich das Architekturbüro sowie eine Steuerkanzlei angesiedelt.

Dachabdichtung mit Bitumenbahn

Besondere Anforderungen bei der Planung des „Gartenhauses“ stellt die Abdichtung des neuen Flachdaches. Um einen sicheren Schutz gegen Feuchtigkeit zu ermöglichen, wurde die 96 Quadratmeter große Fläche als Warmdachaufbau mit Bitumenabdichtung umgesetzt. Oberhalb des neuen Trapezblechaufbaus wurde dazu zunächst ein Bitumenvoranstrich aufgetragen und anschließend eine talkumierte Bitumen-Dampfsperrbahn aufgebracht. Direkt darüber verlegte das fünfköpfige Team der vor Ort ansässigen Dachdeckerei Zäh eine 140 Millimeter dicke PIR-Gefälledämmung. Die Neigung von drei Grad ermöglicht dabei einen reibungslosen Abfluss von Regenwasser, das vor Ort zusätzlich auch zur Bewässerung der Pflanzen genutzt wird.

Im nächsten Schritt erfolgte die Abdichtung mit Bitumenbahnen.

Als untere Lage kam eine selbstklebende Elastomerbitumen-Schweißbahn zum Einsatz, als Oberlagsbahn wurde eine wurzelsichere Polymerbitumen-Schweißbahn mit einer mechanisch extrem hochbelastbaren Polyesterverbundträgereinlage verwendet. Im Verbund ist damit eine dauerhaft sichere Abdichtung des Daches gewährleistet. Abschließend wurde auf der gesamten Fläche ein widerstandsfähiger Terrassenbelag verlegt. Die gewählten Tartan-Verlegeplatten schaffen einen strapazierfähigen Untergrund für unterschiedlichste Aktivitäten und erlauben gleichzeitig einen freien Abfluss von anfallendem Regenwasser. Das Dach kann damit wie gewünscht als Ort der nachbarschaftlichen Begegnung und als Fläche zum gemeinsamen Gärtnern genutzt werden.

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