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Erweiterung Hotel Silena: Alpin trifft Asien in Vals von noa*

Hotel | Vals, Mühlbach (I) | noa*
Silena: Alpin trifft Asien

Architektur, die über Generationen eine Geschichte erzählt, hatte immer schon etwas Faszinierendes. Wie jene des historisches „Moarhofes“ und heutigen Hotels Silena in den letzten Ausläufern des Valser Tales, das konzeptuell ein neues Kapitel aufschlägt, das die Handschrift von noa* trägt.

Bereits 2017 hat sich die Eigentümerfamilie des Hotels Silena zu einer markanten architektonischen Veränderung entschlossen, die auf einer mutigen und ungewöhnlichen Entscheidung basiert. Es ist bereits die zweite Transformation des Hauses, die von noa* realisiert wurde und das vor fünf Jahren begonnene Konzept nun vervollständigt. Ein neues Entrée, eine Erweiterung mit sechs neuen Suiten und ein weiterer Wellness-Bereich machen das Projekt nun komplett.

Nach einer längeren Reise nach Asien war es der Wunsch der Bauherren, die Rituale und Gepflogenheiten fernöstlicher Länder als zentrale Gestaltungs- und Gebrauchselemente in ihr Hotelkonzept zu integrieren. So war es naheliegend, klassische Elemente und Stimmungsbilder aus Asien bei der Neukonzeption noch stärker einzubinden als in der ersten Bauetappe. Die gesamte Gestaltung des Interiors ist in Material und Farbkomposition darauf abgestimmt.

Dies beginnt bereits im neu geschaffenen Eingangsbereich, wo der Gast bewusst durch ein rundes Holzportal hindurchtritt. Dieses wurde nach einer traditionellen, asiatischen Technik gefertigt, bei der die einzelnen Elemente nicht durch Keile oder Gehrungsschnitte zerteilt werden, sondern sich miteinander verzahnen. Um der ganzen Willkommenssituation noch mehr Gewicht zu verleihen, wurde die Wand in diesem Bereich schwarz mit einer aufgerauten Spachteltechnik mit mineralischen Einschlüssen in eine Art Tunnel verwandelt, um das Gefühl zu intensivieren, danach wieder ins Licht hinauszugehen und den Urlaub zu beginnen.

Auf der Reise nach Asien

Diesem Moment des Ankommens wurde besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt: Der Gast wird von einer freien Blickachse Richtung Süden in den Garten empfangen, durch den neuen verglasten Eingang hindurch. Diese besondere Atmosphäre lädt ein, sich zunächst von der Reise zu entspannen, zur Ruhe zu kommen und etwas zu trinken. Die Rezeption wurde aus diesem Grund seitlich positioniert. Der Steinbrunnen, der neue Kaminbereich und gemütliche Sitzecken nehmen dem Empfang die Starrheit eines klassischen Check-Ins nehmen.

Unaufdringliche, asiatische Anklänge finden sich hier überall in Form von dunklem mit Blau- und Grautönen kombiniertem Holz, zierlichen Bonsai-Kiefern in Keramikschalen, Steinen aus einem Südtiroler Steinbruch, dezenten, lampionartigen Leuchten oder der Wand aus tibetischen Gebetsmühlen, die definitiv zur Berührung einladen. Klare Linien schaffen eine harmonische Atmosphäre und geben dem Ganzen eine besondere Ruhe und Tiefe. Wie ein Annex dieser Szenerie dockt die im Original erhaltene Stube – das Herzstück des ursprünglichen Moarhofes – in ihrer historischen, rustikalen Gestaltung mit Altholzoberflächen an den modernen Barbereich mit seinen minimalistischen Podesten für Tee-Zeremonien an.

Stube und Teehaus sind lediglich durch einen schmalen Türgrat voneinander getrennt und machen den Übergang zwischen Ursprung und Zukunft von Silena sichtbar.Christian Rottensteiner, Projektleitender Architekt

Eins mit dem Ort

Wie ein roter Faden zieht sich die dunkle Eiche als Gestaltungselement durch das gesamte Gebäude. Das Moor ist omnipräsent: Es gab dem Hof einst seinen Namen, die Eiche ist zweifellos der naheliegendste Werkstoff für dieses Projekt. Sämtliches Mobiliar wurde daraus gefertigt. Diese Verortung spiegelt sich auch in den sechs neuen Suiten des Hotels wider, die insgesamt drei eigene Kategorien umfassen. Auch wenn sich die Größen und die Ausstattung ein wenig voneinander unterscheiden, so werden dennoch die ideellen Maßstäbe in jedem Suiten-Typus gleichgesetzt. Ganz augenscheinlich etabliert sich im Raum eine erdende Bodenberührtheit, die die einzelnen Bereiche wie das Bett, die Meditationsecke und den Zeremonientisch nur durch kleine Podestsituationen als solche zu erkennen sind. Dies geht auf die japanische Tradition zurück, in der kleine, definierte Zonen geschaffen werden. Auf der Terrasse setzt sich der asiatische Gestaltungsgedanke weiter fort: Ein kleiner, der jeweiligen Suite vorgelagerter Garten, der mit einer Badewanne, kleinen Beeten und wie ein Freiluftzimmer mit Vorhängen ausgestattet ist, erinnert an symbolträchtige Elemente der fernöstlichen Kultur.

Alles geht auf das Bodenberührte ein: das Bett, die Plattform für die Teezeremonie, die Meditationsecke – es ergibt sich immer eine Podestsituation, die einen nicht schweben lässt, sondern erdet. So kann man den Bodenkontakt nicht verlieren.Christian Rottensteiner

Auflösung räumlicher Grenzen

Die 30 bis 55 Quadratmeter großen Suiten werden von einem charmanten Wechselspiel von Licht und Schatten, aber auch Sichtbarkeit und Intimität geprägt. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten die Raumtrenner aus Holz mit ihren geometrischen Mustern, die das lebendige Spiel des Lichts der an der Fassade liegenden patternhaften Aluminiumpaneele weiter fortsetzen.

Eine andere Art der Scharade inszeniert die räumliche Trennung zwischen Schlafbereich und Bad: In Anlehnung an die klassischen Wände aus Reispapier hat noa* einen Raumteiler aus offenen, geschlossenen, spiegelnden und transluzenten Glasfeldern geschaffen, um stets eine transparente Verbindung zwischen den Räumlichkeiten zu bewahren und den Raum fließen zu lassen. Der Waschtisch besteht aus zwei aufgesetzten keramischen Schalen, die sich in der von einer Tapete unterlegten Glasplatte wie Kelche spiegeln. Während der Waschplatz weiter innen liegt, rückt die sich nach außen öffnende Dusche ganz an die verglaste Fassade. Die umhüllende Gebäudeummantelung lassen in den Terrassenbereichen den Außenraum zum Innenraum werden. Sie verleiht dem Gast das angenehme Gefühl der Sicherheit und bietet ihm gleichzeitig einen magischen Ausblick auf umliegende Moor- und Waldlandschaft.

Zu Stein gewordenen Poesie

Das körperliche Wohlbefinden kann jedoch noch im neuen Wellnessbereich gesteigert werden. Zusätzlich zur bereits bestehenden Wellnessbereich in der obersten Etage, gestaltet noa* eine für Erwachsene reservierte Rückzugs- und Entspannungszone, die von den japanischen Onsen-Quellen inspiriert ist. Hier befinden sich ein harmonischer Ruhebereich mit Ritual- und Nacktdusche sowie ein mit 40 Grad warmen Wasser gefüllter Outdoor-Pool, in dem man schulterbedeckt sitzen und entspannen kann. Das schwarze Sichtbetonbecken prägt mit seinen blockartigen Treppungen eine starke optische Inszenierung und lässt das Wasser wie eine Kaskade über den Infinity-Rand laufen. Gleichzeitig unterstreichen die rauen Oberflächen und die damit einhergehende besondere Haptik das meditative Zeremoniell des vom Wasser umspülten, mineralischen Steins. Der wie Lava-Stein anmutende schwarze Zement lässt dabei mit seinen Steineinschlüssen die Wasseroberfläche tanzen.

Wie weit kann man gehen, um mit alten Traditionen nicht zu brechen und doch in eine bestehende Geschichte neue Impulse einzubringen? Diese Frage haben noa* mit diesem Projekt unkonventionell beantwortet. Formen wurden aufgegriffen, die Materialität fortgesetzt, das Neue dem Bestehenden an die Seite gestellt. Am Ende ist ein Ort entstanden, der seine historische Identität wahrt und an dem zwei verschiedene Kulturen aufeinander treffen, die durch eine besonnene, sensible Gestaltung miteinander im perfekten Einklang stehen.

Text: Barbara Jahn-Rösel


Standort: Vals (Südtirol)
Bauherr:
Familie Mair
Typologie:
Hotel
Architektur: noa* network of architecture
Fläche: 1.800 m²
Volumen: 5.500 m³
Bauzeit: März 2022 – Juni 2022


Silena: Magie im Moor




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