Startseite » Themen »

Sanierung eines Bürogebäudes in München mit Pfosten-Riegelfassade

Themen
Sanierung eines Bürogebäudes in München mit Pfosten-Riegelfassade

Fassaden auf Holz-Riegel-Konstruktionen zu montieren ist normalerweise aufwändige Handarbeit. Bei einem Sanierungsprojekt in München arbeiteten die Planer mit Hilfe von Knapp Verbindungssystemen in Elementbauweise. So sparten sie Zeit und gewannen Qualität.

Der Büromarkt ist hart umkämpft. Gebäude, die nicht dem allerneuesten Stand der Technik oder dem heutigen architektonischen Geschmack entsprechen, lassen sich schwer vermieten, selbst wenn der Standort gut gewählt ist. Aus diesem Grund fasste die Deka Immobilien Investment GmbH bei ihrer Liegenschaft in der St. Martin Str. 60 in München einen Entschluss: Sie beauftragte die Nickl & Partner Architekten AG, ARGE Sunyard, und die Fa. Lindner damit, die 1991 errichtete Immobilie komplett zu sanieren. Diese öffneten die beiden, bisher geschlossenen Innenhöfe des „Sunyard“ genannten Ensembles für den Publikumsverkehr, modernisierten die Haustechnik und das Innenleben des Bauwerks und hüllten es in eine ansprechende Fassade.

Letzteres wäre noch vor gar nicht so langer Zeit nur in zeitraubender Handarbeit vor Ort möglich gewesen. Denn als Fassade dient eine Holz-Alu Pfosten-Riegel-Konstruktion. „Im Regelfall werden für die Montage einer solchen Konstruktion auf der Baustelle Profile passgenau zugeschnitten und dann vom Gerüst aus montiert und anschließend verglast“, berichtet Andreas Sönnichsen, der als Projektmanager bei der mit den Fassadenarbeiten beauftragen Lindner Fassaden GmbH für die Koordination dieses Objekts zuständig war. Aus Qualitäts- und Termingründen wünschte das Unternehmenjedoch die möglichst komplette werkseitige Montage der Fassaden.

Als probates Mittel dafür wählten die Fassadenexperten Knapp-Verbinder RICON® und ließen sie in die im Werk gefertigten Holzrahmen einfräsen. Im Anschluss wurden die Fassaden auf der Fertigungsstraße von Lindner montiert und auch verglast. Dabei entstanden bis zu 6 m breite und bis zu 1 to schwere geschosshohe Elemente. Diese wurden per Tieflader auf die Baustelle transportiert, mit Hilfe des dortigen Baukrans hinter das Gerüst gehoben und befestigt. Insgesamt 5.160 m2 Fassadenfläche gestalteten die Fassadenexperten auf diese Weise auf der Basis von unterschiedlich bemessenen Pfosten, die zuvor je nach statischen Erfordernissen dimensioniert worden waren. Die schlankeren kommen auf 50 mm Ansichtsfläche, bei Tiefen zwischen 120 und 140 mm, die breiteren sind 100 mm breit und 120 bis 160 mm tief. 1,5 mm dickes Eichenfurnier auf Kiefernkanteln lässt die Innenansicht dieser Gebäudehülle natürlich und wohnlich wirken, auf der Außenseite schützt Aluminium gegen Wind und Wetter. Im Regelfall wurden Standardelemente verwendet. Am Kreuzungspunkt zwischen den Fassaden Hohenwaldeck- und St. Martin Straße jedoch wurden polygonale Fassadenelemente eingesetzt, da der Rohbau hier rund ausgebildet war. Auch dafür erwies sich der Knapp Verbinder als perfekte Lösung. Außenseitig folgen dem geschwungenen Verlauf der Putzfassade vorgelagerte gebogene Prallscheiben (VSG).

Anliefern, absetzen, verdübeln
Damit die Elemente auf ihrem Weg vom Werk zur Baustelle nicht beschädigt werden, wurden sie mit Hilfe von Transportgestellen aus Stahlrohr gesichert. Dort wurden sie – eine logistische Meisterleistung – zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort so positioniert, dass sie nach zuvor ausgeklügelten Montageplänen an der richtigen Stelle befestigt werden konnten. „Eine Woche zuvor haben wir an der Unterkonstruktion auf der Baustelle Stahlplatten eingemessen und eingesetzt sowie feinjustiert“, erklärt Sönnichsen den Bauablauf. Auf diesen Haltekonsolen können die Elemente einzeln abgesetzt werden, bevor sie lotrecht über sämtliche Etagen ausgerichtet und verdübelt werden. Danach müssen diese nur noch von innen mit Absperrfolien eingedichtet werden. 20 Elemente pro Tag schaffte Lindner mit der gewählten Methode. „Allein die witterungstechnischen Vorteile waren bestechend“, freut sich der Projektleiter. „Normalerweise muss zwischen allen Montagevorgängen Wetterschutz angebracht werden. Und wenn es dann regnet, besteht doch die Gefahr, dass etwas nass oder schmutzig oder im Zuge der vielen Bewegungen auf der Baustelle beschädigt wird.“

Ohne die Knapp-Verbinder RICON® wäre diese Leistung nicht möglich gewesen. Denn für eine Elementmontage müssen die Fassadenelemente statisch berechnet werden, da ihr Gewicht ja beim Transport nur auf zwei bis drei Aufhängepunkten lastet. Die Verbinder müssen also nachweislich in der Lage sein, diese Last von bis zu 1 to zu tragen und auch eine bauaufsichtliche Zulassung vorweisen.

Für Lindner als ausführende Fassadenfirma war die Wahl somit ein Glücksgriff. Schließlich konnte damit hochwertige Qualität und Optik garantiert werden. „Aus der ursprünglichen langweiligen Lochfassade entstand mit der neuen Außenhaut eine Lösung, die souverän mit verschiedenen Details spielt, vom Kastenfenster bis zur Loggia – und die bei natürlicher Belüftungsmöglichkeit gleichzeitig verschiedene akustische Anforderungen bewältigt“, freut sich Gerhard Eckl, der Vorstand von Nickl & Partner Architekten. Ein optisches Highlight. Und dazu noch ein nachhaltiges: Der sanierte Baukörper strebt die LEED-Zertifizierung der Stufe Gold an und beweist damit, dass ein derart hochwertig saniertes Gebäude so manchen Neubau in den Schatten stellt. Und Nickl & Partner gewinnt mit Sunyard von REAL ESTATE selectedden JSH-Award 2011.

Autorin: Christine Ryll

Keywords
arcguide Sonderausgabe 2021
arcguide Partner
Architektenprofile
 


Sie möchten auch Ihr Büro präsentieren und Ihre neuesten Projekte vorstellen? Zum Antragsformular »


Sie haben bereits ein Büroprofil auf arcguide.de und möchten Ihre neuesten Projekte vorstellen? Zum Projektformular »

Ausschreibungen
Konradin Architektur
Titelbild db deutsche bauzeitung 5
Ausgabe
5.2022 kaufen
EINZELHEFT
ABO

 


Architektur Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Architektur-Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Medien GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum arcguide Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des arcguide Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de