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Forschungsneubau in Würzburg von Auer Weber

Forschung | Würzburg | Auer Weber
Fassade mit Binärcode

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Das neue Zentrum für Philologie und Digitalität (ZPD) auf dem Campus Hubland Nord verfolgt die „Neukonstituierung der Philologie im Zeitalter von Digitalisierung und Globalisierung“ und verknüpft hierzu die Fachbereiche Geisteswissenschaften, Informatik und Digital Humanities. Der von Auer Weber auf Grundlage eines 2018 gewonnenen Architektenwettbewerbs geplante Forschungsneubau betritt nicht nur hinsichtlich des ungewohnten Miteinanders dieser Disziplinen, sondern auch im Wortsinn Neuland.

Denn er ist das erste Gebäude auf dem Baufeld Geisteswissenschaften, das innerhalb des Campus Hubland Nord eine Art Mikro-Campus ausbildet. Zusammen mit der Graduate School of Life Sciences und der Mensateria trägt das dreigeschossige ZPD durch seine Lage am sogenannten Grünen Band zudem zur räumlichen Fassung einer neuen Grünfläche bei. Diese wird langfristig als wichtiger Erholungs- und Kommunikationsraum dienen. An dessen Rändern sollen nach und nach weitere Campusgebäude entstehen.

Egal von welcher Seite sich Forschende, Studierende und Gäste dem ZPD annähern – sie gelangen an ein kompaktes rechtwinkliges Gebäude, dessen bandartig gegliederte Fassade aus geschossweise gleichmäßig versetzten Glasflächen und massiven Weißbetontafeln besteht. Erst auf den zweiten Blick sind in den Sichtbetonoberflächen quadratische Vertiefungen zu erkennen, die sich identisch auf jeder zweiten Tafel wiederholen. Sie zeigen abwechselnd die in einen Binärcode übersetzten Wörter „Philologie“ und „Digitalität“ und nehmen so subtil Bezug auf die im Gebäude stattfindende interdisziplinäre Forschung. Zusammen mit den tiefen Fensterlaibungen sorgen die Reliefs zugleich für eine identitätsstiftende Fassadengestaltung mit einer sich je nach Tageszeit und Sonnenlicht permanent verändernden Licht- und Schattenwirkung.

Eingangshalle mit skulpturaler Raumwirkung

Der Haupteingang des ZPD liegt am Grünen Band, während sich ein nahezu gleichwertiger Zugang an der Ostseite des Gebäudes zum Mikro-Campus orientiert. Beide Zugänge führen in eine durchgesteckte dreigeschossige Eingangshalle, die über das als „Laterne“ ausgebildete Dach sowie über die raumhohe Verglasung der Flurwände im Obergeschoss reichlich Tageslicht erhält. Gestalterisch kommt die Eingangshalle mit nur wenigen Elementen aus. Geprägt wird der Raum insbesondere durch den tiefschwarzen Nero-Assoluto-Natursteinboden, Sichtbetonwände und -brüstungen mit der lebhaften Struktur einer vertikalen Bretterschalung sowie durch gezielte Farbakzente in warmen Ockergelb- und Zinnoberrottönen an den Unterseiten zweier im Luftraum nach oben führender Treppenläufe. Wesentlich für die unprätentiöse und doch kraftvolle skulpturale Raumwirkung ist das Wechselspiel der Betonwände und der geschossweise über Eck versetzten massiven Beton- bzw. transparenten Glasbrüstungen. Die Treppenläufe dienen nicht nur der Erschließung der Obergeschosse. Sie sind vielmehr integraler Bestandteil der Raumkomposition und gehen im Erdgeschoss fließend in ein breites Sitzpodest über.

Lab48

Im Zusammenspiel all dieser Elemente entsteht ein geschossübergreifender repräsentativer Innenraum, der durch die umlaufenden Galerieebenen einladend wirkt. Hier schlägt das „Herz“ des Forschungsgebäudes. Hier sind alle Nutzungsbereiche räumlich miteinander verbunden. Hier treffen Informatiker, Musik-, Literatur- und Geisteswissenschaftler sowie Studierende und Gäste zusammen, um sich formell oder informell auszutauschen. So gesehen ist die Eingangshalle baulicher Ausdruck des offenen, interdisziplinären Ansatzes des ZPD.

Vielfältige Arbeits- und Gemeinschaftsbereiche

In Eingangsnähe im Erdgeschoss des dreibündig organisierten Gebäudes befinden sich vor allem Seminar- und Veranstaltungsräume. Der nördliche Gebäudeteil beherbergt einen mittigen VR- und Digitalisierungsbereich sowie Arbeitsplätze entlang der Fassaden. Im 1. Obergeschoss direkt darüber liegt der Bürobereich Digitalität. Dort umschließen Besprechungsräume, ein Open Space sowie Einzel- und Gruppenbüros eine in der Mittelzone untergebrachte Bibliothek sowie einen zweigeschossigen, nach oben offenen Lesehof. Während die gemeinschaftlich genutzten Räume über großflächig verglaste Wände verfügen und so vielfältige Einblicke in die Arbeit der Forschenden gewähren, eignen sich die Zellenbüros dank der zum Flur geschlossenen Wände ideal als Rückzugsräume. Südlich dieses Bürobereichs – gleichsam als Teil der Eingangshalle – liegen von allen Forschenden genutzte Besprechungs- und Arbeitsräume sowie ein großer Gemeinschaftsbereich mit Teeküche. Die angenehme Offenheit basiert nicht zuletzt auf der Tatsache, dass dank einer Brandmeldeanlage, zweier baulicher Rettungswege sowie einfacher Feuerwehrangriffswege auf notwendige Flure verzichtet werden konnte, obwohl die Nutzungseinheiten größer als 400 m² sind. Das 2. Obergeschoss ist räumlich nahezu identisch mit dem 1. Obergeschoss und wird vor allem von Forschenden des Bereichs Philologie genutzt. Ein subtiler, aber nicht zu übersehender Unterschied zwischen den Geschossen liegt in einem Farbkonzept, das mithilfe ockergelber und zinnoberroter Oberflächen die Verzahnung von Philologie und Digitalität visualisiert. In beiden Geschossen kommen auf Wänden und Böden beide Farben zum Einsatz – jedoch jeweils genau umgekehrt.

Nachhaltigkeit und Interdisziplinarität fördern

Im Sinne der Energieeffizienz und eines hohen Nutzerkomforts werden nahezu alle Räume auf natürliche Weise belüftet. Ausnahmen bilden lediglich der Seminar-, VR- und Digitalisierungsbereich im Erdgeschoss sowie die Eingangshalle. Letztere erhielt eine Rauch- und Wärmeabzugsanlage, die die Rettungswege auch bei niedrigenergetischen Bränden vor Brandgasen freihält. Zugleich leistet die Halle einen wichtigen Beitrag für einen sparsamen Ressourcenverbrauch. Denn ebenso wie der Lesehof versorgt sie die in Gebäudemitte liegenden Bereiche mit viel Tageslicht und verringert dadurch den Kunstlichtbedarf. Nötiges Kunstlicht stammt im ganzen Gebäude konsequent von einer energieeffizienten LED-Beleuchtung.

Abgerundet wird das Nachhaltigkeitskonzept durch einen Fernwärmeanschluss sowie durch Wärmerückgewinnungssysteme und modernste Technik bei der Kälteerzeugung, die den Primärenergiebedarf auf ein notwendiges Minimum reduzieren. Hinzu kommt eine auf dem extensiv begrünten Flachdach installierte Photovoltaikanlage. Als nachhaltig erweisen sich auch die zurückhaltend neutral und offen gestalteten Büro- und Gemeinschaftsbereiche. Sie eröffnen unzählige Nutzungsszenarien und fördern den sozialen und beruflichen Austausch. Auf diese Weise unterstützen sie nicht nur das Wohlbefinden der Menschen, sondern tragen dazu bei, die erfolgreiche interdisziplinäre Forschung in den Bereichen Philologie und Digitalität voranzutreiben.


Bautafel

Standort: Emil-Hilb-Weg 23, 97074 Würzburg
Nutzer: Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Auftraggeber: Staatliches Bauamt Würzburg
Architekt: Christof Teige (verantwortlicher Assoziierter), Tobias Laipple (Projektleitung), Philipp Reiseder, Julia Müller
Objektüberwachung: Hofmann Keicher Ring Architekten, Würzburg
Freianlagen: Adlerolesch Landschaftsarchitekten GmbH, Nürnberg
Tragwerksplanung: Kraft Ingenieure GmbH + Co. KG, Würzburg
Technische Ausrüstung: Pinovaplan Ingenieurgesellschaft mbH, Düsseldorf (HLS); Abi Technische Gebäudeausrüstung GmbH & Co. KG, Würzburg (ELT)
Bauphysik: Wölfel Engineering GmbH + Co. KG, Berlin
Brandschutz: Goetz Architektur & Brandschutz, Würzburg
Flächen: 5.100 m² BGF, 2.660 m² NUF, 21.300 m³ BRI

Wettbewerb: 1. Preis 2018
Planungsbeginn: 2018
Baubeginn: 2020
Fertigstellung: 2023


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