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Eine Schwimmhütte in mitten der Bergkulisse von Völs (I)

Tourismus | Völs (I) | noa*
Lake House Völs: Auf zu neuen Ufern

Es war der berühmte Sprung ins kalte Wasser: Wie es noa* am idyllischen Völser Weiher mit viel Fingerspitzengefühl gelang, mit einem neuen, modernen Konzept an eine liebgewonnene Tradition anzuknüpfen und dabei Architektur mit Natur harmonisch in Einklang zu bringen.

Inmitten einer herrlichen Bergkulisse, gesäumt von satten grünen Tannenwäldern, liegt der Völser Weiher, ein etwa ein Hektar großer See auf knapp über 1.000 Höhenmetern über dem Meer. Die Idylle hier ist echt: Ein Naturschutzgebiet, das den Menschen, die hier gerne zu jeder Jahreszeit herkommen, Raum für Erholung und Muße bietet. Dieser Verantwortung waren sich auch die Architekten von noa* bewusst, die von der Gemeinde Völs mit dem Neubau einer kleinen, feinen Schwimmhütte mit angeschlossenen öffentlichen Umkleiden und Sanitäreinrichtungen beauftragt wurden. Der bestehende alte Kiosk war in die Jahre gekommen – zu klein, nicht mehr zeitgemäß und vor allem eines gar nicht: Barrierefrei. Das bei Einheimischen beliebte Ausflugsziel – im Sommer für erfrischendes Baden im See, im Winter zum Schlittschuhlaufen – sollte ein modernes und zeitgemäßes Gesicht bekommen. Dafür wurde das alte Gebäude abgetragen, um mit einer Architektur ein neues Kapitel zu schreiben, die sich mit der Umgebung zu einem harmonischen Ganzen verbindet.

Willkommen heißen

Um die Maßstäblichkeit in dieser besonderen Umgebung dezent und klein zu halten, sieht das Konzept von noa* zwei kleine, entlang einer Querachse miteinander verbundene Baukörper mit zurückhaltender Kubatur für die Schwimmhütte vor. Der eine Teil, die neue Gaststätte mit klassischem Satteldach, beinhaltet die halb offene, halb geschlossene Küche mit Speisenausgabe und Tresen, an dem die Getränke ausgeschenkt werden. Gleich im Anschluss setzt sich der Baukörper als offene Loggia und Terrasse fort, die den Blick über den See und den neu gestalteten Badebereich schweifen lässt. Die orthogonale Querachse dazu wird durch eine komplett öffenbare Nische mit einem Holzfaltelement definiert. Darin befindet sich eine zweite Theke, an der sich Badegäste, aber auch Fußgänger und Radfahrer wie an einem Kiosk von außen kleine Erfrischungen, Eis und Speisen holen können. Durch diese geschickte Zweiteilung gelingt es, den Loggia- und Terrassenbereich angenehm ruhig zu halten und gleichzeitig eine schnelle Abwicklung für den Self-Service zu gewährleisten.

Orte schaffen

Der zweite Baukörper – ein eigener Kubus, der jedoch nicht freistehend, sondern mit jenem der Gaststätte verbunden ist, wodurch sowohl architektonisch, als auch funktional ein enges Ensemble entsteht – ist der öffentlichen Dynamik gewidmet. Hier befinden sich frei zugängliche Sanitäranlagen, die auch den Ansprüchen in Hinblick auf Barrierefreiheit nachkommen sowie die Umkleidemöglichkeit für passionierte Freizeitsportler wie Schwimmer und Eisläufer. In seiner mittigen Achse, dort wo sich auch ein kleines Atrium mit eigens von lokalen Handwerksbetrieben gefertigten Spinden und Umkleiden für die Gäste befindet, bleibt der Kubus durchgängig und offen. Die Blickachse in die Natur bleibt damit gegeben und signalisiert so ein einladendes Willkommen für Badegäste und Wanderer. Für diese allgemein zugänglichen Räumlichkeiten der Schwimmhütte wurde eine robuste Harzspachteltechnik ausgewählt, die den Belastungen, etwa durch Schlittschuhe, standhält und gleichzeitig bei Nässe am Boden Sicherheit bietet. Die Gestaltung der Innenräume spricht die Sprache der umliegenden Natur – ein Vorschlag der Architekten, der eine starke, visuelle Harmonisierung zwischen Außen und Innen bewirkt. So wurde als Grundfarbe Grün gewählt, die sich an Boden, Wand und Decke wiederfindet.

Hubertus: zwischen Himmel und Erde oszillierend

Eins werden

Der Fußboden und die vertikalen Flächen werten den Raum jedoch noch mit einer weiteren Besonderheit auf: Um die Architektur mit dem Ort, an dem sie steht, noch stärker zu verorten, ließ noa* in die Harzspachtelmasse ein traditionelles Südtiroler Spitzenmuster einarbeiten. Dabei wurden die Motive kurz in die feuchte Masse eingedrückt und rasch wieder abgezogen. Der dreidimensionale Effekt, der manchmal mehr und manchmal weniger in Erscheinung tritt, bringt mitsamt seiner Unregelmäßigkeit eine außergewöhnliche Note und einen Hauch von sympathischer Spontaneität in den Raum. Die verschiedenen Grünnuancen schaffen auch hier eine fließende Verbindung zur Natur. Während das andere Gebäude in etwa das Volumen des Vorgängerbaus übernommen hat und charakteristische Präsenz zeigt, wird dieses hingegen – so das Konzept der Architekten – optisch stark in den Hintergrund treten.

Das Bauvolumen der Schwimmhütte entlang der Querachse gestaltet sich durch eine Holzrahmenbauweise, die gleichzeitig als Tragstruktur für Rankpflanzen fungiert. Die Begrünung soll die Kubatur vom See aus betrachtet „verschwinden“ lassen. Vorgesehen ist schnell wachsender Jasmin, der die Umkleiden schon in wenigen Monaten in ein natürliches, grünes Blätterwerk einhüllen wird.

Sich draufeinlassen

Das Ensemble steht mitten in einer einmaligen Naturlandschaft, eng damit verbunden, Blicke auf See, Wald und Berg freigebend und mitunter auch mit rahmenden Perspektiven inszenierend. Ihren Beitrag leistet dabei auch die bewusst gewählte Lärchenholzfassade, die – frei von jeglicher Behandlung – ihrem natürlichen Schicksal „überlassen“ und sich mit der Zeit und der Witterung langsam verändern wird. Die zurückhaltende Architektur, die der Flora ganz klar den Vortritt lässt, gibt dieser noch mehr Raum, indem sie sich selbst sanft einfügt. Die sich fast verzweigenden und in den See ergießenden neu gebauten Badestege wurden aus dem Holz der umliegenden Wälder errichtet und geleiten den Erholungssuchenden von den Gebäuden zum Wasser. Das gesamte Projekt versinnbildlicht das Bestreben von noa*, behutsam und verantwortungsvoll mit sensiblen Ambienti umzugehen und sich dabei selbst in ihrem architektonischen Anspruch treu zu bleiben. Zwischen den frisch angelegten Schilfgürteln und dem neuen Kinderbereich, begleitet von der jungen Infrastruktur, kann man hier noch beim Rendezvous mit der Natur so richtig die Seele baumeln lassen.

Autorin: Barbara Jahn-Rösel


Typologie: Schwimmhütte, Freizeitanlage
Ort: Völs am Schlern, Südtirol (Italien)
Bauherr: Gemeinde Völs
Architektur: noa* network of architecture
Interior Design: noa* network of architecture
Bauzeit: April-August 2019
Eingriff: Abbruch und Neubau
Volumen: 330 m³
Fläche: 120 m²




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