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Der Wasserturm in Gasperich: Gewebte Lichtpoesie für eine neue Landmarke in Luxemburg

Industrie | Gasperich (LU) | Licht Kunst Licht
Funktion und frische Eleganz vereint

Nach zweijähriger Bauzeit wurde das spektakuläre Bauwerk im Sommer 2018 seiner Bestimmung übergeben – mit einer Höhe von rund 68,5 m ist der Wasserturm der höchste im ganzen Land. Er bietet ein Fassungsvermögen von erstaunlichen 1.000 m³ und lagert das Trinkwasser für die Stadtteile Cloche d’Or, Cessingen und Gasperich. Das von Licht Kunst Licht entwickelte Beleuchtungskonzept unterstreicht diese Präsenz und macht die Struktur und Farbigkeit der äußeren Gebäudehülle weithin sichtbar.

Gelegen am vielbefahrenen Autobahnkreuz von A1, A6 und A3, Knotenpunkt für Reisende aus Luxemburg, Belgien, Frankreich und Deutschland, behauptet sich der neue Wasserturm mit eindrücklicher visueller Präsenz gegenüber der umliegenden Bebauung des Industrie- und Gewerbegebietes – bei Tag und in der Nacht.

Wassertürme, im Französischen poetisch „Chateaux d’eau“ genannt sind in ihrer Häufigkeit eine Besonderheit der luxemburgischen Infrastruktur. Angelegt als Wasserreservoirs und Brunnenbauten sichern sie die Trinkwasserversorgung im hügeligen Binnenland. Zugleich sind sie Landmarken und Wegweiser, die für Ortskundige und Durchreisende gleichermaßen Orientierung und Identität schaffen.

Eine ausgezeichnete Trinkwasserqualität hat in der Bevölkerung einen sehr hohen Stellenwert, da das Trinkwasser direkt aus natürlichen Quellen und ohne weitere chemische Behandlung zu den Verbrauchern gelangt. Wassertürme gewährleisten durch die Bevorratung großer Wassermengen den freien Zugang zu sauberem Trinkwasser. Insofern stellen die Türme ein gebautes „Versprechen“ der kommunalen Wasserversorger an die Verbraucher dar.

Synthese aus Funktion und Eleganz

Außerhalb der Stadt Luxemburg gelegen, entsteht der neue Stadtteil Ban de Gasperich, neue Heimat für eine Vielzahl von Gebäuden und Nutzungen. Frühe Erhebungen zeigten, dass die Kapazitäten des nahegelegenen Wasserturms „Tubishaff“ in Cessingen so mehr als ausgeschöpft und den Bau eines neuen Reservoirs unbedingt erforderlich machen würden.

Aus dem folglich ausgelobten Architekturwettbewerb für einen Turmneubau war 2013 das Architekturbüro Atelier d’Architecture et de Design Jim Clemes S.A. (seit Oktober 2017 Jim Clemens Associates) aus Esch-sur-Alzette hervorgegangen. Der Entwurf umgibt den funktionalen Kern des Wasserturms mit einem dynamisch wirkenden Geflecht aus flachen, weiß beschichteten Aluminiumbändern, das in einem Abstand von etwa 50 cm die Betonwand elegant umschmeichelt.

Klarheit und Frische durch kühles Weiß

Die Anstrahlung des Turmes erfolgt aus einer bodennahen Position und belegt die Gebäudehülle mit einem weichen Lichtschleier, der das Objekt in all seinen Facetten und Dimensionen erlebbar macht. Die Lichtfarbe spielt hierbei eine tragende Rolle.

Die Assoziation mit Erfrischung durch kühles Wasser war dabei der konzeptionelle Ausgangspunkt der Überlegungen. Die Farbe Weiß steht in unserem Kulturkreis für Reinheit und unverfälschte Natürlichkeit. So entstand die Idee, die gewebte Fassade in der Nacht mit kaltweißem Licht von 6.500 K zu illuminieren. Im Kontext des vorwiegend warmtonigen Umgebungslichts hebt sich der Wasserturm durch den erhöhten Blauanteil im Lichtspektrum in seiner makellosen Frische hervor – mehr durch seine Assoziativfarbe als durch seine vordergründige Helligkeit.

Die für die Außenbeleuchtung verwendeten LED-Scheinwerfer sind mit RGBW-Platinen bestückt. So können mittels einer programmierten Ansteuerung neben der „sinnstiftenden“ weißen Illumination zu bestimmten Uhrzeiten oder besonderen Anlässen monochromatische, farbige Lichtszenen, Farbverläufe oder auch Lichtanimationen erzeugt werden.

Konzentrische Ringe aus Licht

Gestaffelt in drei verschiedenen Abstandsbereichen sind 24 LED-Scheinwerfer konzentrisch um den Turm herum angeordnet. Im gebäudenahen Bereich befindet sich der innere Leuchtenring, angeordnet in einem Abstand von etwa 5,50 m um den Umriss des Reservoirs. Hier sind Leuchten mit breitstrahlender Lichtcharakteristik für eine weiche, ansatzlose Betonung des unteren Turmabschnitts vorgesehen. In einer Entfernung von etwa 8,50 m bis 9,50 m sowie zwischen 14,50 m und 19,50 m liegen Strahler mit einer engeren (13°) bzw. sehr engen Lichtverteilung (8°) für die mittleren und oberen Fassadenzonen.

Durch diese fein kalibrierte Abstufung entstand nach einer präzisen und stufenlosen Feinausrichtung der Leuchten eine allseitig wirksame, erstaunlich homogene Lichtpräsenz, deren Streulicht in den Luxemburger Himmel so auf ein Maximum von 3 % reduziert werden konnte.

Trotz unterschiedlicher Abstrahlungscharakteristiken handelt es sich um durchgehend baugleiche Außenraumstrahler. Durch ein modulares Wechselsystem aus Vorsatzlinsen werden die erforderlichen Ausstrahlungswinkel generiert, ohne eine Vielzahl von Leuchtentypen mit verschiedenen Wartungsroutinen und Ersatzteilen zu etablieren.

Behutsames und zugleich rhythmisches Licht

Mit diesen behutsamen Maßnahmen ist ein magisches Zusammenspiel aus Fassadenmaterialität und Lichtpoesie entstanden, das die Funktion des Gebäudes sensorisch erfahrbar macht und eine geradezu textile, strukturierte Nachtanmutung schafft. Weithin sichtbar in diesem stark frequentierten Gebiet, empfiehlt es sich als Landmarke, die durch ihre visuelle Frische Aufmerksamkeit erzeugt und dem geneigten Beobachter von seinem kostbaren Inhalt erzählt.


Projekt: Wasserturm in Gasperich, Luxemburg
Architekten: Jim Clemes Associates, Esch-sur-Alzette, www.jimclemes.com
Lichtplanung: Licht Kunst Licht AG, Bonn / Berlin, www.lichtkunstlicht.com
Projekt- und Teamleitung: Maik Czarniak
Team: Stephan Thiele
Eingesetzte Leuchten: Philips Color Kinetics
Fertigstellung: 2018



Ein weiteres Projekt von Licht Kunst Licht:

Erblühendes Licht in bewegten Raumskulpturen



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