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Kontrastreiche Lichtinszenierung für die Dauerausstellung des National Museum of Qatar

Kultur | Doha (QAT) | Licht Kunst Licht
Erblühendes Licht in bewegten Raumskulpturen

Für die 11 Galerien der Dauerausstellung im National Museum of Quatar erarbeitete das Lichtplanungsbüro Licht Kunst Licht eine architektonisch integrierte Lichterzählung, die den Besucher in inszenierender und spannungsvoller Weise durch die 700 Millionen Jahre währende Natur- und Kulturgeschichte des Golfstaates begleitet.

Mit einem Festakt und prominenten Gästen aus aller Welt hat am 27. März 2019 – nach einer mehr als zehnjährigen Planungs- und Bautätigkeit – das National Museum of Qatar eröffnet. Die atemberaubende Architektur des Pritzker-Preisträgers Jean Nouvel ist von einer Sandrose inspiriert und eröffnet bewegte Raumfluchten von großer Anmut.

Die Sandrose – Inspiration aus der Natur

Im Jahr 2008 konnte die staatliche Stiftung Qatar Museums unter der Schirmherrschaft Seiner Hoheit Sheikh Tamim bin Hamad bin Khalifa Al Thani den französischen Stararchitekten Jean Nouvel für den Neubau des National Museum of Qatar in der Hauptstadt Doha gewinnen. Angestammter Sitz des Museums ist der 1906 erbaute und einst von der königlichen Familie bewohnte Alte Palast des Sheikh Abdulla bin Jassim Al Thani (1880 – 1957). Durch den Neubau hat es nun eine enorme Erweiterung um 40.000 m² erfahren.

Die einzigartige Architektur des neuen Gebäudeensembles spiegelt die tiefe Verbindung der einst nomadischen Bevölkerung Qatars mit der Wüste wider: Sie ist einer Sandrose nachempfunden, einem bizarren Gebilde, das meist aus Sandkörnern besteht, die in einen Kristall aus Gips oder Baryt eingebettet sind. Große, bauchige Scheiben, Überschneidungen und Auskragungen charakterisieren den Bau.

In seinem Inneren finden sich sehr unterschiedliche Raumtypologien. Kleine Kabinette, die die Intimität der Nomadenzelte beschwören, gibt es ebenso wie kathedralenhaft nach oben strebende Räume, die die Weite des Himmelszelts zitieren. Das Tageslicht fließt wohldosiert durch Fugen, Öffnungen und Zwickel in das Gebäude – denn wegen konservatorischer Vorgaben galt es, das kraftvolle, harte Sonnenlicht der Region zu zügeln. So enthüllt das einfallende natürliche Licht zwar die Formgebung vieler Räume, hält aber meist respektvollen Abstand zu den Exponaten.

Exponate, Vitrinen, Displays und Projektionen

Die Ausstellung führt den Besucher über einen 2,7 km langen Parcours, der bei der geologischen Entstehung der katarischen Halbinsel einsetzt und bis in die Gegenwart führt. Dabei werden alle Wissensgebiete aus Natur und Gesellschaft berücksichtigt. Die rasante Entwicklung des Landes von einem losen Verbund nomadischer Stämme und Perlentaucher hin zur technologieaffinen und wohlhabenden Gesellschaft der Gegenwart wird anhand verschiedenster Exponate und mit zahlreichen Videoprojektionen bzw. auf Displays eindrucksvoll illustriert. Dabei werden archäologische Funde und Kunsthandwerk ebenso in den Fokus gerückt, wie jüngste wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Zugleich finden Auftragsarbeiten namhafter lokaler und internationaler Künstler dort ihren Ort.

Das Lichtkonzept musste den gegenständlichen und medialen Präsentationsformen Rechnung tragen, was schon früh zu der Idee von zwei Lichtlayern führte. Umgesetzt wurde sie mit gut entblendeten, justierbaren Leuchten in den Deckenpaketen und mit in Vitrinen integrierten, weitgehend unsichtbaren Miniaturleuchten.

Inszenierung durch Verdichtung und Auflösung

Die Platzierung der Leuchten erfolgte nach einem komplexen Algorithmus aus Verdichtung und Auflösung: Projektionen und Displays durften nicht durch Lichtquellen gestört werden. Zudem berücksichtigt die Anordnung der Deckenleuchten die Standorte der Vitrinen, die ihr eigenes Licht mitbringen. Bei freistehenden Exponaten und einem speziellen Typ hochtransparenter Vitrinen wiederum kommt druckvolles, brillantes Licht aus der Decke zum Zuge.

Im gesamten Museum werden 3.000 K Farbtemperatur verwendet. In Verbindung mit dem stark zonierten Licht und den eher niedrigen Beleuchtungsstärken entsteht so bisweilen der Lichteindruck eines nächtlichen Lagerfeuers.

Licht nach Maß aus der Decke

Die Deckenleuchten bestehen aus Richtstrahlern, die bündig in die skulpturalen Abhangdecken eingebaut sind. Das Licht wirkt durch kleine „Pinhole“-Öffnungen in einer größeren, bündig eingelassenen Abdeckung in Deckenfarbe.

Die weitgefächerten Raumgeometrien sowie die höchst unterschiedlichen Proportionen der Ausstellungsstücke bedingten für die Richtstrahler diverse photometrische Eigenschaften. Drei unterschiedliche Lichttechniken kommen dort zum Einsatz: Spot, Medium und Flood. Je nach Bedarf wurden sie kombiniert mit Rillenlinsen für eine elliptische Aufweitung des Lichtkegels in Wandnähe oder mit Wabenrastern für stark geneigte Deckenfelder. Dabei sind die Leuchten sehr gut entblendet und treten als Lichtquellen im Deckenbild kaum in Erscheinung.

Eine echte Herausforderung hierbei war die Verortung der richtigen Lichttechnik in den hochskulpturalen Räumen. Da eine 2D-Plandarstellung hierbei wenig hilfreich war, mussten für jede Raum- und Exponatssituation das virtuelle 3D-BIM-Modell sowie Detailschnitte konsultiert werden. Gleichzeitig war das Ziel, eine gewisse Ordnung in der Deckengrafik zu bewahren – und wo möglich – Fluchten und Raumpunkte aufzunehmen.

Eine weitere Besonderheit ist die individuelle Justierbarkeit und Dimmbarkeit der Leuchten mittels IR-Fernbedienung. Die kardanisch gelagerten Strahlereinsätze können bis zu ±35° geschwenkt und ±175° gedreht werden. Dies erleichtert das Einrichten der Beleuchtung enorm und ermöglicht zudem eine flexible Anpassung an künftige Änderungen der Ausstellung. Hier wären sonst Rollgerüste und Hubsteiger nötig.

Verstecktes Licht in den Vitrinen

Die Vitrinen im National Museum of Qatar sind von ähnlicher Diversität wie die Ausstellungsräume selbst. Die Lichtlösung ist deshalb individuell auf jede Vitrine und ihren Inhalt abgestimmt worden.

Während frei im Raum stehende, entmaterialisierte Glasvitrinen ausschließlich aus den Deckeneinbaurichtstrahlern beleuchtet werden, nutzen alle Vitrinen, die Verschränkungen mit der Architektur ausbilden, etwa mit der Decke, dem Boden oder der Wand, verdeckte Lichtelemente. Diese sind modular aufgebaut: Ein Profil nimmt die Verdrahtung auf, die Miniaturstrahler und Lichtprofile werden dann nach Bedarf wie gewünscht eingeklickt und ausgerichtet. Bei anderen Konfigurationen werden die Leuchten mittels Magneten an einer stromführenden Schiene mechanisch und elektrisch angebunden.

Eindrucksvolles Museumserlebnis

Die Fülle und die Diversität der Exponate im National Museum of Qatar holen Besucher mit verschiedensten Interessen ab. Die Qualität, Abfolge und Präsentation der Exponate erzeugen wechselnde Themenwelten, die alle Sinne ansprechen. Das Licht spielt dabei eine subtile, jedoch maßgebliche Rolle. Das fein austarierte Zusammenspiel der Komponenten aus spärlichem, jedoch raumdefinierenden Tageslicht, inszenierendem Deckenlicht, differenzierter Vitrinenbeleuchtung und den Wandprojektionen der Medienplaner erzeugt visuelle Eindrücke, die lange nachhallen.


Projekt: National Museum of Qatar, Doha, www.nmoq.org.qa
Bauherr: Qatar Museums Authority
Bauherrenvertretung: ASTAD, Qatar Petroleum, Doha
Architekt: Ateliers Jean Nouvel, Paris, www.jeannouvel.com
Projektleitung: Philippe Charpiot
Projektmanagement: EMA architectes associés, Genf, www.ericmaria.com
Ausführende Architekten: QDC – Qatar Design Consortium, Doha, www.qdcqatar.com.qa

Lichtplanung Dauerausstellung (11 Galerien): Licht Kunst Licht AG, Bonn/Berlin, www.lichtkunstlicht.com
Projektleitung: Martina Weiss; stellv. Projektleitung: Stephanie Große-Brockhoff
Projektteam: Laura Sudbrock, Daniela Torres Toledo
Lichtplanung weitere Innenbereiche, Elektroplanung: Ingénieurs-Conseils Scherler SA, Genf, www.srg-engineering.ch
Ausstellungsgestaltung: Renaud Pierard Studio, Nantes

Spezialausstellungen: Art+Com Studios, Berlin; Opera, Amsterdam
Medienszenographie: Ducks Scéno, Paris
Art Film Consultant: Pierre Edelman
Signage: Pentagram, London
Landschaftsplanung: Michel Desvigne Paysagiste, Paris

Fertigstellung: 2019
Projektgröße: 7.000 m²  (Dauerausstellung, unterteilt in 11 Galerien)



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