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Startblock B2: Regionales Gründungszentrum Cottbus

Büro | Cottbus | ludwig heimbach architektur
Startblock B2

Das neue Gründungszentrum Startblock B2 konzentriert die Aktivitäten von Tech-Start-ups an einem Ort und fügt der Stadt ein besonderes Gemeinschaftsgebäude hinzu – als ein Impulsgeber für die Region. Die Absicht der Architekten, das Gebäude zukunftsrelevant zu entwerfen, zeigt sich in den strukturellen und ressourcenschonenden Entwurfsentscheidungen der Holz-Hybridkonstruktion, den gewählten Materialien, optimierten Konstruktionsmethoden und nachhaltigen Energiesystemen.

Mit dem durch den Kohleausstieg anstehenden Strukturwandel soll für die Menschen der Lausitz eine neue Perspektive eröffnet werden, indem neue Arbeitsformen sowohl in der Stadt Cottbus als auch in der umliegenden Lausitz geschaffen und etabliert werden. Die Energiewende gibt diesem Anliegen eine neue Aktualität.

Das Regionale Gründungszentrum „Startblock B2“ in Cottbus möchte Innovation und Kreativität als einen Ort des Austauschs unter den Gründern, mit der Stadtgesellschaft und dem universitären Umfeld fördern. Es steht unmittelbar am Eingang zum Campus der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU), an dessen anderem Ende sich das IKMZ von Herzog & de Meuron befindet.

Öffentliche Schwelle

Das Gebäude dient im Erdgeschoss als öffentliche Schwelle zwischen den Nutzern des Gebäudes und der interessierten Stadt- und Universitätsgemeinschaft. Hier öffnet es sich nach Süden zu einem neuen öffentlichen Platz mit dem denkmalgeschützten „Brunnen des Friedens“ und nach Osten zum verbreiterten Bürgersteig.

Die großen Öffnungen schaffen hier eine transparente Verbindung von Platz und Strasse zu den Aktivitäten im Inneren des Gebäudes. Textile Verschattungselemente, die auf den Bürgersteig als Markisen hinausragen, erweitern den Innenraum in den öffentlichen Raum.

Das Eingangsfoyer und das öffentliche FabLab im Erdgeschoss bilden das kommunikative Zentrum des Gebäudes. Das Foyer ist ein multifunktionaler Raum, der gleichzeitig Empfangszone, öffentlicher Arbeitsbereich, Lounge mit Kaffeebar sowie Pausenfoyer für den platzseitigen Veranstaltungssaal ist.

Der Niveauunterschied zwischen Eingang und FabLab ist als Sitztribüne für informelle Präsentationen und Veranstaltungen konzipiert. Das Erdgeschoss ist somit ein von der Öffentlichkeit und den Gründern durchdrungener Schwellenraum mit unterschiedlichen Nutzungen.

Mehrschichtige Fassade

Die Idee der öffentlichen Schwelle findet ihre Entsprechung in der konstruktiven Umsetzung der Fassade.

Das Gebäude ist eine Hybridkonstruktion mit einer vorgehängten vorgefertigten Holzfassade, die sich von schwer nach leicht entwickelt und auf nachhaltige Lösungen wie manuelle Nachtlüftung, Verschattung und geothermische Bauteilaktivierung setzt.

Vor einen schweren Stahlbeton-Rohbau wurde eine leichte, vorgefertigte Holz-Rahmenbau-Fassade und schließlich noch leichtere textile Verschattungselemente, die das Gebäude skulptural gliedern, vorgehängt.

Das leichte Textilgewebe der Außenfassade ist auf Stahlrahmen aufgespannt. Diese Segel spenden Schatten und dienen als halbtransparente Abschirmung für die Arbeitsbereiche des Gebäudes. Sie erzeugen von der Straße aus ein visuell dynamisches Erscheinungsbild, das den Charakter der aktiven Start-up-Kultur widerspiegelt und von innen freie Durchblicke in den Außenraum ermöglichen.

Hinter diesen Segeln ist die Holzfassade mit perforierten Aluminiumblechen verkleidet. Diese bedecken auch die Öffnungsflügel, die zur manuellen Nachtauskühlung der Büros dienen – mit dem Vorteil im Sommer nicht  zusätzlich mechanisch kühlen zu müssen und der Möglichkeit einer erhöhten natürlichen Frischluftzufuhr.

Die Betonkonstruktion ist geothermisch aktiviert und trägt dazu bei, mit regenerativ bereitgestellter Wärme und Kälte das Gebäude zu heizen und zu kühlen.

New-Work Arbeitsformen

Die Büroflächen bieten verschiedenen Arbeitsformen flexibel Raum: von voll ausgestatteten Co-working – Plätzen im Großraum bis zu Zweier- und Einzelbüros. In allen Geschossen sind den Büroräumen verschiedene Gemeinschaftsräume angegliedert: Besprechungsräume verschiedener Größe, Teeküchen und Chill-Out-Zonen. Ein großer Konferenzraum mit Dachterrasse im obersten Geschoss und natürlich belichtete Werkstätten im nach Westen offenen Untergeschoss unterstützen die vielfältigen Arbeitsanforderungen der Start-up-Unternehmen. Die Arbeits- und Kommunikationsformen werden erweitert durch die Nutzungsmöglichkeit der großen Rampe und des Werkstatthofes als Open Air Kino.

Innen eine Werkstatt für Gedanken

Das Regionale Gründungszentrum Cottbus ist eine Werkstatt für Gedanken, Ideen, Experimente und Entwicklungen. Dieser „Werkstattgedanke“ findet sich im gesamten Gebäude: an den Schreibtischen, in kleinen Besprechungen, in großen Konferenzen, in öffentlichen informellen Präsentationen und formellen Symposien, im Prototyping im FabLab oder der Versuchsreihe im Labor, abends auf der Dachterrasse,  im Austausch mit anderen Gründern und einer interessierten Öffentlichkeit.

Dieser Werkstattgedanke wird durch die Materialwahl im Inneren des Gebäudes deutlich: Die Betonoberflächen des Rohbaus sind im gesamten Gebäude präsent. Türen, Metallumwehrungen außen, die Gitter der beiden Treppenhäuser sowie die Lüftungskanäle sind aus verzinktem Stahl gefertigt. Alle Installationen wurden sichtbar auf der Betonkonstruktion verlegt. Damit wird zum einen der Werkstattcharakter des Gründerzentrums unterstrichen und zum anderen eine erhöhte Flexibilität erreicht, um räumliche Änderungen und die Anpassung an andere Ausbaustandards innerhalb des Betonskeletts einfach zu ermöglichen.

Einzig Holzpaneele auf der Innenseite der Fassade markieren die Felder der Nachtlüftungs-Öffnungspaneele und finden eine farbliche Entsprechung in den Ledersitzen der Chill-Out-Zonen.

Im Zusammenspiel mit den eingesetzten rohen Materialien spielt Farbe eine bedeutende Rolle im Innenraum.

Farbspektren ergänzen die Materialität

Das Farbkonzept besteht aus zwei Farbspektren, die aus den Grundfarben der Fassade Hellsilber und Rot abgeleitet sind. Weiß und Rot repräsentieren die Grundfarben des Wappens der Stadt Cottbus und des Landeswappens Brandenburgs.

Das aus der Farbe Weiß abgeleitete, unbunte Spektrum reicht von Hellsilber, über Hellgrau, Anthrazit, Dunkelgrau bis Schwarz. Es ist den Arbeitsbereichen zugeordnet und integriert den Sichtbeton und die Innenseite der Fassade mit den deckend lasierten Pfosten und Riegeln, sowie den eingesetzten Fenstern und die geschlossenen, mit Gipskarton verkleideten Fassaden-Innenseiten.

Das aus der Farbe Rot abgeleitete bunte Farbspektrum reicht von einem kräftigen Hell-Orange über Hellrot, Dunkelrot bis Rot-Violett. Es ist den öffentlichen Bereichen des Gebäudes zugeordnet und so sind auch die Holzoberflächen an der Innenseite der Fassade, der Empfangsbox im Foyer und der Gemeinschaftsküchen Teil des Gelb-Rot Spektrums. Drei Farbtöne variieren den Ausgangsfarbton „Rubinrot“ der Fassade und werden den Geschossen entsprechend ihrer natürlichen Belichtung zugeordnet:

Vom hellen und intensiven Melonengelb im Tageslicht-dunklen Bereich (EG und KG) über ein Himbeerrot im 1.OG zum dunklen, ruhigen Bordeauxviolett des Tageslicht-hellen 2.OG. Die unterschiedlichen Farbtöne in den verschiedenen Geschossen unterstützen die Orientierung im Gebäude.

Im verglasten Erdgeschoss erzeugt die scheinbar lichtverstärkende Kraft des Foyer-Farbtons bei tief stehender Sonne eine besondere Atmosphäre.


Standort: Siemens-Halske-Ring 2, Cottbus
Auftraggeber: GWC Cottbus
BGF: 5.500 m²
Fertigstellung: 2022

Entwurfsverfasser: Prof. Bernd Huckriede, Dr. Jens Brinkmann (United Architektur) , Ludwig Heimbach (ludwig heimbach architektur)

weitere Planung in Zusammenarbeit mit der CGG (Cottbuser Gesellschaft für Gebäudeerneuerung und Stadtentwicklung)

Fachplaner

Freiraumplanung: Spiel.Raum.Planung
Tragwerksplanung: Mathes Beratende Ingenieure GmbH
HLS: Integral Projekt GmbH & Co. KG
Elektroplanung: BWE-lngenieurgesellschaft mbH
Bauphysik: GWJ Ingenieurgesellschaft für Bauphysik GbR
Brandschutz: Professor Pfeifer und Partner PartGmbB
Vermessungsbüro: Strese und Rehs
Geotechnik: Ingenieurbüro Reinfeld + Schön




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