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Olympisches Wassersportstadion der Region Île-de-France bei Paris von Auer Weber

Sport / Freizeit | Paris (F) | Auer Weber
Olympisches Wassersportstadion

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Das ca. 30 km von Paris entfernt gelegene « Stade nautique Olympique d’Île-de-France » ist die erste fertiggestellte Sportstätte der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2024 in Frankreich. Sie beherbergt das größte Wildwasserzentrum Europas und wird der Austragungsort für die Sportarten Rudern, Kajak- wie Kanurennen und Slalom sein.

Seit seiner Fertigstellung und offiziellen Eröffnung im Sommer 2019 steht es internationalen Leistungssportlerinnen und Sportlern gleichermaßen wie Amateuren und der Allgemeinheit zur Verfügung.

2012 beschloss die Region Île-de-France, die bestehenden Grün- und Wasserflächen umzugestalten, neu zu planen und zu ergänzen. Damit sollte ein Sportzentrum geschaffen werden, das den Anforderungen an eine Ruder- und Kajakanlage für die Wettkämpfe der Olympischen Spiele 2024 gerecht wird. Das Planerteam um Auer Weber war aus dem internationalen Realisierungswettbewerb als Sieger hervorgegangen. Das Konzept hatte die Jury überzeugt, da sich die neuen Infrastrukturen perfekt in die bestehende Landschaft einfügten.

Ausgangssituation

Eingebunden in ein historisches Landschaftsgebiet liegt der 200 ha große Wassersportpark von Vaires-Torcy an den Ufern der Marne, östlich von Paris in der Region Île-de-France. Der große See, der seinen Hauptteil ausmacht, schließt ihn im Westen ab, im Osten befindet sich ein Naherholungsgebiet mit Badesee und eine Golfanlage. Im Süden wird der Park von der Marne begrenzt, im Norden von einem Schifffahrtskanal, der die Wehranlagen und die Mühle der historischen Schokoladenfabrik Meunier umgeht. Einer Insel gleich, liegt die Naherholungsanlage « Île de Vaires » zwischen diesen beiden Gewässern.

2012 beschloss die Region Île-de-France, die bestehenden Grün- und Wasserflächen – darunter die für Leistungs- und Breitensport genutzte Regattastrecke, die auch für andere Wassersportarten wie Segeln und Windsurfen ideale Bedingungen bot – umzugestalten und zu ergänzen. Das neue Wassersportzentrum sollte den Profi- und Amateursport fördern, und gleichermaßen den Freizeit- und Naherholungscharakter begünstigen. Zugleich war es Ziel, ein Sportzentrum zu schaffen, das den Anforderungen an eine Ruder- und Kajakanlage für die Wettkämpfe der Olympischen Spiele 2024 gerecht wird. In diesem Zuge sollte auch die bestehende Tennishalle auf der Nordseite des Ufers renoviert und mit weiteren Sportstätten ergänzt werden, um Besuchern ganzjährig ein attraktives Freizeitangebot zu bieten.

Architektonisches Konzept

Das landschaftliche Konzept und die Architektur ordnet sich in den bestehenden Grünraum ein, interpretiert ihn neu und schreibt ihn fort.

Antwort auf diese Aufgabe ist ein Landschaftsarchitekturprojekt, das sich in den bestehenden Grünraum einordnet, ihn neu interpretiert und fortschreibt. Die geschaffenen Sporteinrichtungen verteilen sich über das gesamte Areal und sind, nicht zuletzt durch das Wegekonzept und die Anordnung der Gebäudeteile, dennoch als Einheit zusammengefasst. Das Wasser ist omnipräsent und schafft fließende Übergänge zwischen den einzelnen Anlagen. Es strukturiert das Gesamtgelände und verwandelt den Raum in ein Mosaik aus kleinen Inseln – ein „Sport-Archipel“, zusammengesetzt aus vier verschiedenen Sportzentren.

Dazu gehören Leistungs- und Breitensportzentrum (Rudern und Kajak), Sportlerunterkünfte und Fortbildung, öffentliche Wassersportanlagen und öffentliche Hallensportanlagen.

Fassade mit Binärcode

Architektonische und landschaftliche Elemente bestimmen gleichermaßen das Erscheinungsbild des Komplexes: Von Nord nach Süd spannt sich ein lebendiges Plateau, das sich aus dem flachen Gebiet am östlichen Rand des Sees heraus entwickelt. Als große, zusammenfassende Geste integriert es in einer Gesamtform alle Hauptfunktionen: Leistungssport, Unterkünfte und öffentliche Wassersportanlagen. Dieses übergreifende, horizontale Band stellt für die Freizeitsportler eine Verbindung vom Haupteingang und Parkplatz im Norden zu den öffentlichen Wassersportanlagen im Süden her. Zugleich trennt es Öffentlichkeit und Sportstätten: Unter dem breiten, begrünten und teilweise balkonartigen Weg befinden sich die Gebäude des Profi- und Breitensports, sodass die Sportler von Besuchern ungestört trainieren können, gleichzeitig aber für alle sichtbar und erlebbar sind.

In direktem Anschluss an das Leistungszentrum verläuft eine Achse quer zum Landschaftsplateau; sie verbindet die beiden Kampfrichtergebäude mit dem zentralen Wettkampf- und Medienzentrum, das auf der Plattform von einem Panoramasaal überlagert wird. Die verschiedenen Anlagen erscheinen durch die reduzierte Materialwahl – Sichtbeton und Holz – sehr homogen. Die Fassaden der unter dem Plateau angeordneten Baukörper greifen mit Polycarbonatpaneelen ein Material aus dem Bootsbau auf.

Die Wildwasseranlage östlich des Plateaus ist als canyonartiges Amphitheater ausgebildet: Besucher haben so beste Sichtmöglichkeiten auf die Wettkämpfe und können sie nah am Geschehen verfolgen.

Die Anlage und Einrichtungen berücksichtigen die Artenvielfalt des Naherholungsgebiets von Vaires-Torcy, was sich in Zahlen darstellen lässt: Nur 25 % der Fläche von Vaires war von den Arbeiten betroffen; 9,5 ha neuer Pflanzungen kompensieren die 6 ha von der Baustelle tangierten Pflanzen; 800 m² neue Teiche wurden in der Nähe der alten angelegt; 2,5 ha neu gepflanzte Hecken und Haine ersetzen die vom Projekt betroffene Fläche von 1,2 ha.

Eine vielseitige Anlage, die den olympischen Normen entspricht

Das Wassersportstadion der Region Île-de-France vereint an einem einzigen Ort einen landschaftlich gestalteten und didaktischen Fluss, einen Wildwasserparcours für Wettbewerbe und Training, eine 2 km lange Wasserfläche, Sporthallen, Unterkünfte und ein Speiselokal. Die Einrichtungen entsprechen den Olympischen Normen.

Um internationale Wettbewerbe austragen zu können, ist das Stadion unter anderem mit einem Pumpensystem ausgestattet, das einen Durchfluss von bis zu 14 m3/s im Wettkampfkanal und bis zu 10 m3/s im Trainingskanal garantiert. Die auf Schienen befestigten Hindernisse können versetzt werden, um je nach Anforderung unterschiedliche Wasserbewegungen zu ermöglichen.


Bautafel

Standort:Île de Loisirs, Route de Torcy, 77360 Vaires-sur-Marne, Frankreich
Auftraggeber: Conseil régional Île-de-France, Parisvertreten durch: Île-de-France Construction Durable, Paris
Architekt:Moritz Auer (Verantw. Geschäftsführer); Markus Hennig (Projektleiter); Géraldine Fischer-Pupolier (stv. Projektleiterin); Florian Zopfy, Ingo Pucci, Chaoya Wang, Thomas Zeilhofer
Partnerarchitekt, Verkehrsplanung: Octant Architecture, Rouen
Freianlagen:Agence TER, Paris
Tragwerksplanung:Tractebel Engineering, Lyon
Technische Ausrüstung:Soja Ingénierie, Rouen
Energieberatung: Eléments Ingénieries, Paris
Kostenplanung:Vanguard, Saint-Ouen
Flächen: 19.000 m² BGF, 15.000 m² NF, 21.000 m² Freianlagen, 1 km künstliche Flüsse

Wettbewerb: 2012
Planungsbeginn: 2012
Baubeginn: 2015
Fertigstellung: 2021

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