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IAO-Forum: Agile Working

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IAO-Forum: Agile Working

Das diesjährige Zukunftsforum des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart stand unter dem Motto "Agile Working – Transformation in die digitale Welt". Experten aus unterschiedlichen Unternehmnen und Forchungseinrichtungen stellten Praxisbeispiele vor. Die Teilnehmer der Konferenz brachten in kleinen Diskussionsgruppen überdies eigene Erfahrungen und Fragen ein.

Zum Jahresauftakt veranstaltet das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) traditionsgemäß in Stuttgart sein Zukunftsforum. So auch in diesem Jahr. Passend zum Titel „Agile Working – Transformation in die digitale Welt“ hatten die Veranstalter den Ort gewählt. In den Wagenhallen – einem ehemaligen Ausbesserungswerk der Bahn am Stuttgarter Nordbahnhof – fand das Forum mit rund 200 Teilnehmern statt. Die Hallen dienen vor allem der Alternativ- und off-Kulturszene als Ausstellungs- und Veranstaltungsort. Die geistige Transformation an einen ebenfalls wandlungsfähigen Platz zu verlagern war ein kluger Schachzug der IAO-Verantwortlichen. Die Rechnung ging auf, denn an beiden Tagen stand der rege Gedankenaustausch im Vordergrund. Zwar gab es erwartungsgemäß eine Reihe von Vorträgen, doch blieb ausreichend Zeit für Diskussionsforen mit selbstgewählten Themen. „Unconference“ nannte Professor Dr. Wilhelm Bauer die direkte Beteiligung aller Teilnehmer. Der IAO-Institutsleiter machte auch den Auftakt der Konferenz, indem er angesichts der rasanten globalen und digitalen Entwicklungen forderte: „Wir müssen agiler werden.“ Darunter versteht er, den Blick nach außen zu richten, das heißt zu Kunden und Wettbewerbern, Kontakte innerhalb von Netzwerken zu stärken und Lösungskompetenz für neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Der Begriff umfasse aber auch Parameter wie die gesamte Wertschöpfung und eine menschengerechte Gestaltung der Arbeit. Damit einher geht seiner Meinung nach ein neues Führungsleitbild, das sich an agilen, projektorientierten Modellen und Methoden orientiert. Daran knüpfte Sapthagiri Chapalapalli an, für Zentraleuropa verantwortlicher Vice President der indischen Tata Consultancy Services. Er misst dem Arbeitsplatz und der Art und Weise, wie die Menschen dort agieren, große Bedeutung bei, wenn es um das Verändern von Businessmodellen geht. „In großen Organisationen ist agiles Arbeiten mit dem dazu nötigen Austausch zwischen Industrien und Generationen unmöglich“, postulierte er gleich zu Beginn seines Vortrags. Auf eigens eingerichteten Plattformen können die neuen Produkte und Prozesse zusammengebracht werden. Dass sich die Cloud dafür anbietet, steht für ihn außer Frage. Daneben braucht es physikalische Orte, an denen sich Menschen treffen können, um zusammen zu arbeiten. Deshalb richtete Tata Consultancy Services im Frankfurter Messeturm ihren deutschen Standort auf einer offen gestalteten Bürofläche ein. Ergänzend dazu gibt es ruhige Plätze und Räume für die Interaktion, durch digitale Technik auch über räumliche Grenzen hinweg. Als eigentlichen Hotspot versteht Dr. Christopher Jans von der Digital Berlin Coworking allerdings Berlin. Die Hauptstadt verzeichnet einen Boom an kleinen, digitalen und Tech-Firmen. „Alle 20 Stunden entsteht dort ein Start-up“, sagte er in Stuttgart. Derzeit seien es bereits 2500. Er selbst vertritt die Geschäftsidee des US-amerikanischen Co-Working-Anbieters We Work. Der will in diesem Jahr fünf neue Standorte in Berlin eröffnen. Im Zentrum steht der Renzo-Piano-Tower am Potsdamer Platz, den die Amerikaner nahezu komplett anmieten werden. Auf 26.000 Quadratmetern derzeit leerstehender Fläche sollen 2.500 Arbeitsplätze entstehen. Dort sieht Jans großes Potenzial für Firmen, die nichts von langen Mietzeiten halten. Zudem sollen 15 Prozent der Fläche für „digital und tec work“ reserviert werden. Das Besondere des Konzepts: Die verschiedenen Gruppen, darunter auch Anwälte und Architekten, sollen voneinander lernen. „Von alleine funktioniert das natürlich nicht“, betont Jans, „deshalb müssen wir das organisieren.“ Zumal junge Start-up-Gründer und Vertreter etablierter Unternehmen unterschiedlich tickten. Inzwischen haben auch Konzerne die Vorteile kleiner, agiler Einheiten erkannt. Manche von ihnen gehen sogar dazu über, selbst Start-ups zu gründen. Ein Beispiel dafür ist Bosch. Warum das so ist, erläutert Peter Guse, CEO der Bosch Startup: „Die Prozesse in großen Unternehmen sind nicht auf neue Geschäftsmodelle ausgelegt. Agiles Arbeiten verträgt sich nur begrenzt mit langfristiger Planung.“ Zu standardisiert, zu spezialistenorientiert und zu traditionell-hierarchisch seien die Strukturen. Um sich davon zu lösen entstand eine eigenständige Tochtergesellschaft in Ludwigsburg bei Stuttgart. Dort, so Guse, könne man innerhalb der Räume schnell umziehen, dort lägen

Entwicklungsabteilung und Prototypenwerkstatt Tür an Tür. Und dort seien Generalisten anstelle von Spezialisten am Werk. Den gleichen Weg beschritt der Walldorfer Softwareproduzent SAP mit seinem AppHaus in Heidelberg. In einer alten Fabrikhalle arbeiten rund 30 feste SAP-Softwaredesigner und weitere Projektmitglieder in kleinen Teams mit ihren Kunden zusammen. „Wir holen unsere Kunden bewusst aus dem Arbeitsalltag heraus und schaffen ein kollaboratives Erlebnis“, betont AppHausMeister Daniel Markwig. Die offenen Räume bieten eine kreative Atmosphäre, die irgendwo zwischen Wohnzimmer und Werkstatt angesiedelt ist. Die Kunden dürften interagieren, also auch Möbel rücken oder Wände beschreiben. „Die Teams sollen sich wie zuhause und damit sicher fühlen“, sagt Markwig. Mit dem Thema „Maker Spaces“, die es ebenso wie „Maker Messen“ und „Fab Labs“ in Städten wie München, Berlin oder Mailand gibt, befasst sich Martin Laarmann. Oft werden sie von Stiftungen oder wohlhabenden Privatpersonen finanziell unterstützt. Der Geschäftsführer der Make Germany GmbH in München versteht diese Orte als Teil der „Maker“- Bewegung, eine „Art do-it-yourself 2.0“. Jeder kann mitmachen und „Maker Werkzeuge“ wie 3-D-Drucker, Laser Cutter, Open Source Microcontroller, zum Beispiel Temperaturfühler in Kühlschränken, das Internet und Crowd Funding entwickeln beziehungsweise nutzen. Deshalb sprach er in den Wagenhallen auch von einer „Demokratisierung der Produktion“. Oft sind die so entstehenden Dinge kostengünstiger als konventionelle. Dass es dazu trotzdem persönlicher Treffen bedarf, liegt daran, so Laarmann, dass die Maker „ihr Wissen mit anderen teilen und zu einer besseren Welt beitragen wollen“. Die Treffen finden zumeist in Gebäuden statt. Davon kann beim Lissaboner Unternehmen Surf Office keine Rede sein. In lockerer Atmosphäre am Strand in der Nähe von Lissabon und auf den kanarischen Inseln sollen Teams auf neue Ideen kommen. Gemeinsames Surfen, danach Brainstorming am Strand und dann Ausarbeiten der Ideen zurück im Büro beschreibt Peter Fabor den typischen Ablauf. Der Gründer des Surf Office hat schon einige Erfahrungen mit Mitarbeitern verschiedener Unternehmen gewonnen. Höhere Konzentration und Produktivität, Motivation und Zufriedenheit und vor allem der Teamgeist führten zu besseren Gesamtergebnissen, ist er überzeugt. Ganz wichtig: Die Teammitglieder sollten aus verschiedenen Abteilungen kommen. „Sie können so wirklich verrückte Ideen entwickeln“, weiß Fabor aus Erfahrung. Relativierend sei hinzugefügt, dass die Aktivitäten im Surf Office nur fünf Prozent der Entwicklungszeit ausmachen, die Ausarbeitung der Produkte nach Rückkehr in den Unternehmen jedoch 95 Prozent. Damit schließt sich der Kreis. Denn kleine, agile Einheiten und große Organisationen können und sollen durchaus nebeneinander bestehen – mit fließenden Übergängen. Das war in vielen weiteren Referaten in Stuttgart zu erfahren. Ebenso, an welchen Orten die Teams agieren und wie diese beschaffen sein können. Die Teilnehmer des IAO-Zukunftsforums konnten also eine Vielzahl an Eindrücken und Diskussionsergebnissen für ihre eigenen Projekte mitnehmen. Text: Gabriele Benitz
Fotos: Ludmilla Parsyak
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