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Runde Deckensegel für Konferenzebene und mehr neue Haustechnik

Knauf Gips KG
Runde Deckensegel für Konferenzebene und mehr neue Haustechnik

Demokratische Geometrien

Die Konferenzebene im Kreishaus Detmold wurde nach über 40 Jahren saniert, neu gestaltet und technisch aufgerüstet. Ein schwieriges Unterfangen in einem Bestandsgebäude mit niedrigen Decken. Moderner Trockenbau leistete den entscheidenden Beitrag zum gelungenen Umbau.

Das neu gestaltete Foyer in Kreistag des Kreises Lippe in Detmold empfängt die Volksvertreter in einer angenehmen Atmosphäre. Bevor es zu den Sitzungen geht, ist hier Platz zum Ankommen. Auch der neue gestaltete Plenarsaal und die vielfältigen Besprechungsräume bieten nach der Modernisierung eine zeitgemäße Gestaltung und professionelle Technik.

Bei der Umgestaltung des Bestandsgebäudes musste Architekt Falko Biermann einige Kompromisse eingehen. Biermann: „Vor der Sanierung waren die Wände braun, über der offenen Rasterdecke sah man die wenige Technik und die Wände waren blanker Stahlbeton, fein unter 45° verlaufend. So war es in den 70er-Jahren und deshalb höchste Zeit, aus diesem erdrückenden, dunklen Bestand, moderne Räume zu gestalten.“

Der aus fünf Riegeln bestehende, kammartige Gebäudekomplex der Kreisverwaltung des Kreises Lippe in Detmold erstreckt sich bis in eine Höhe von sieben Geschossen. Die zentralen Besprechungs- und Konferenzräume inklusive Plenarsaal des Kreistages befinden sich in einem nach hinten in einen Hang versetzten viergeschossigen Gebäudeteil in der obersten Ebene, der Ebene vier. Bereits in den 70er-Jahren gab es Planungen, diese Ebene über die rückwärtige Straße und eine Brücke direkt zu begehen. Jetzt, im Zuge der überfälligen energetischen und substanziellen Sanierung, wurde die Konferenzebene der Kreisverwaltung Detmold, wie einst geplant, neu erschlossen.

Die Besucher, die über die neue rückwärtige Brücke kommen, erwartet ein großzügiges Foyer mit einer differenzierten Raumgestaltung aus kreisförmigen Decken, kleinen und großen Theken sowie winkelförmigen Sitz- und Stehmöbeln. Die weitverzweigte zentrale Eingangshalle führt mit ihren mäandernden Seitenarmen zu den Konferenzräumen und dem Plenarsaal.

Architekt Falko Biermann beschreibt die Eingangssituation als Kompromiss zwischen erforderlicher Technik und den Bedürfnissen der hier arbeitenden Menschen. Biermann: „Hier trifft man sich, bespricht vor oder nach einer Sitzung noch einige Details oder schließt schnell seinen Laptop an. Das Foyer ist Treffpunkt, Arbeitsplatz, Garderobe, Wartesaal und vieles mehr. Für diese Zwecke galt es einen Raum zu entwickeln, der mit seinen vielfältigen Winkeln und Ecken eben dies alles ermöglicht.“

Demokratische Kreise
Doch genau dieser Raum, über 400 m² groß, mäandernd und verwinkelt ist bis zur Rohdecke nur 2,87 Meter hoch. Einige große Stahlbetonunterzüge schränken zusätzlich die lichte Höhe im Foyer zum Teil auf nur 2,47 Meter ein. Die Aufgabe bestand für den Architekten darin, diese geringen und schwankenden Deckenhöhen möglichst gekonnt zu kaschieren und trotzdem noch genügend Platz für die technische Gebäudeausstattung und vor allem die Lüftungstechnik zu finden. Auf diese Wiese entstand die Idee des „Lippischen Baumdaches“. So werden die kreisförmigen Deckensegel in Anlehnung and die Wälder im Lippischen Kreises genannt.

Decke in drei Ebenen
Die komplex gestalteten runden Deckensegel übernehmen klar definierte Aufgaben. Die unterste Ebene der Deckensegel liegt bei nur 2,35 Metern und deckt vor allem die großen Stahlbetonunterzüge von unten ab. Die Zwischenebene liegt in etwa auf Höhe der Unterzüge (2,44 Meter), schließt teilweise sogar an diese an und integriert sie in die Deckenlandschaft. Die dritte und höchste Deckenebene besteht aus einer Knauf Cleaneo Akustik Designdecke (Typ D127). Die Beplankung der 2,52 Meter hohen Decke besteht aus Akustikplatten mit gerader Quadratlochung 8/18 Q, oberseitig mit schwarzem Vlies und Mineralwolle abgedeckt. Über der dritten Deckenebene befindet sich die gesamte Haustechnik inklusive Lüftung.

Weil die unteren runden Deckensegel platzsparend an die Akustikdecke angehängt sind, musste deren Unterkonstruktion besonders stabil ausgeführt sein. Dafür kamen verstärkte Noniusabhänger (Abhängegewicht 0,4 bis 0,6 kN) UA-Profile 50/40/2, CD-Profile und Direktverbinder zum Einsatz. Die runden Deckensegel des Foyers hängen mit Noniushängern direkt an den CD-Profilen der Akustikdecke. Zum Schluss montierten Elektriker in jedes der runden Deckensegel mittig eine energiesparende LED-Lichtdecke.

Bausatz-Lösung
Als es darum ging, die insgesamt 30 runden, ineinander übergehenden oder an Unterzüge und Wände anschließenden Deckensegel des Foyers rationell und qualitativ ansprechend zu bauen, kam die ausführende Firma Jäger-Ausbau mit Knauf ins Gespräch. In Zusammenarbeit mit dem Gebietsleiter für Trockenbausysteme Dirk Rieger und der Abteilung Sonderkalkulation und Objekte (SOKO) von Knauf entstanden ästhetische wie rationelle Details. Die runden Deckensegel wurden mit einer 45°-Fräsung versehen, die Ränder der Deckensegel rundum mit einer passend rund gefrästen GKB-Platte hinterlegt und mit einer ebenfalls unter 45° gefrästen 50 mm hohen Blende werksseitig vormontiert. Einige der unteren Deckensegel erhielten zusätzlich als Blickschutz nach hinten versetzte GKB-Abschottungen. Auf Paletten wurden die Deckensegel-Segmente angeliefert und bei einem naheliegenden WeGo-Händler bis zum Abruf zwischengelagert.

Turbinenrad im Plenarsaal
Auch im großen Plenarsaal spielt der Kreis eine entscheidende Rolle. „Der Kreis“, erklärt Architekt Biermann, „ist heute ein Symbol für moderne Demokratien.“ Dieser heute üblichen parlamentarischen Raum- und Sitzarchitektur ordnet sich alles unter. Der Saal ist konsequent kreisförmig um einen zentralen Mittelpunkt angeordnet. Jeder Tisch, jede Lampe, ja sogar die Lüftungsöffnungen sind auf dieses gedachte Zentrum ausgerichtet.“

Auch im Plenarsaal gibt es ein Höhenproblem. Die rückwertigen Teile des großen Saales sind nach dem Umbau nur 3,43 Meter hoch. Um dem Raum mehr Höhe zu geben, wurde über dem Zentrum des Saales – hier steigt die Stahlbetondecke an – eine gewölbeähnliche Struktur installiert. Im gedachten Zentrum des Saales steigt der Raum auf 4,07 Meter an und ist mit einer runden Decke vollendet. Den Raum zwischen dieser runden Decke und den tiefer liegenden Plenarsaaldecken überbrücken 32 Deckensegel, die wie Turbinenschaufeln, den Zwischenraum spannungsvoll gestalten. Dieses Konstrukt war ursprünglich als Metalldecke geplant. Doch die Firma konnte nicht schnell genug liefern. So wurde auch diese Deckenkonstruktion von Knauf als Bausatz gefertigt.

Die Abteilung Sonderkalkulation und Objekte (SOKO) entwickelte zuerst eine runde Unterkonstruktion aus vier Vierkantrohren mit Radien von 4161, 4819, 5539 und 6160 mm. Unter diese geneigt montierten Rohringe wurden im nächsten Schritt die Unterkonstruktionen der 32 schaufelartigen Deckensegel montiert. Der besondere Schwierigkeitsgrad bestand darin, diese Schaufeln untereinander, über der Plenarsaaldecke und über der zentralen Kreisdecke so weit überstehen zu lassen, dass man nicht hinter diese Schaufeln blicken kann. Zudem mussten die Abstände der 32 Schaufeln zueinander und zu den angrenzenden Deckenteilen fein säuberlich eingestellt sein, denn jede Ungenauigkeit bei den Spaltmaßen wird bei einem so filigranen Konstrukt sofort erkannt.

Mit den vier großen runden Ringkonstruktionen und den dazu angepassten schrägen Unterkonstruktionen der Turbinenschaufeln lieferte Knauf ein professionell einstellbares System. Denn erst ganz zum Schluss wurden die ausgerichteten Unterkonstruktionen mit den gelochten und teilweise gefalteten Akustikplatten beplankt.

Parallel zum modernen Innenausbau wurde die Konferenzebene von außen gedämmt und als moderner Monolith gestaltet. Die roten Fotovoltaikelemente an Dach und Fassade liefern so viel Strom, wie in etwa in der Konferenzebene verbraucht wird. So ist das sanierte Bauwerk auch von außen rundum bemerkenswert.

 

Interview mit Johannes Wedekind,
Bauleiter, Jaeger Ausbau GmbH & Co KG, Paderborn

Frage: Sie haben sich die Deckenkonstruktion im Foyer weitgehend von Knauf vorfertigen lassen. Welche Gründe gab es dafür?
Wedeking: Man kann solche Bauteile selbst vorfertigen. Das haben wir auch schon mal gemacht. Aber in der Detaillierung, Präzision und bei der in Detmold vorliegenden Zeitvorgabe, war das wirtschaftlich nicht möglich.

Frage: Sie haben sich nicht nur die komplexen Frästeile vorfertigen lassen, sondern auch scheinbar einfachere Flächen. Warum?
Wedeking: Die rund gefrästen unteren Deckensegel mit Blende bestehen aus vollständigen Radien von 1,25 und 1,65 Metern. Die höhere Ebene der Deckensegel setzt sich dagegen aus mehreren ineinander übergehenden runden Deckenteilen und geraden Flächen zusammen. Uns erschien es anfangs sinnvoll, nur die gefrästen runden Ränder vorfertigen zu lassen. Doch im Zuge der Beratung stellte sich heraus, dass der komplette Bausatz, auch mit den Teilen, die wir hätten selbst fertigen können, nicht entscheidend teurer wurde. Außerdem erhält man bei einer Komplettlieferung vollständige Verlegepläne und die dazugehörige vorgefertigte und durchnummerierte Unterkonstruktion. So entschieden wir, alle Deckenteile des sogenannten „Lippischen Walddaches“ als Bausatz liefern zu lassen. Das große Puzzle hat, und das war wirklich bemerkenswert, bis auf dem Millimeter genau gepasst.

Frage: Welche Rolle spielt dabei die Logistik?
Wedeking: Vorgefertigte Bauteile sind, systematisch gekennzeichnet und auf Paletten angeliefert, ein großer Vorteil für jede Baustelle. Da ist sofort Ordnung auf dem Bauplatz. Um den neuen Eingang, über den auch alle Baustoffe angeliefert wurden, nicht zu blockieren, haben wir in den entferntesten Flurbereichen mit der Montage der Akustikdecke angefangen und uns von Deckenfeld zu Deckenfeld zum Eingang hin vorgearbeitet. Die dazu passenden Decken-Bausätze wurden nach Baufortschritt auf Paletten angeliefert. Auf diese Weise haben wir den Zugang für die anderen, oft verspäteten Gewerke, so lange wie möglich offen gehalten.

Danke für das Gespräch.


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