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Wandheizung und Sanierputz im Team

Knauf Gips KG
Wandheizung und Sanierputz im Team

Generalsanierung des Kapuzinerklosters Aschaffenburg

Der Begriff des „Alten Gemäuers“ assoziiert oft die Vorstellung einer unbehaglichen Grundfeuchtigkeit, die auch durch moderne Abdichtungen kaum zu vertreiben ist. Mit einer Kombination aus Wandtemperierung und Sanierputz entstand in den historischen Mauern des Kapuzinerklosters Aschaffenburg jedoch eine wohnlich-trockene und ästhetisch anspruchsvolle Raumatmosphäre.

Am Mauerwerk haben die Kapuziner in Aschaffenburg nicht gespart: 65 cm sind die Außenmauern ihres Klosters im Erdgeschoss stark und selbst im Obergeschoss noch 45 cm dick. Eine solide Substanz, die nach Bränden (1813) und Bombentreffern (1944) immer wieder repariert werden konnte und diverse Um- und Anbauten über die Jahrhunderte gutmütig wegsteckte.

Auch bei der von 2011 bis 2015 ausgeführten Generalsanierung des Kapuzinerklosters bildete das Mauerwerk den Kern der zu erhaltenden Substanz. „Die Struktur des Gebäudes konnte trotz der Teilentkernung größtenteils bewahrt werden“, erklärt Wolfgang Michalek, Bauleiter bei der mit der Generalsanierung beauftragten SBW-Bauträger- und Verwaltungs-GmbH. „Komplett erneuert wurden die Treppenhäuser, die sich als neue Stahl-Glas-Elemente in den Fassaden abzeichnen. Im Eingangsbereich haben wir die Decken entfernt, sodass sich ein großzügiger Empfangsbereich bis zum Dach öffnet.“ Von hier geht es zum Speisesaal, der Küche sowie den Büro- und Aufenthaltsräumen. Im Obergeschoss befinden sich – teils innerhalb der alten Klosterstrukturen, teils mit modernen Trockenbauwänden ausgebaut – die Wohnräume der Brüder und Schwestern.

Sanierputz mit dreifacher Funktion
Die Aura des Ortes wurde also, wo es möglich war, erhalten, wo es nötig war, aber auch durch moderne Funktionalität ergänzt, etwa bei den neuen Fenstern oder der komplett erneuerten Haustechnik. Diese doppelte Sichtweise des Bewahrens und Modernisierens prägte auch den Umgang mit dem historischen Mauerwerk. Denn auch wenn die Wände statisch sicher problemlos weitere Jahrhunderte überstehen werden, zeigten sie doch die Spuren einiger Feuchteschäden und stellenweise schon Salzausblühungen. Um eine trockene und wohnliche Raumatmosphäre sicherzustellen sah die SBW eine Wandheizung vor, die aber nicht primär der Raumerwärmung dient, sondern vor allem die Wandoberflächen leicht und gleichmäßig erwärmt. Eine solche Wandtemperierung kann akute Feuchteansammlungen trocknen und künftigen Schäden vorbeugen, ohne dass aufwändige Dämm- oder Abdichtungsmaßnahmen erforderlich sind. Gerade denkmalgeschützte Ensemble, die möglichst wenig verändert werden sollen, oder eben Konstruktionen mit sehr dickem Mauerwerk, das sich kaum sinnvoll im ganzen Querschnitt abdichten lässt, können so dauerhaft eine zeitgemäße Aufenthaltsqualität mit trockenen und schadensfreien Wandoberflächen erhalten.

Die Wandheizung wurde in Aschaffenburg in den Innenputz integriert, entspricht also der Bauart A der BVF-Richtlinie über die Herstellung von Wandheiz- und Kühlsystemen. Josef Röder, der mit seinem Würzburger Unternehmen die Maler-, Putz und Gerüstbauarbeiten übernahm, entwickelte einen fachgerechten Putzaufbau, der eine gute Wärmeleitung mit rationeller Verarbeitung und optisch hochwertigen Ansichten kombinierte. Herzstück des Putzaufbaus ist der selbst porenbildende Sanierputz Knauf Popo, der hier gleich drei Funktionen übernimmt: er verhindert für die Zukunft sichtbare Salzausblühungen, egalisiert die teilweise sehr unebenen historischen Mauerwerksoberflächen und bildet die große Wärmeverteilschicht für die Wandheizung.

Warme Oberflächen für trockene Räume
Nach dem großflächigen Abschlagen des beschädigten und teilweise lockeren Putzes waren zunächst eine gründliche Säuberung der Fugen und ein Sandstrahlen der Wände erforderlich. Oberflächliche Salzanhaftungen und nicht mehr ausreichend tragfähige Mauerwerksschichten lassen sich so sicher beseitigen. Das Ergebnis waren unebene, teilweise sogar stark zerklüftete Oberflächen, die zunächst mit einem Vorspritzer für die bessere Haftung sowie einer ersten Lage des Sanierputzes egalisiert wurden.

Der Heizungsbauer fand dadurch einen ausreichend glatten und festen Untergrund für die Montage der Heizregister vor. Senkrechte Steckschienen tragen die kunststoffummantelten Kupferrohre, frei hängende Rohrschlaufen wurden mit zusätzlichen Rohrhaltern befestigt, damit keine losen Heizregister später die Putzarbeiten behindern. Anschließend wurde die Wandheizung den Regeln entsprechend abgedrückt und aufgeheizt, wodurch sich vorhandene Undichtigkeiten oder eventuelle Beschädigungen sofort erkennen lassen.

Es folgte die zweite Schicht der Sanierputzes Knauf Popo, die die Heizregister für eine optimale Wärmeübertragung vollflächig und hohlraumfrei umhüllt. Der erwärmte Putz wirkt als große Wärmeverteilschicht, die ihre Strahlungswärme sanft und gleichmäßig in den Raum abgibt. Gleichzeitig entstehen temperierte Wandoberflächen, auf denen jede eventuell aus dem „Alten Gemäuer“ noch austretende Feuchtigkeit verdunstet, sodass die Wände in jedem Falle trocken und die Räume behaglich bleiben.

Selbst-aktive Poren verhindern Salzausprägungen
Ohne zusätzliche Maßnahmen würde dieser Verdunstungsprozess allerdings zu einem Salztransport aus der Tiefe des Mauerwerks an die Wandoberfläche führen, wo sich das Salz in sehr unschönen Wolkenbildungen und Ausblühungen bemerkbar macht. Dieser Vorgang lässt sich jedoch mit dem WTA-zertifizierten Sanierputz Popo verhindern. Denn während der Trocknung entsteht selbst-aktiv im Putz ein Porenanteil von mehr als 25 Prozent, in dessen Poren die Mauerwerksfeuchte verdunstet und dabei auskristallisierte Salze zurücklässt. Die Salzkristalle sind also in das porige Gefüge eingelagert und erreichen nicht die Oberfläche, die auf diese Weise schadensfrei und optisch makellos bleibt.

Erst das Zusammenwirken von Oberflächentemperierung und Sanierputz bewirkte also in Aschaffenburg den Erfolg der Mauerwerkstrocknung. Bedingt durch die Wandheizung traten im Mittel Putzdicken von 4 bis 5 cm für den Sanierputz auf, an besonders unebenen Stellen aber auch bis 8 cm. „Bei solchen Dicken haben wir natürlich mehrlagig gearbeitet“, erklärt Josef Röder. „Dabei kam uns entgegen, dass der Sanierputz mit der Maschine verarbeitet werden kann. Denn im ganzen Kloster kamen doch mehrere Tausend Quadratmeter zu verputzende Fläche zusammen. Durch geschickt geplante Wechsel zwischen den Räumen und Geschossen bedeuteten die Trocknungszeiten zwischen zwei Lagen, aber auch die jeweils zehn Tage für das Abdrücken der Heizung für uns deshalb in keinem Fall Stillstandzeiten. Die Maschine war quasi pausenlos im Einsatz.“

Zumal sie auch für das Wandfinish benutzt werden konnte, für das Josef Röder einen Aufbau mit einem in Knauf Rotkalk Fein eingebetteten Armierungsgewebe sowie eine anschließenden Schicht Knauf Rotkalk Filz vorgeschlagen hatte. Das Gewebe verhindert die Rissbildung auf der temperierten Wandoberfläche, der mit der Hand verarbeitete Filzputz sorgt als Edelputz für eine sehr dekorative Oberfläche, die abschließend mit einer Bio-Silikatfarbe gestrichen wurde.

Bewahrter Charme mit moderner Funktionalität
„Beim Außenputz haben wir die gleiche Grundidee wie innen umgesetzt, hier natürlich aber ohne Wandheizung“, erklärt noch einmal Putzfachmann Josef Röder. Popo dient wiederum als Egalisierungsputz auf dem sehr unebenen Mauerwerk und als Sanierputz für die Aufnahme eventuell austretender Salze. Das Armierungsgewebe wurde hier in den faserverstärkten, mineralischen Klebe-, Armier- und Renoviermörtel Knauf SM700 Pro eingebettet, ehe der Filzputz mit Marmorkorn Knauf Noblo Filz und der Schlussanstrich mit der Silikat-Fassadenfarbe Knauf Minerol die ursprüngliche Gebäudeansicht wiederherstellten.

Der durchgängig mineralische Aufbau sowohl des inneren als auch des äußeren Putzsystems bewahrt den Charme und den Denkmalcharakter des Klostergebäudes. Gleichzeitig entstanden widerstandsfähige und ästhetisch anspruchsvolle Oberflächen, wie sie in zeitgemäß nutzbaren Gebäuden erwartet werden können.

Dass dies langfristig so bleibt, dafür sorgt im Innern die Kombination aus Wandheizung und Sanierputz. Die Heizung wird im Regelbetrieb mit maximalen Vorlauftemperaturen von etwa 35 °C betrieben, was in diesem Fall aber gar nicht der maßgebliche Wert ist. Wichtiger bei einer Wandtemperierung für die Mauerwerkstrockenhaltung ist die Rücklauftemperatur, die nicht unter 20 °C absinken soll. Damit ist eine gleichbleibend warme, stets für ausreichende Verdunstung sorgende Wandoberfläche gewährleistet. Die Wärme deckt gleichzeitig die Grundlast der Raumheizung. Nur in sehr kalten Perioden unterstützen die Fußbodenheizung im Erdgeschoss bzw. die Heizkörper im Obergeschoss die Raumerwärmung. Auch diese Zusatzheizungen sind an das gasbefeuerte Blockheizkraftwerk angeschlossen, dessen Strom ins Netz eingespeist wird.

Bautafel

  • Objekt: Kapuzinerkloster Aschaffenburg, jetzt genutzt durch die Brüder und Schwestern der Franziskanischen Gemeinschaft von Bethanien
  • Vorhaben: Generalsanierung mit Teilentkernung seit Juni 2011, Weihe der neuen Räume Juni 2015
  • Planung und Ausführung: SBW-Bauträger- und Verwaltungs-GmbH, Würzburg
  • Putz-, Maler, Gerüst- und Trockenbauarbeiten: Josef Röder GmbH & Co. KG, Würzburg
  • Fachberatung: Gerald Pfeuffer, Knauf Gips KG
  • Putzaufbau innen: Vorspritzer, Sanierputz Knauf Popo als Egalisierungsputz und für die Integration der Wandtemperierung, Gewebearmierung mit Knauf Rotkalk Fein, Filzoberputz mit Knauf Rotkalk Filz 1,0 mm
  • Putzaufbau außen: Vorspritzer, Sanierputz Knauf Popo, Gewebearmierung mit Knauf SM 700 Pro, Oberputz mit Knauf Noblo Filz 1,0 mm, Anstrich mit Knauf Minerol


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