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Umnutzung der ehemaligen Seilerei zu einem Bürogebäude

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Kölner Architekturpreis 2003 für die Umnutzung der ehemaligen Seilerei in Köln zu einem Bürogebäude für Bayer

Mit nur wenigen und per se minimalen gestalterischen Lösungen erfuhr eine historische Industriearchitektur in Köln-Mülheim die Umnutzung zu einem Bürogebäude für etwa 800 modernste EDV-Arbeitsplätze der Bayer Business Services. Dafür wurde das Büro Trint + Kreuder jetzt mit dem Kölner Architekturpreis 2003 ausgezeichnet.
Bis hin zur Gestaltung der Arbeitsplätze mit dem puristisch anmutenden Büromöbel-System Basic 4 von König+Neurath wurde in der Seilerei der ursprüngliche Eindruck selbstverständlicher Zweckmäßigkeit erhalten.

In dem mehrgeschossigen, 230 Meter langen Hallenbau der Alten und Neuen Seilerei, erbaut in den Jahren 1912/13 bzw. 1955/56 in Köln-Mülheim, befanden sich ehemals Produktion und Konfektion des Industrieunternehmens Felten & Guilleaume, das sich unter anderem mit dem legendären Transatlantikkabel weltweit einen Namen gemacht hatte. Im März 2002 wurde eine Umnutzung des zwischenzeitlich als Lager genutzten und teilsanierten Gebäudes zu Büroflächen für die Bayer Business Services, einen selbständigen Geschäftsbereich der Bayer AG, beschlossen. In einer Rekordzeit von nur neun Monaten bewältigte das beauftragte Architekturbüro Trint + Kreuder die umfassende Bauaufgabe (20.000 qm BGF) und trat den Beweis an, daß eine höchst professionelle Umnutzungsmaßnahme auch bei Einhaltung eines engen Kostenrahmens möglich ist.

Louisa Hutton: Begrenztes Budget ist kein Nachteil
Begrenztes Budget oder Zeit sind kein Nachteil, und im besten Fall inspiriert es den Architekten zu innovativen Lösungen, sagt Jury-Mitglied Louisa Hutton, die selbst einen weltweiten Ruf als Architektin genießt, in ihrem Vorwort zum Ausstellungskatalog des Kölner Architekturpreis 2003. Ein Beispiel dafür ist die Seilerei, wo der Umgang mit einem sehr knappen Zeitplan – neben anderen sichtbaren architektonischen Aspekten – die Jury beeindruckte.

Die sichtbaren architektonischen Aspekte, die die Juroren überzeugten, resultieren im wesentlichen aus den auch im übertragenen Sinne sparsamen Umstrukturierungsmaßnahmen und der gestalterischen Reduktion. Mit nur wenigen, wie selbstverständlich anmutenden Eingriffen verwandelten die Architekten die hohen langgestreckten Produktionshallen zu zweckmäßig strukturierten Büroflächen, die den bei Bayer großen Anforderungen an modernste EDV-Arbeitsplätze gerecht werden. Dabei wurde der Charakter der Industriearchitektur mit ihrer imposanten Linearität und ihrer baukonstruktiv klaren, raster- und materialbetonten Ausprägung beibehalten. Die Ausbauelemente orientieren sich an den vorhandenen Achsen und an der Farbigkeit des Bestandes. Viele historische Oberflächen mit ihren jeweiligen Gebrauchsspuren blieben unverkleidet erhalten.

Charme der Industrie-Architektur erhalten
Die linearen Flure, die nun die gesamte Länge des Gebäudes von Stirnseite zu Stirnseite erlebbar machen, sind das neue Rückgrat des Bürogebäudes. Die Flure werden beidseitig von endlos anmutenden Stahlschienen begrenzt, die als Konstruktionselement für eine Innenfassade dienen. Über die gesamte Flurlänge unterhalb der Decken montiert, nehmen sie im Wechsel großformatige Türelemente aus Eiche und rahmenlose Glasflächen auf und strukturieren damit beidseits Büroräume mit Tiefen von vier (hofwärts) bzw. acht Metern (Front).

Zugunsten eines ungehinderten Ausblicks der Mitarbeiter ins Freie – in der Alten Seilerei durch die vorhandenen Sprossenfenster gewährleistet – wurden in die ziegelverblendete Betonskelett-Struktur der Neuen Seilerei behutsam neue, rahmenlose Fensterverglasungen integriert. Flächenbündig zum Klinker und die Farbigkeit desselben aufnehmend rhythmisieren sie die ursprüngliche Bandstruktur der hochliegenden horizontalen Fensterflächen der denkmalpflegerisch schützenswerten Fassade.

Das Farbkonzept für den Innenausbau orientiert sich streng an den Gegebenheiten der Architektur. Von dem charakteristischen Rotbraun der monolithischen Klinkertreppenhäuser ausgehend, wurden sämtliche Erschließungszonen, die die Gebäudeanlage gliedern, homogen rot gestaltet. Sie rhythmisieren und kontrastieren die Reihungen sandgrau gestrichener Büros, die die Farbigkeit der Fugen und Betonteile der Seilerei fortsetzen. Sandgrau wurde auch für die Arbeitsplatz-Systeme, Caddies und Schränke gewählt, mit denen die Büros ausgestattet sind. Auch hier wurde auf eine reduzierte Formensprache geachtet, die der Architektur nicht den Rang abläuft.

Basic 4 von König+Neurath: Reduktion auf das Wesentliche
Mit seiner formalen Reduktion auf das Wesentliche entspricht das Arbeitsplatz-System Basic 4 des Komplettanbieters König+Neurath dieser Prämisse voll und ganz und bietet zudem höchste Funktionalität und Ergonomie. Beispielsweise die vom Auftraggeber geforderten Zusatzelemente zur Aufnahme von Portreplikatoren, die bei Bayer fast ausnahmslos den klassischen PC ersetzen oder die unkomplizierte Höhenverstellbarkeit von 68 bis 82 cm, die die optimale Einstellung der Tische auf die jeweilige Sitzhöhe der Nutzer ermöglicht. Hellgraue Schränke, schallabsorbierende Paravents sowie mobile Caddies für persönlichen Stauraum – ebenfalls von König + Neurath – vervollständigen die Büromöblierung.

Die behutsame, dezente und sparsame Möblierung, die in enger Zusammenarbeit mit den Architekten von Planbüro Köln konzipiert und realisiert wurde, setzt den Anspruch an die Umnutzungsmaßnahme der Seilerei konsequent und überzeugend fort: Der Eindruck selbstverständlicher Zweckmäßigkeit wurde konsequent erhalten. Back to (the) Basic(s)!

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