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Sporthalle des Canisiuskonvikts

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Sporthalle des Canisiuskonvikts

Sportliches Kleid aus Stahl

Wie baut man inmitten eines altehrwürdigen Umfelds? Mutig, multilingual, charismatisch. Mutig, damit die Neubauten nicht von der historischen Übermacht erdrückt werden, multilingual, um das Neue mit dem Alten korrespondieren zu lassen und charismatisch, um sich mit seinen Vorstellungen durchzusetzen. Genau so sieht die neue Sporthalle in Ingolstadt aus.

Der Neubau der Sporthalle des Canisiuskonvikts in Ingolstadt wurde in Sichtweite des spätgotischen Münsters realisiert, umgeben von denkmalgeschützten Bauten. Der Baukörper entstand zwischen 2005 und 2006 wegen statischer Bedingungen in Stahlbauweise. Auf die Außenwand aus weiß lasierten Lärchentafeln wurden farbige geometrische Linien projiziert – Zitate der Markierungen von Sportflächen. Vorgehängt wurde abschließend im Abstand von 30 cm eine Lochblechverkleidung. So weit eine Kurzbeschreibung der Sporthalle, deren Architekt, Diözesanbaumeister Karl Frey, unserer Neugier Rede und Antwort stand.

SHOWROOM: Herr Frey, warum haben Sie sich bei der Fassade für Lochblech entschieden?
Karl Frey: In erster Linie ist das Lochblech ein Gestaltungselement. Und zwar deshalb, weil sich dahinter Funktionsöffnungen befinden, die aufgrund ihrer Proportionen formal nicht vertretbar sind, sodass ich mit dem Lochblech die Funktionsdetails gestalterisch verbessern konnte.

S: In welchen Bereichen haben Sie Lochblech eingesetzt?
K.F.: Bei der Sporthalle als Mantel. Das Lochblech gab mir die Möglichkeit, die funktionalen Anforderungen einer Turnhalle durch ein Kleid formal und gestalterisch zu verbessern. Zweitens bleibt von innen durch den Filter Lochblech auch die Umgebung wahrnehm- bar – was gerade in diesem historischen Kontext bedeutungsvoll ist. Und ich kann das natürliche Licht von außen gezielt in die Turnhalle hineinfiltern. Und letztlich ergibt das Lochblech auch einen rhythmischen Bezug, indem ich versuchte, damit die Bänderung an den Eckquadern der Münstertürme in einer gewissen Maßstäblichkeit umzusetzen.

S: Was macht Lochblech für Ihre Arbeit besonders attraktiv?
K.F.: Nehmen wir die Sporthalle, da hat es den Vorteil, dass Lochblech keine reine Fläche, sondern Struktur ist. Daneben bietet das Lochblech die Möglichkeit, Dinge, die aufgrund ihrer Funktions- und Konstruktionsbedingungen gestalterisch nicht so optimal sind, formal in den Griff zu bekommen. Mit dem Lochblech habe ich die Möglichkeit, den Körper in Gänze zu sehen. Ihn nicht mehr zu zerlegen durch konstruktive Anforderungen des Bauwerks, sondern ihn in ein Kleid zu hüllen und damit Gestaltung zu betreiben.

S: Lässt sich im Lochblech eigentlich eine gewisse Eichstättsche Tradition erkennen?
K.F.: Eine gewisse Tradition vielleicht nur insofern, als wir versuchen ein Material einzusetzen, das eine gewisse Maßstäblichkeit, Feinheit, Klarheit besitzt. Man kann Lochblech nicht für tragende Teile nehmen, aber man kann es für gestalterische Elemente sehr gut einsetzen. Je nachdem, wie man Lochblech verwendet, allein oder als Schicht vor einer Schicht wie bei der Turnhalle, wo sich dahinter eine abstrakte Malerei befindet. Die wirkt dadurch irisierend; man kann sie nicht in ihrer Ganzheit erfassen, stattdessen bieten sich sehr schöne Wirkungen. Gerade durch die Bewegung, wenn man ein Gebäude abschreitet: Man nimmt hinter dem Lochblech immer nur Teile wahr, ein Effekt, der meines Erachtens ganz schön ist.

S: Noch ein Wort zu den Metallbauern. Diese Art der Verarbeitung, wie nennt man die übrigens?
K.F.: Die Lochblech-Elemente sind geschuppt.

S: Ist dieses Schuppenkleid nicht gerade an den Ecken extrem schwer zu bearbeiten?
K.F.: Dieses ganze Kleid war sicherlich nicht leicht auszuführen, was die Detailausbildung betrifft. Wichtig ist das Miteinander mit dem Handwerker, der das Material kennt in seinen Eigenschaften: Wie kann ich ein Material biegen, kanten, auf Gehrung schneiden, wie kann ich gerade bei einem Lochblech Gehrungen schneiden und noch dazu bei einer Schräge – das bringt ja alles Probleme mit sich und diese Probleme mussten gelöst werden. Wenn man jetzt die Dinge anschaut, wirkt alles ganz selbstverständlich und jeder sagt: Ja, das ist halt so! Nur der Prozess, bis man so weit ist, der war natürlich sehr intensiv und ging nur im Miteinander zwischen Ausführenden und Planenden. Das ist generell meine Erfahrung auf dem Bau. Deshalb versuche ich immer, die Kompetenz und das Potenzial der Ausführenden umfassend abzurufen.

Danke für dieses Kleid, Herr Frey.

Weitere Informationen:

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