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Akustikdecken mit Schallschutz und Ästhetik für die Tauberphilharmonie

Kultur | Weikersheim | Knauf Gips KG
Konzerthaus Tauberphilharmonie: Optimale Akustik gepaart mit Knauf Design

Das neue Konzerthaus in Weikersheim besticht durch hochwertige Architektur und Innenarchitektur und setzt wegweisende Maßstäbe in Sachen akustischer Qualität. Dazu beigetragen haben Wand- und Deckenbekleidungen von Knauf, die vollständig mit Cocoon Stahlleichtbauprofilen in kurzer Zeit montiert werden konnten. Die Akustikdecken garantieren optimalen Schallschutz und Ästhetik und erfüllen zudem den geforderten Brandschutz.

Statt einer Mehrzweckhalle wünschte sich das 7.500 Einwohner große Weikersheim (Baden-Württemberg) ein Konzerthaus mit Stadthallenfunktion. In der von HENN geplanten Tauberphilharmonie finden daher zwei multifunktional nutzbare Konzertsäle Platz. Der große Konzertsaal ist auf bis zu 640 Besucher ausgelegt, der kleinere, in der Hälfte teilbare Wittenstein-Saal auf 200 Besucher. Beide Säle – so die Anforderung – sollten parallel bespielbar sein, architektonisch hochwertig gestaltet, und gemeinsam mit dem ebenfalls für Veranstaltungen nutzbaren Foyer, der Catering-Küche und dem Café nebst Terrasse eine multifunktionale Nutzung begünstigen. Ziel war es, die platztechnischen, akustischen, und brandschutztechnischen Anforderungen von kleinen und großen Veranstaltungen – vom Konzert bis zur Tagung – gleichermaßen erfüllen zu können. Das Büro Müller-BBM war für die Planung der Raumakustik zuständig.

Von der akustischen Planung zum Lösungskonzept

Die Firma Ruben Peter Ausbau GmbH aus Floh-Seligenthal erhielt den Auftrag für den kompletten Ausbau der beiden Konzertsäle. Die Leistung umfasste alle Decken, Wandverkleidungen, Systemtrennwände, Hohl- und Doppelboden als Quellluftböden (im Großen Saal), Parkett und die Innentüren, sowie die Erstellung der kompletten Werk- und Montageplanung, einschließlich Statik für alle auszuführenden Leistungen in den Konzertsälen. Dazu erstellte das Unternehmen im Vorfeld ein 3D-Aufmaß des Rohbaus der Konzertsäle. Das sicherte exakte Maße und diente als Grundlage für die Werk- und Montageplanung.

Vorgesehen war ursprünglich der Einbau einer Unterkonstruktion aus zirka 50 Tonnen geschweißter Stahlkonstruktion als Grundlage der Befestigung der akustischen Wandverkleidungen. Die Bauprofis der Firma Ruben Peter Ausbau GmbH schlugen aufgrund guter Erfahrungen aus anderen Bauvorhaben die Verwendung des Cocoon Transformer Systems vor. Durch den hohen Grad der Vorfertigung der von Ruben Peter Ausbau GmbH geplanten Systeme konnte der Ausbau terminsicher in kurzer Zeit realisiert werden.

Knauf erhielt den Auftrag, den festgelegten akustischen Bereich über verschiedene Wandstellungen beziehungsweise Deckenformen in Verbindung mit einer vorgegebenen Materialmasse abzudecken. Die dreilagige Wandbekleidung der beiden Konzertsäle in Form von Stahlblech, Gipsfaserplatten und Knauf Designplatten musste sich daher auf ein Flächengewicht von 45 kg/m² summieren, um den Schall entsprechend den Vorgaben zu reflektieren. Die Decken mussten 40 kg/m² schwer sein, um die berechnete akustische Nachhallzeit zu erfüllen.

Material für Wände und Decken vorgefertigt und vorkonfektioniert

Alle Bauteile für die Wand- und Deckenbekleidungen beider Konzertsäle – von der Unterkonstruktion aus dem Cocoon Transformer System bis zur Beplankung aus Gipsfaserplatten – wurden entsprechend den Vorgaben der Werkplanung der Firma Ruben Peter Ausbau GmbH von Knauf Gips und Knauf Design vorkonfektioniert. Allein für den großen Konzertsaal produzierte Knauf Design so 1.200 m² Gipsfaserplatten in Gestalt von 18 verschiedenen Wandtypen und 278 verschiedene Plattenformen aus Designboard 230 Wood/Eiche Furnier mit der Baustoffklassifizierung A2 s1d0 gemäß DIN EN 131501-1. Formgebende Kriterien waren Raumhöhen von bis zu 12 m und die Dreidimensionalität der schräg geneigten Wandbekleidungen.

Herausforderung für die Firma Ruben Peter Ausbau GmbH war, das Furnierbild zwischen dem Parkett, den Innentüren und den Wandverkleidungen abzustimmen. Die vorgefertigten Platten wurden einzeln etikettiert und reihenweise auf die Baustelle geliefert. Dort setzten die Monteure der Ruben Peter Ausbau GmbH sie entsprechend der vorgegebenen Verlegeplanung wie ein großes Puzzle zusammen.

Als Unterkonstruktion kam das nicht brennbare Knauf Stahlleichtbau-System Cocoon Transformer zum Einsatz. Diese als leichtestes System auf dem Markt bekannte Lösung erfordert weniger Materialaufwand als Alternativprofile, ist dank einem patentierten Clinchverfahren schnell, effizient und sicher aufzubauen und ideal für geneigte und überhohe Wände.

Im Anschluss bekleideten die Trockenbauer das Ständerwerk aus Cocoon Profilen sowie in spezifischen Bereichen eingesetzten UA-Stahlträgern vollflächig mit einer Lage 1 mm Stahlblech. Sie ergänzten das System durch eine Lage aus 18 mm Knauf Gipsfaserplatten und verklebten diese mit der sichtbaren Bekleidung aus Designboard 230 Wood/Eiche Furnier. Die mittels Designboard Fix montierten Platten wurden über die Krallenvorrichtungen der Einhängeplatten zusätzlich mit der Unterkonstruktion verschraubt.

Sonderdetail Fugenbildung

Entsprechend der Planungsidee der Architekten wurden bei der Wandbekleidung des großen Konzertsaals abwechselnd Nullfugen und 10 mm breite, mit Eichenfedern hinterlegte Sichtfugen ausgebildet, wobei die durchlaufenden Fugenbilder millimetergenau eingehalten werden mussten. Wo die Brandschutzverordnung nicht brennbare Bekleidungen vorgab, kamen ausschließlich Nullfugen zum Einsatz. Überall wurde darauf geachtet, dass die Fugenbildung die akustische Wirksamkeit der Wandbekleidung nicht beeinträchtigte. In die Wände integrierte Lichtvouten garantieren eine angenehme Beleuchtung.

Sonderdetail Bühnenhintergrund

Den Bühnenhintergrund markieren Staketen aus Designboard 230 Wood/Eiche Furnier, die mit Zwischenabständen auf Lochblech montiert wurden. Sie verdecken einen Schall absorbierenden Akustikvorhang und können einzeln herausgenommen werden, um die dahinter verborgene Technik zu warten.

Sonderdetail Eingangstüren

Während die Staketen keine akustische Funktion erfüllen, ist die Beplankung der Saaleingangstüren auf der Außen- und Innenseite mit Designboard 230 Wood/Eiche Furnier akustisch wirksam. Für eine zusätzliche Raumschallverbesserung wurde sie rauminnenseitig mit Nanoperforation ausgeführt.

Akustikdecke im großen Saal

Als schalllenkende Fläche kam im großen Konzertsaal eine mehrteilige in verschiedenen Radien (19,96 m,9,78 m und 9,96 m) konvex gebogene und in verschiedenen Winkeln verlegte Deckenkonstruktionen (Reflexpaneel) zum Einsatz. Die Unterkonstruktion musste teilweise frei gespannt und teilweise mit Nonius-Hängern abgehängt werden. Als Beplankung dienen zwei Lagen 12,5 mm GKF-Piano Platten sowie eine Lage 12,5 mm Knauf Silentboard. Aufgabe dieser unterhalb der akustisch transparenten Streckmetalldecke unsichtbar verlaufenden Unterdecke ist es, den Schall zu lenken, sodass der Raumklang im gesamten Saal gleich gut ist.

Wandbekleidung im Wittenstein-Saal (kleiner Saal)

Um die akustischen und brandschutztechnischen Vorgaben zu erfüllen, wurden drei Wandseiten des „nur“ 6 m hohen Wittenstein-Saals mit Gipsfaserplatten der Version Designboard 230 Laminate weiß beplankt. Dazu wurden die Platten mit Designboard Fix an eine Stahlunterkonstruktion aus UA-Profilen und Cocoon-Profilen montiert. Die unterste Sequenz wurde mit Nanoperforation ausgestattet, um die akustische Wirksamkeit zu erhöhen. Der obere Teil der Schallschutzwand wurde schallhart ausgeführt und ist akustisch nicht wirksam. In die Wandverkleidung wurde zudem eine Systemtrennwand integriert.

Deckenkonstruktion im Wittenstein-Saal (kleiner Saal)

Eine mehrfach abgetreppte und geneigte Deckenkonstruktion, abgehangen von einer vorab berechneten Weitspannträgerkonstruktion unter Berücksichtigung eines Flächengewichtes von 43kg/m², rundet das akustische Konzept im Wittenstein-Saal ab.

Darüber wurde eine zusätzliche Schallschutzdecke angeordnet, um Übertragungen aus dem kleinen Saal auf die angrenzenden Räume zu minimieren. Der Aufbau dieser Schallschutzdecke bestand aus einen doppelten CD-Schienenrost und einer Beplankung aus 2×12,5 mm GKF-Piano.

Für die aufwändig geplante Sichtdecke mit einen ausgeklügelten Lüftungs- und Beleuchtungssystem war eine Werkplanung notwendig, um die Anforderungen an die Qualität sicherstellen zu können. Die einzelnen abgetreppten und geneigten Deckensegel bestehen aus einer Lage 15 mm Diamant-Platten und werkseitig vorgefertigten Formteilen selbigen Materials. Die Unterkonstruktion selber besteht aus einen doppelten schräg abgehangen CD-Schienenrost welches kraftschlüssig miteinander verschraubt wurde. Die Abhängung der Deckenkonstruktion erfolgte von der zuvor erwähnten statisch bemessenen Weitspannträgerkonstruktion.


Bautafel

Bauherr: Stadt Weikersheim
Trockenbau: Ruben Peter Ausbau GmbH Floh-Seligenthal; Projektteam Christopher Carl, Andre Heymel, Sindy Pommerening (großer Saal, kleiner Saal)
Planung: HENN GmbH, München
Baustoffe: Knauf Gips KG, Iphofen; Knauf Design, Wolpertshausen
Produkte: Knauf Gips KG: Knauf Cocoon Transformer System, Knauf Diamant, Knauf Silentboard, Unterkonstruktion aus konvex vorgebogenen CD-Profilen, Einsatz von werkseitig vorgefertigten Formteilen; Knauf Design: Designboard 230 Laminate weiß (zum Teil mit Nanoperforation), Designboard 230 Wood/Eiche Furnier, Designboard Fix
Nebenleistungen: Statische Vorbemessung der Unterkonstruktion für Wand und Decke sowie Detailplanung
Fachberatung: Ekkehard Scholz, Objektmanager Decke (Knauf Gips KG); Hubert Vogt, Vertriebsleiter Vertrieb National (Knauf Design)

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