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Hufeisensiedlung in Berlin

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Farbenfrohe Siedlung der Berliner Moderne

Zu den drängendsten Problemen des frühen 20. Jahrhunderts zählte die Schaffung von kostengünstigem Wohnraum für die wachsende Stadtbevölkerung. Das galt vor allem für die Hauptstadt Berlin, deren Einwohnerzahl in den Jahrzehnten vor 1920 rasant angestiegen war und wo mittlerweile mehr als 100.000 Wohnungen fehlten. Um diesen riesigen Bedarf zu decken, entstanden innerhalb weniger Jahre zahlreiche Großsiedlungen, die überwiegend mit industriellen Arbeitsmethoden und typisierten Grundrissen ausgeführt wurden. Dazu gehört auch die zwischen 1925 und 1930 in mehreren Bauabschnitten nach Plänen von Bruno Taut, Martin Wagner und dem Landschaftsarchitekten Leberecht Migge errichtete Hufeisensiedlung im Stadtteil Britz, die viele der am Bauhaus vertretenen Gestaltungsprinzipien aufweist.

Die 2008 gemeinsam mit fünf anderen Berliner Großsiedlungen zum UNESCO-Welterbe „Siedlungen der Berliner Moderne“ ernannte Anlage erstreckt sich über eine Fläche von rund 30 Hektar und stellt insgesamt 1285 Wohnungen in straßenbegleitend gesetzten, dreigeschossigen Bauten sowie 679 Reihenhäuser mit Gärten zur Verfügung. Namensgebendes Kennzeichen der Anlage ist das 350 Meter lange, dabei hufeisenförmig geschwungene Hauptgebäude im Zentrum der Bebauung. Um diesen zentralen Bau herum finden sich mehrere Straßenzüge in Zeilenbauweise, deren Reihenhäuser anfangs mit ziegelgedeckten Giebeldächern, später aber auch mit flachen Pultdächern ausgeführt wurden. Je nach Entstehungsjahr lassen sich dabei unterschiedliche architektonische Leitbilder wie Gartenstadtbewegung, Reformwohnungsbau oder Neues Bauen ablesen.

Neben der ungewöhnlichen Anordnung stechen insbesondere die variantenreiche Detaillierung sowie die auffällige Farbgebung der Häuser hervor. Je nach Standort wird das Bild durch dezent vor- oder zurückspringende Häusergruppen, durch kontrastreich abgesetzte Fenster und Eingänge, durch dunkelrote, ockergelbe oder leuchtend blaue Kratzputzfassaden sowie durch gelbe und rote Klinkerverblendungen an den Gebäudeecken bestimmt. Und auch im Innenbereich herrschten zur Bauzeit kräftige Farben vor. Gut erleben lässt sich dieses Ambiente in dem seit 2012 mietbaren Ferienhaus „Tautes Heim“, das von den beiden Eigentümern Ben Buschfeld und Katrin Lesser in weitgehender Eigenleistung originalgerecht wiederhergestellt und im Stil der 1920er-Jahre und mit Bauhaus-Design möbliert wurde.

Denkmalgerechte Sanierung des Dachaufbaus

Seit 1986 steht die Hufeisensiedlung unter Denkmalschutz. Auf Basis eines denkmalpflegerischen Gutachtens der Architekturwerkstatt Pitz-Brenne (heute Brenne Architekten) hatten die Häuser seinerzeit ihre Originalfarbtöne zurückerhalten. Dieses Gutachten wurde zwei Jahrzehnte später erweitert und bildete dann auch die Grundlage für eine weitere, seit 2009 durchgeführte Sanierung, die unter anderem auch eine umfangreiche energetische Sanierung und Dachertüchtigung der Wohngeschossbauten umfasste.

Eine Besonderheit zeigen dabei die mit einem flach geneigten Pultdach ausgeführten Reihenhauszeilen des letzten, zwischen 1929 und 1930 realisierten Bauabschnitts des Denkmalensembles: „Bei den meisten dieser Bauten waren die Dächer über einer Holz-Sparren-Konstruktion mit einer innen liegenden Dämmung realisiert worden“, erklärt Ben Buschfeld. „Daneben gibt es aber auch etwa 60 Pultdach-Häuser mit Betondecke. Um hier eine optimierte Dämmung und einen langfristig sicheren Schutz gegen Feuchtigkeit zu erhalten, wurden die Dachflächen abweichend als Warmdach ausgeführt. In Kooperation mit der TU Dresden wurde dabei eine spezielle, auch von den Fachleuten der Denkmalschutzbehörden mit Interesse verfolgte Lösung entwickelt, bei der die aufliegende Dämmung straßenseitig nicht sichtbar ist, sondern komplett hinter den Regenrinnen verschwindet.“

Erstmalig umgesetzt wurde das gemeinsam erarbeitete Konzept bei dem Ferienhaus „Tautes Heim“. Entsprechend der Vorgaben brachten die Mitarbeiter der beauftragten Dachdecker- und Bauklempnerei Bretsch aus Berlin zunächst einen Bitumenvoranstrich und eine Bitumen-Dampfsperre auf der um drei Grad geneigten Betondecke auf. Die darüber verlegte Dämmschicht besteht aus einem Stoß-auf-Stoß-Verbund von lediglich 80 Millimeter dicken, sich zur Kante hin zusätzlich keilförmig verjüngenden WDVS-Platten (Puren-Platten). Von der Straße aus ist die Dämmung damit nicht zu sehen.

Im nächsten Schritt erfolgte eine zweilagige Abdichtung mit Bitumenbahnen. Als untere Schicht kam eine Elastomerbitumen-Kaltselbstklebebahn zum Einsatz, direkt darüber wurde eine Elastomerbitumenschweißbahn als Oberlagsbahn verlegt. „Im Zusammenspiel der unterschiedlichen Maßnahmen ist dafür gesorgt, dass das Haus dauerhaft gegen eindringende Feuchtigkeit geschützt ist“, erklärt Ben Buschfeld.

Mehr Infos zu der Ferienwohnung „Tautes Heim“ finden Sie unter www.tautes-heim.de.

Objekt: Hufeisensiedlung Berlin
Standort: Berlin-Britz
Architekt 1925 – 1930: Bruno Taut und Martin Wagner
Sanierung Tautes Heim: Ben Buschfeld und Katrin Lesser
Dachsanierung Tautes Heim: Dachdecker- und Bauklempnerei Bretsch, Berlin


Tautes Heim – Hufeisensiedlung Berlin



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