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Zukunftsorientiertes System Wettbewerbsentwurf eines Leitsystems für die TU Chemnitz, 2. Preis

Bildungs- und Forschungsstätten
Zukunftsorientiertes System Wettbewerbsentwurf eines Leitsystems für die TU Chemnitz, 2. Preis

Der Campus einer Universität ist stetig im Wandel. Jahr für Jahr betreten tausende Studenten das Areal, auf dem noch vor kurzer Zeit ein Anderer das Studium abschloss. Zahlreiche Fachbereiche werden anhand ihrer Studienteilnehmer umstrukturiert oder erhalten neue Institutsgebäude, die sich auf dem Campus einfügen müssen. Anpassungsfähigkeit wird in diesem Kontext nicht mehr nur von jedem einzelnen Studierenden gefordert, sondern auch von der Hochschule selbst. Innovative Technik, ein interessantes Studienangebot sowie eine moderne Lernatmosphäre spielen auf dem Gelände einer Universität eine genauso große Rolle, wie ein durchdachtes Leit- und Orientierungssystem, das Mitarbeiter und Studierende auf systematische Weise von ihrem Ankunftsort bis hin zum Fachbereich oder bis in den gesuchten Hörsaal leitet. Damit sich auch zukünftige Studenten auf dem Gelände der Technischen Universität Chemnitz zurecht finden, konzipierte Kuhl|Frenzel im Jahr 2015 einen Wettbewerbsbeitrag für ein neues Campusleitsystem. In dem Einladungswettbewerb belegte der Entwurf den 2. Platz.
Mit einer kontinuierlich steigenden Zahl von Studierenden gehört die Technische Universität Chemnitz zu den stetig wachsenden Hochschulen in Deutschland. Über 10.000 nationale und internationale Studenten schreiben sich jährlich für ein Studium an der sächsischen Universität ein. Um den Anforderungen an eine moderne Bildungseinrichtung gerecht zu werden investiert die Technische Universität Chemnitz in neue Bauvorhaben, die der Weiterentwicklung des Campusareals dienen. Zudem besteht der Chemnitzer Campus aus drei verschiedenen Bereichen, die geografisch in der ganzen Stadt verteilt sind. Aufgrund dessen wurde in dem Einladungswettbewerb ein Leit- und Orientierungssystem gefragt, das sich auf eine definierte Wettbewerbszone bezieht, jedoch gleichzeitig auch auf alle bestehenden Campusbereiche anwendbar ist. Modifizierungen und Erweiterungen sollten in dem Konzeptentwurf berücksichtigt werden.
Der von Kuhl|Frenzel konzipierte Entwurf zeigt ein Leit- und Orientierungssystem, das nicht nur anpassungsfähig ist, sondern auch wichtige Maßnahmen im Bezug auf die Verbesserung der Inklusion in Bildungseinrichtungen vorsieht. Dabei wurde neben taktilen Elementen und einer einheitlichen Kennzeichnung von Fachbereichen, Gebäuden und Räumlichkeiten auch eine Campus-App berücksichtigt, die das moderne Leitsystem mit Hilfe von neuster Technik unterstützt. Besondere Aufmerksamkeit galt dem Wunsch der Hochschule nach einem erweiterbaren System, das sich zu jeder Zeit um neue Gebäude ergänzen lässt sowie bauliche Veränderungen auf dem Campus berücksichtigen kann. Das Gesamtkonzept sieht fünf verschiedene Leitstelen vor, die Ankommenden und Besuchern die Orientierung auf dem stetig wandelnden Campus-Gelände erleichtern. Darüberhinaus wurden Elemente des Corporate Designs der

Hochschule aufgenommen, die die Kontinuität des Systems im Außen- und Innenraum abrunden.

Visuelles Konzept

Als Schrift für das Leitsystem wird die FF Netto von Daniel Utz mit den Schnitten Regular und Bold verwendet. Die Schrift basiert auf der Idee, die Buchstaben auf ihre charakteristische Grundform zu reduzieren, ohne von historischem Ballast Gebrauch zu machen. Die geometrischen Konstruktionsprinzipien verhelfen der Schrift zu einem schnörkellosen Schriftbild aus dem sich sowohl eine gute Lesbarkeit, als auch eine harmonische Balance des geschriebenen Wortes ergibt. Durch die großen Buchstabeninnenräume ist das Schriftbild entsprechend hell. Trotz ihrer Rundungen verwischt die FF Netto auch bei weiten Entfernungen oder einer Sehschwäche nicht, so dass die Barrierefreiheit des Systems unterstütz wird. Die Schriftradien sind auch in dem Universitäts-Logo wiederzufinden. Vervollständigt wird das Schriftkonzept mit einem umfangreichen Satz an Piktogrammen der FF Netto Icons, die zur Kennzeichnung von relevanten Räumlichkeiten und Bereichen genutzt werden.

Der Farbkanon bleibt Schwarz/Weiß, der in Anlehnung an das bestehende Corporate Design der Hochschule mit der Hausfarbe, dem Grün (Pantone 3302), als Akzentfarbe verwendet wird. Auch hier ist die Kombination für Menschen mit einem Handicap ausgelegt. Mit der Reduzierung auf drei wesentliche Farbkomponenten, fügt sich das neue Leitsystem systematisch in die bereits vorgegebene Sortierung der Fachbereiche anhand von verschiedenen Farben ein und trägt einen wesentlichen Teil zur Inklusion auf dem Campusareal bei.

Ausgehend von der Bild-Wort-Marke der Technischen Universität Chemnitz sind die im Logo verwendeten Rundungen auch als gestalterisches Element für das Konzept des Leitsystems entlehnt. So sind beispielsweise alle Stelen mit abgerundeten Ecken versehen. Das einheitlich weitergeführte visuelle Konzept sowie die Verwendung von Elementen des Corporate Designs fördern den Wiedererkennungswert der Institution auf dem gesamten Hochschulcampus. In diesem Sinne ist auch das Hochschul-Logo auf jeder einzelnen Stele wiederzufinden.

Erweiterbares Konzept

Aufgrund der bereits bestehenden Kennzeichnung der Fachbereiche durch verschiedene Farben, sieht der Entwurf von Kuhl|Frenzel die Kennzeichnung des Campus anhand von Buchstaben und Zahlen vor, die mit der Zeit auch ergänzt werden kann. So erhalten alle Gebäude eine zweistellige Hausnummer, die fortlaufend auf dem gesamten Campus wiederzufinden ist. Entgegen des Wunsches der Hochschule nach einer Nummerierung, die in jeder Beschriftung die lange Auszählung der Campus-, Gebäude-, Etagen- und Raumnummer vorsah, bietet diese Art der Nummerierung eine eindeutige Kennzeichnung der Gebäude, die nicht nur leicht verständlich ist, sondern auch universell eingesetzt werden kann. Im Innenraum wird diese Bezeichnung der Gebäude durch eine

aufsteigende Nummerierung für den jeweiligen Campus ersetzt. Bei der Raumbezeichnung entfällt wiederum die Kennzeichnung des Campus, so dass nur die Gebäudenummer und die Raumnummer abgebildet sind. Die aufsteigende Nummerierung bietet die Möglichkeit zusätzliche Räumlichkeiten zu einem späteren Zeitpunkt zu ergänzen.

Neben der Kennzeichnung des Campus sind auf den Leitelementen weitere Informationen zu finden, die abhängig von dem Zweck der Stele eingesetzt werden. Der Entwurf sieht Begrüßungsstelen vor, die Ankommende an signifikanten Zugängen des Hochschulcampus willkommen heißen. Parkplatzstelen benennen die Stellplätze für Autofahrer. Zusätzlich wurden Planstelen und Richtungsstelen konzipiert, auf denen der neu entworfene Campus-Plan dargestellt wird sowie der Weg zu den einzelnen Gebäuden kommuniziert wird. Eingangsstelen runden das Konzept ab. Ergänzt wird die geleitete Route der Besucher mit der Gebäude-Kennzeichnung, die an den Haupteingängen mit Folienbeschriftung umgesetzt wird.

Im Innenraum gewährleistet das entworfene Konzept vor allem eine deutliche Kennzeichnung der Gebäudeabschnitte, die aufgrund der Tatsache, das mehrere Fachbereiche oft in einem Gebäude untergebracht sind, für eine bessere Orientierung sorgen. Dabei ist die in der Vergangenheit entwickelte Strukturierung der Fachbereichskennzeichnung aufgenommen und wird durch zusätzliche Beschriftungen ergänzt, so dass bereits investierte Zeit und aufgebrachtes Budget optimal genutzt werden kann. Innerhalb der Gebäude finden Studierende, Mitarbeiter und Besucher Etagenkennzeichnungen und Kennzeichnungen der Gebäudeabschnitte, die das Design der Leitelemente im Außenbereich weiterführen. Auch Gebäudepläne, Richtungspanele und Türschilder sind in den Innenraum integriert. Durch den hohen Kontrast der Farben sowie mittels einer durchdachten Schriftart und –größe sind vor allem die Informationen auf Etagen- und Gebäudekennzeichnungen auch aus großer Entfernung lesbar.

Alle Leitstelen sind mit einem farbigen Teil versehen, der die zur Darstellung von Informationen genutzte Fläche umrahmt. Bei Dunkelheit werden die Leitelemente im Außenraum mit Bodenstrahlern beleuchtet. So können die Campus-Besucher auch unter erschwerten Bedingungen an ihr Ziel geführt werden. Neben der guten Lesbarkeit der Schrift und aufgrund des maximalen Kontrasts der Farben, bietet die Beschriftung der Leitstelen unter Verwendung von Hochleistungsfolie auch die Möglichkeit, Erweiterungen oder Veränderungen der Informationen kosteneffizient umzusetzen.

Modernes Konzept

In Kombination mit klassischen Leitelementen sieht das von Kuhl|Frenzel entworfene Konzept auch eine App vor, die individuell und zu jeder Zeit als Orientierungshilfe eingesetzt werden kann. Neben einem digitalen Campus- und Gebäudeplan bietet die App eine geführte Zielnavigation mit Sprachausgabe. Aktiviert wird diese entweder über das Scannen eines QR-Codes oder über die gezielte

Suche nach Räumen oder Personen. Die Triangulierung erfolgt dabei über das vorhandene WLAN Netz.

Inklusives Konzept

In Bildungseinrichtungen gewinnt das Thema Inklusion stetig an Bedeutung. Aus diesem Grund ist auch der Wettbewerbsentwurf auf die Nutzung des Leitsystems durch Menschen mit Handicap ausgelegt. Vor den Stelen können Bodenindikatoren hinzugefügt werden. Darüberhinaus ist die Schrift auf allen Elementen erhaben und kann ertastet werden. Neben den taktilen Elementen bietet auch die Campus App die Möglichkeit Menschen mit einem Handicap die Orientierung auf dem Hochschulareal zu erleichtern. So kann der aktuelle Standort auch als Audio-Ansage erfolgen.


Standort: .
Land: Deutschland


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