Garching | KNAPP GMBH Deutschland Hybride Sache - arcguide.de

Garching | KNAPP GMBH Deutschland

Hybride Sache

Der Innenhof der Neuen Mensa Garching ist das kommunikative Zentrum des Wissenschaftsstandorts. | Abb.: meck architekten gmbh
Anzeige:
Speisen mit allen Sinnen: Mensa Garching setzt auf Fassade in Holz

Das – unsichtbare – Skelett ist aus grauem Stahlbeton, doch bei der Fassade setzt die neue Mensa Garching auf sinnliche Lebensfreude: Sie kombiniert eine Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Holz und Edelstahl mit riesigen Flächen aus Glas.

Ringsum wird emsig geforscht, gearbeitet und gelernt. Das Zentrum hingegen gehört der Pause. Und die findet im Wissenschaftsstandort Garching künftig in der neuen Mensa Garching statt, der kommunikativen Mitte des Forschungscampus. Insgesamt 1750 Sitzplätze stehen den Studenten und Wissenschaftlern in dem Neubau ab Herbst zur Verfügung. Egal ob die in den benachbarten Gebäuden werkelnden Menschen hier Mittagessen, Café trinken oder einfach nur miteinander reden wollen – in dem zweigeschossigen Solitärbaukörper mit seinem quadratischen Grundriss ist für alles Platz.

Die bisher genutzte Mensa war nach fast 40 Jahren Betriebsdauer technisch und kapazitiv an ihren Grenzen angelangt: Statt seinerzeit 2.000 Studenten wollen am Garchinger Campus inzwischen 15.000 Studenten und rund 7.000 Beschäftigte täglich zu Mittag essen oder Café trinken. Auch in punkto Energieeffizienz war das 1978 in Betrieb genommene Gebäude überaltert, sodass der Freistaat Bayern nun 44,5 Millionen Euro in einen zeitgemäßen Ersatz investiert hat.

Standort, Ausrichtung und Gebäudevolumen der  von Meck Architekten entworfenen neuen Mensa orientieren sich an den Garchinger Bestandsbauten und integrieren den Neubau in die vorhandenen Strukturen. Die bereits existierenden Wege bündeln sich auf dem Vorplatz. Zwei offene Durchgänge führen von der Nord- sowie der Südseite in den halböffentlichen, quadratischen Innenhof der Mensa, der nicht nur als sommerlicher Treffpunkt, sondern gleichzeitig als Erschließungszentrum fungiert. Von dem mit Kiefern bestandenen Außengelände geht es direkt in die ebenerdig liegende Campus-Kneipe und die benachbarte Cafeteria. Beide Gastronomiebetriebe nutzen den Innenhof auch als Freifläche, auf der an warmen Tagen Gäste sitzen.

Große Glasflächen für weitreichende Blickbeziehungen

Vom Innenhof aus führt ein weitläufiges Foyer über einen breiten Stufengang nach oben in das lichtdurchflutete hohe Obergeschoss. Dort wartet der große Speisesaal nebst Essensausgabe auf die hungrigen Forscher von neben. Bis zu 7.300 Essen pro Tag können in dem weitläufigen Raum serviert werden. Zusammen mit der Küche und der Spülküche folgt die Anordnung der verschiedenen Bereiche den funktionalen Erfordernissen. Für eine kulinarische Auswahl ist ebenfalls gesorgt: Die Hungrigen erwarten Salattheken, eine Gemüsebar, eine Suppenstation, ein Pizza-Bäcker, eine Pasta- und eine Wok-Theke, ein Grill und daneben vegetarische und vegane Gerichte – deren Ausgabestellen gezielt angeordnet wurden.

Durch große Glasflächen blicken die Gäste ungestört in die Umgebung und über die Geschosse hinweg, hinein ins Foyer und hinunter in die Cafeteria. Das macht die Orientierung innerhalb des Gebäudes und die Verortung in Garching einfacher. Die räumliche Struktur des Gebäudes wird durch die Stahlbetonkonstruktion betont: im Sockel eng und dicht, im oberen Speisesaal licht und weit. Die hohe Speichermasse der Konstruktion gleicht die der Nutzung geschuldeten klimatischen Schwankungen aus. Die Energie bezieht die Mensa vom hochschuleigenen Nahwärmenetz. Eine zusätzliche eine Kraft-Wärmekoppelungsanlage erzeugt zentral Strom. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach spart bis zu 8,3 Tonnen CO₂ im Jahr ein.

Fassadentrio: Furnierschichtholz paart sich mit Glas und Edelstahl

Soweit zur notwendigen Technik. Die Fassade des Neubaus hingegen ist der Atmosphäre geschuldet, die trotz der Dimensionen des Gebäudes heimelig und angenehm wirken soll. Daher wählten die Planer eine optisch auffällige Pfosten-Riegel-Konstruktion in Form einer Holz-Edelstahl-Fassade. Die äußere, glaspergestrahlte Edelstahlschicht sichert den Wetterschutz der Fassade, die 60/456 mm Stützen aus Furnierschichtholz verleihen den Innenräumen der Mensa eine ebenso gemütliche wie hochwertige Atmosphäre. Die Fassadenbekleidungen bestehen wie die Pfosten-Riegel-Profile aus Furnierschichtholz mit 27mm Stärke. Die maximalen Plattenformate betragen 1,285m x 11,58m.

Um die bis zu 2,18 m breiten und 5,11 m hohen, festverglasten Glasscheiben zu montieren, wurden Ricon 160/40 und 120/40Verbinder für rund 1.900 Verbindungen eingesetzt: Die Haupt-/Nebenträgerverbinder bestehen aus zwei baugleichen Verbinderplatten aus Stahl. Eine optionale Sperrklappe verriegelt entgegen der Einschubrichtung.

Dieses Verbindungssystem wird für nicht sichtbare Anschlüsse mit Holzbreiten ab 50 mm eingesetzt und ist für außermittige Glaslasten bis 860 kg zugelassen. Die Verbinder verfügen über die Europäische Bauzulassung (ETA) über eine CE-Kennzeichnung und werden regelmäßig fremdüberwacht. Zudem ermöglichen sie den bei der Mensa Garching für die Fassaden gewünschten hohen Vorfertigungsgrad.

Vorfertigung im Werk sichert Montage ohne zusätzliches Werkzeug

Der Hersteller der Pfosten-Riegel-Konstruktion, die Rossmanith GmbH & Co. KG, übernahm die Vorfertigung auf Basis der von Knapp Verbinder gelieferten technischen Detailvorgaben für die CNC-Fertigung direkt im eigenen Betrieb. Alle selbstspannenden Verbinder wurden unsichtbar montiert. Die Riegel wurden für die Verbinder ausgefräst, auf den Pfosten wurden letztere lediglich aufgeschraubt. Dabei realisierte Rossmanith eine Sonderlösung für übertiefe Riegel: Aufgrund ihrer übergroßen Gesamttiefe von bis zu 450mm wurden pro Pfosten jeweils zwei Verbinder hintereinander montiert. So tragen sie nun Glaslasten bis zu einer Tonne Gewicht pro Scheibe sicher auf die Pfosten ab.

Auf der Baustelle fügten die Monteure die einzelnen Elemente ohne weiteres Werkzeug und ohne Verschrauben nur noch zusammen. Erleichtert wurde die Montage durch die sternförmige Prägung auf der Rückseite des Verbinders. Im Anschluss wurde die Konstruktion mittels Sperrbügel gesichert, um ungewünschte Verschiebungen zu verhindern.

Danach stellten die Handwerker die Fugenabstände mit den Verbindern ein, um die Bautoleranzen gezielt auszugleichen. Dabei wurden die Riegel dicht an die Pfosten gezogen. Diese vierseitig verdeckte, fugendichte Montage (R30 ≥ 20 mm, R60 ≥ 40 mm) ermöglicht ausreichenden Feuerwiderstand (DIN 4102-2) und führt zu ästhetisch ansprechenden Fugenbildern. Und sollte die Fassade in Teilen oder ganz demontiert werden müssen, lassen die Verbinder auch eine problemlose De- und Remontage zu. Angesichts der langen Nutzungsdauer der bisherigen Mensa dürfte das allerdings erst in mehreren Jahrzehnten zur Debatte stehen. Bis dahin wird in Garching wohl weiter emsig geforscht, gearbeitet und gelernt. Und im Zentrum ist dann Pause angesagt.

Kann ich das auch?

Kleine Verbinder für große Lösungen

Bei großen Glasfronten halten sich viele Betriebe lieber bedeckt. Wie sollen die schweren Verglasungen an der Fassade montiert werden? Gibt es überhaupt Wege, um so viel Gewicht, Breite, Höhe sicher ein- und abzuhängen? Kann das ein kleiner Betrieb überhaupt leisten? Ja, er kann. Denn wie die Mensa Garching beispielhaft belegt, ist das Geheimnis hinter großen Fassadenlösungen oft ganz klein – und lässt sich mit Beratung seitens der Industriepartner auch problemlos entdecken. Ist der passende Verbinder erst einmal gefunden, kann der Holzbaubetrieb damit scheinbar unlösbare Flächen ohne Schwierigkeiten schon im Werk montieren. Es lohnt sich also, einmal „hinter die Fassade“ zu schauen. Denn damit rutschen selbst Großaufträge für kleine Unternehmen in den Bereich des Möglichen.

Steckbrief

Projekt: Mensa Campus Garching, 85748 Garching

Bauherr: Freistaat Bayern, vertreten durch das Staatliche Bauamt München 2, 80539 München

Architekt: meck architekten gmbh, Andreas Meck, Axel Frühauf

Verbinder: Knapp Verbinder, 85591 Vaterstetten

Bauzeit: Fertigstellung 2018

Baukosten brutto: 44,5 Mio. Euro

BRI: 69525 m²

Bruttogeschossfläche: 12.636 m²

Nutzfläche: 5279 m²

Baujahr: 2017/2018



Firmenverzeichnis
Hier finden Sie mehr über:
Infoservice
Sie können weiterführende Produkt-Informationen des im Beitrag erwähnten Herstellers über den Infoservice kostenfrei anfordern:Wie funktioniert der arcguide-Infoservice? Zur Hilfeseite »
Anzeige:

Unsere Top-Themen

Themenliste öffnen

arcguide Partner

Ausschreibungen

Architektenprofile

Sie möchten auch Ihr Büro präsentieren und Ihre neuesten Projekte vorstellen?
Zum Antragsformular »

Sie haben bereits ein Büroprofil auf arcguide.de und möchten Ihre neuesten Projekte vorstellen?
Zum Projektformular »

Konradin Architektur

Titelbild db deutsche bauzeitung 11
Ausgabe
11.2018 kaufen
EINZELHEFT
ABO

 

Anzeige:

arcguide Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der arcguide-Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Medien GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum arcguide Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des arcguide Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de