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Nowy-Styl-Vorstand Roman Przybylski

Exklusiv-Interview
Nowy-Styl-Vorstand Roman Przybylski

Roman Przybylski
Roman Przybylski Foto: Nowy Styl
Das komplette Interview aus der aktuellen Mensch&Büro-Ausgabe mit Roman Przybylski, Vorstand Vertrieb und Marketing bei Nowy Styl mit detaillierten Äußerungen insbesondere zum Produktionsstandort Deutschland und zur Vertriebspolitik der einzelnen Marken.

Mensch&Büro: Schon bei der Übernahme der Sato Office GmbH 2011 hatten Sie gegenüber unserer Redaktion angekündigt, dass dies womöglich nicht das Ende Ihrer Expansionsbestrebungen in Deutschland sein würde. Nun kam im Frühsommer 2013 Rohde&Grahl hinzu. War das jetzt alles – oder erst der Anfang?
 
Roman Przybylski: Auf lange Sicht ist nichts unmöglich. Jedoch sind wir kein Finanzinvestor und daher nicht auf der Suche nach Beteiligungen. Wir sind Hersteller für Bürolösungen und glauben an unser Geschäftsmodell, unsere Absatzmärkte lokal zu führen und entsprechende Schlüsselfunktionen vor Ort zu besetzen. Nebenprozesse, wie IT und Finanzen hingegen zentralisieren wir, soweit dies sinnvoll ist. Daraus folgt, dass wir Unternehmen übernehmen, um diese in unsere Unternehmensgruppe zu integrieren und dazu müssen viele Faktoren zusammenpassen, was bedeutet, dass wir Übernahmeinteressen nur unter solchen Voraussetzungen haben, die eine Integration in unser bestehendes Management-Modell erlauben. Im konkreten Fall, mit R&G, heißt das, dass wir uns die Zeit nehmen, das Unternehmen zu verstehen, dessen Kunden und Ausrichtung genau kennenzulernen, um entscheiden zu können, welche Bereiche integriert werden sollten. Vor allem aber wollen wir verstehen, was vermieden werden muss, um die hohe Kundenzufriedenheit der Händler mit R&G nicht zu gefährden. Dieser Prozess wird sicher ein bis zwei Jahre dauern. Um zu Ihrer Ausgangsfrage zurückzukommen: Was nach dieser Zeit des Verstehens und Integrierens kommt, also ob wir einen weiteren Zukauf tätigen, das weiß ich heute noch nicht. Alles ist möglich.
 
Mensch&Büro: Mit der Übernahme von Rohde&Grahl haben Sie den Marktanteil der Nowy Styl Group in Deutschland fast verdoppelt. Gleichzeitig fiel die Büromöbelbranche in ein tiefes Sommerloch. Wie konnten Sie das kompensieren?
 
Roman Przybylski: Der deutsche Markt ist sehr fragmentiert und selbst nach der Übernahme von R&G ist unser kumulierter Marktanteil in Deutschland somit noch klein. Dies hingegen lässt uns noch viel Platz zu wachsen, auch in einem schwierigen Marktumfeld, wie dem aktuellen. Nowy Styl als Unternehmen und alle seine Mitarbeiter sind kontinuierlich bestrebt, das Optimale zu erreichen – für den Kunden und für die Entwicklung der Firma. Zudem möchte ich daran erinnern, dass beide Firmen, Nowy Styl und auch R&G bereits vor der Übernahme sehr gesund und finanzkräftig waren. Diesbezüglich stehen wir deutlich besser da als der Marktdurchschnitt – mögliche Synergien, die sich nun ergeben, sind da noch nicht einmal berücksichtigt.
 
Mensch&Büro: Seit der Übernahme sind einige Monate vergangen. Der reine Regimewechsel dürfte im Wesentlichen umgesetzt sein. Welche Herausforderungen muss Novy Styl bei Rohde&Grahl jetzt anpacken?
 
Roman Przybylski: Unsere größte Herausforderung ist, dass R&G in Deutschland, im Bereich Bürolösungen, größer aufgestellt ist, als Nowy Styl Deutschland. R&G verfügt über ein starkes Fachhandelsgeschäft und über ein starkes Projektgeschäft und die Koordination dieser beiden Bereiche funktioniert sehr gut. Für uns herausfordernd daran ist, dass wir unseren Kunden beider Marken ein möglichst großes Feld neuer Möglichkeiten eröffnen wollen, ohne dabei die Interessen unserer Händler zu verletzen, insbesondere in Konkurrenzsituationen von Händlern untereinander, die aktuell mit jeweils einer unserer Marken forciert arbeiten. Dies zu erreichen versuchen wir, indem wir ein tiefes Verständnis für die individuelle Situation unserer Kunden erlangen wollen. Sorgsame Planung, immer mit Rücksicht auf individuelle Erwartungen unserer Kunden ist ein weiteres Mittel, unser Ziel zu erreichen und möglichst viele neue Werte für unsere Kunden zu schaffen. Wie bereits oben beschrieben braucht das Zeit und Vorsicht.
 
Mensch&Büro: Wird es personelle Konsequenzen geben? Einige Positionen sind in jedem der beiden Unternehmen Novy Styl GmbH und Rohde&Grahl GmbH sowie bei der als Marke geführten Sparte Grammer Office momentan noch jeweils individuell besetzt beziehungsweise durch das polnische Headquarter abgedeckt.
 
Roman Przybylski: Wir betrachten Personalpolitik nicht als einen Faktor, der zwingend im Rahmen einer Übernahme verändert werden muss. Schließlich sind wir kein Finanzinvestor, der Firmen aufkauft, um diese komplett neu zu strukturieren. Beide, Nowy Styl Deutschland und R&G sind effizient organisiert, was durch den wirtschaftlichen Erfolg beider Firmen bewiesen ist. Daher sehen wir keinen Anlass, „alles auf links zu krempeln” und funktionierende Strukturen zu verändern. Das heißt, die Entwicklung unserer Firmen in Deutschland wird bestimmen, wie unsere Strukturen mittel- und langfristig aussehen werden.
 
Mensch&Büro: Wie sieht es in der Fertigung aus? Immerhin betreiben Sie inzwischen ausreichend Produktionsstätten, die nichts anderes als Möbel herstellen.
 
Roman Przybylski: Korrekt, wir haben einige Produktionsstätten, allerdings muss dabei auch gesagt werden, dass wir sehr stark vertikal integriert sind. Wir haben also eine enorme Fertigungstiefe und das macht uns unabhängiger, als andere Hersteller. Zudem beliefern wir viele – auch deutsche Hersteller von Bürolösungen mit Teilen und Komponenten. Unsere Fabriken stellen Metall-, Kunststoff- und Holzkomponenten, wir haben einen Schaumfertigung und verfügen über eine hochmoderne Verchromungsanlage. In vielen Produkten deutscher und europäischer Hersteller steckt auch ein Stück Nowy Styl. Die Produktion und Endmontage in unseren deutschen Fertigungsstätten – und ich denke, darauf zielte Ihre Frage – ist ein maßgebender Vorteil für uns, um Kundenwünschen schnell und individuell entsprechen zu können. Daher haben wir absolute keine Interesse, diesen für uns so wichtigen Bestandteil der Wertschöpfungskette zu gefährden. Durch unser Wachstum mit Systemmöbeln der letzten Jahre, sind wir zudem am Rande unserer Fertigungskapazität für dieses Segment, weshalb wir eher anstreben, diesbezüglich Kapazität auf- und auszubauen, statt zu reduzieren oder zu verlagern.
 
Mensch&Büro: Der Auf- und Ausbau eines schlagkräftigen, wettbewerbsfähigen Vertriebsnetzes in Deutschland scheint der wichtigste Erfolgsfaktor des Markteinstiegs für ausländische Unternehmen zu sein. Das geht entweder ganz langsam mit viel Mühe und hohem persönlichen Einsatz oder – Novy Styl und beispielsweise auch Kinnarps haben es in der jüngsten Vergangenheit vorgemacht – durch strategische Übernahmen. Sie kennen die Zeit des Alleinunterhalters bei Novy Styl Deutschland auch noch: Hat das überhaupt eine nachhaltige Chance?
 
Roman Przybylski: Klar ist: Ohne ein starkes Vertriebsnetz geht es nicht. Sollte dieses durch organisches Wachstum oder durch Zukäufe vergrößert werden? Die Frage ist nicht mit ja oder nein zu beantworten. Wir glauben, eine Mischung aus beiden führt am ehesten zum Ziel. Und die Übernahme eines Unternehmens wird nicht funktionieren, wenn der Aufkäufer kein tiefes Verständnis des Marktes, der Mentalität und der Kultur im Land des Übernahmekandidaten hat. Entscheidend ist zudem, dass der Akquisiteur bereits über ein starkes lokales Management verfügen muss, um eine Übernahme erfolgreich zu gestalten und in die Zukunft zu führen. Mit unserer Konzernniederlassung in Deutschland erfüllten wir diese Voraussetzungen bereits bei der Übernahme der Sato Office GmbH. Und auch bei der aktuellen Übernahme von Rohde & Grahl spielen unsere Erfahrungen und unser Management in Deutschland wieder eine tragende Rolle. Jedoch haben wir parallel zu unseren Übernahmen in Deutschland auch immer auf organisches Wachstum gesetzt und auch entsprechende Erfolge vorzuweisen, schließlich wurde Nowy Styl erst vor 21 Jahren gegründet und gehört nun zu den vier größten Herstellen in Europa – und das bereits vor der Akquisition von Rohde & Grahl. Das werden wir natürlich auch weiterhin verfolgen, unabhängig von möglichen Zukäufen.
 
Mensch&Büro: Novy Styl wird allmählich zu einem Global Player, neben der Büromöbelsparte produziert das Unternehmen Objektbestuhlung, Gastronomie-Ausstattung, Bodenbeläge, sogar Sporttribünen. Welche Ziele hat das Unternehmen weltweit beziehungsweise welche Wettbewerber sollen sich fürchten?
 
Roman Przybylski: Unser Geschäftsmodell ist die Herstellung und der Vertrieb von Möbeln für den nicht privaten Bereich, also für Büros, Konferenzräume, Kino, Theater, Stadien, Schulen und Universitäten. Diese Liste lässt sich fortsetzen. Es ist ja so, es gibt vertriebsseitige, produktionstechnische oder technologische Synergien und Nebenbereiche – ein Beispiel: Auch im Stadion wird gesessen und Kunststoffsitzschalen produzieren wir sowieso. Was liegt da näher, als unsere Möglichkeiten zu nutzen und dieses Segment auch noch anzugehen? Einen Gesamtwettbewerb zu benennen ist schwierig, da es in Europa fast keinen so weit diversifizierten Hersteller gibt. Das ist eine unserer besonderen Stärken. Wir wollen aber in jedem der Geschäftsfelder, die wir bedienen, zu den Marktführern gehören.
 
Das Interview führte Mensch&Büro-Chefredakteur David Wiechmann.

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