Sean Corcorran über die wichtigsten Veränderungen in Schulen und Universitäten
Lernraum-Design, Kreativität und das Ende Vorlesungssaals

Oft hat man das Gefühl, Universitäten könnten es heute niemandem Recht machen. Die einen sagen, sie wären zu wirtschaftsnah und hätten ihren eigentlichen akademischen Lehrauftrag der Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt geopfert; andere wiederum meinen, dass die universitären Lehrpläne Studenten weiterhin unzureichend auf das spätere, praktische Arbeitsleben vorbereiten.

„Die Diskussion, ob unsere universitäre Ausbildung noch zeitgemäß ist oder sich in die falsche Richtung entwickelt, wird schon seit vielen Jahren geführt“, sagt Sean Corcorran, General Manager von Steelcase Education und Experte für Lernraum-Design. „Dabei wird aber häufig nicht einmal die Kernfrage richtig definiert: Was verstehen wir eigentlich als Erfolg für unsere Studierenden?“

Die drei Säulen des Erfolges

Laut Corcorran gibt es drei Bereiche, die für die erfolgreiche Ausbildung und Lehre der Studierenden von zentraler Bedeutung sind:

  • Der Aufbau von Wissen: Der Kernbereich der Universitäten, die Vermittlung von Wissen über die einzelnen Fächer
  • Die Aneignung praktischer Fähigkeiten: Kollaboration, Kommunikation, kritisches Denken und Kreativität sind Fähigkeiten, die heute von Berufseinsteigern verlangt werden und die sich Studenten an der Universität aneignen sollten
  • Die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit: Charisma, Empathie und andere persönliche Eigenschaften sollten sich während der Studienzeit weiterentwickeln

„Häufig setzen Universitäten zu sehr auf nur einen dieser Bereiche, wenn zum Beispiel in Frontalvorlesungen nur Fachwissen vermittelt wird, ohne Wert auf praktische Fähigkeiten zu legen und ohne den Studierenden Raum für die persönliche Entfaltung zu geben“, sagt Corcorran. „Oft ist das Problem dabei schon der Raum, in dem gelehrt wird, da dieser gar nicht für die Vermittlung bestimmter Fähigkeiten ausgelegt ist. Nehmen wir zum Beispiel Kreativität: Der kreative Prozess besteht aus drei Teilen – Denken, Machen, Teilen. Dies ist ein fließender Prozess, der in jeder Phase unterschiedliche Anforderungen an den Raum stellt – unser Unterricht heute passt sich aber immer noch dem Raum an, in dem er stattfindet.“

Ist der Vorlesungssaal von gestern?

Sean Corcorran hat deshalb eine steile These: „Der Vorlesungssaal, wie wir ihn kennen, das große Audimax, das es noch an fast jeder Universität gibt, wird früher oder später aussterben, weil es modernen Anforderungen an den universitären Erfolg nicht mehr gerecht wird.“

Die Alternative sind laut Corcorran so genannte ‚Active Classrooms‘, flexible Räume, die der aktuellen Lehrsituation angepasst werden können. „Vorlesungssäle hatten von Anfang an einen Zweck und nur einen Modus: einer spricht und vermittelt Wissen, die anderen hören zu und nehmen es auf. Ein moderner Lernraum muss in verschiedenen Modi funktionieren, egal ob ich den Studierenden einen Vortrag halten will, ob praktische Arbeit und Kollaboration gefragt ist, oder ob die Situation Recherche und Forschung voraussetzt.“

„Für die Vorlesungssäle wird eine neue Funktion gefunden werden müssen, sie werden also nicht ganz verschwinden“, so Corcorran weiter. „Aber, wenn eine Universität Erfolg mit ihren Studierenden haben und die optimale Ausbildung bieten will, muss sie Räume schaffen, die das Vermitteln von Wissen genauso fördern wie die Aneignung von Fähigkeiten und die persönliche Entfaltung.“



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