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Identität der Architektur

4. Aachener Tagung
Identität der Architektur

Identität der Architektur – Das Lehr- und Forschungsgebiet Raumgestaltung und der Lehrstuhl Baukonstruktion veranstalten zusammen die 4. Aachener Tagung zur “Identität der Architektur“ an der RWTH Aachen. Unter wechselnden Themen stellt die jährliche Tagung die grundlegende Frage nach der Identität der Architektur – eine Frage, die das Selbstverständnis der Disziplin angeht und sich zuerst an ihre maßgeblichen Vertreter richtet, an die Architekten.

Architekten, die einen relevanten, entwurflich/baulichen Beitrag unter dem jeweiligen Thema der Tagung vorgelegt haben. Mit der Darstellung am gebauten Beispiel ergibt sich so erst die Möglichkeit, insbesondere auch den Fragen zu Methoden, Werkzeugen und Prozessen nachzugehen, die Entwurf und Bau des jeweiligen Beispiels bestimmt haben.

An zwei Tagen gibt es jeweils blockweise kuratierte, 15-minütige Vorträge mit anschließenden kurzen Thesendiskussionen. Am Ende jeden Tages steht eine Podiumsdiskussion.

Thema
Die 4. Aachener Tagung thematisiert die „Konstruktion“ als grundsätzliche Einflussgröße bei Entwurf und Bau von Architektur und Stadt.
Als Gäste werden erwartet: Thomas Herzog mit einem Einführungsvortrag, Jürg Graser, Peter Grundmann, Burkhalter Sumi, E2A, Meinrad Morger, Karamuk Kuo, Almannai Fischer, Mirko Baum, BLAF Architekten, Claus van Wageningen Architects, Bruno Fioretti Marquez, Rolf Mühlethaler, Florian Nagler, Arno Lederer, Volker Staab, Kempe Thill, Christoph Mäckler, LIN, Christian Rapp, Buol und Zünd und weitere stehen noch aus.

Unter „Konstruktion“ verstehen wir von der sprachlichen Herkunft her zunächst ein „Zusammenbauen“, das Fügen von Teilen zu einem Ganzen, dann auch das so Gefügte selbst, welches mal mehr mal weniger der materialen Form des Bauwerks selbst entspricht. So lässt sich der vielfältige Begriff „Konstruktion“ etwa auf Bauart und -weise, auf den äußeren Bau, den inneren Aufbau, die Gliederung etc. beziehen.

Die gegenwärtig vielgestaltige Architektur lässt indes die Frage offen, ob mit dem Begriff Konstruktion eher ein allgemeiner planerischer und technischer Inhalt gemeint, oder doch ein wesentliches, weil bestimmendes, ordnendes und gestaltgebendes Prinzip der Architektur angesprochen ist. Jedenfalls können wir heutzutage nicht ohne weiteres weiter davon ausgehen, dass sich Gestalt in der Architektur maßgeblich und direkt von der Konstruktion ableitet, oftmals, so scheint es, soll ja gerade dieser Zusammenhang verschleiert, als überwunden oder aufgehoben erscheinen. Einer solchen „Konstruktion“ käme lediglich noch eine dienende Rolle zu, indem sie physikalische und technologische Eigenschaften des Ganzen wie seiner Teile sicherstellte und den „Zusammenbau“ planerisch ermöglichte.

Aber, wäre denn diese so gewonnene „Freiheit in der Erscheinung“ eine, die dem Wesen der Architektur noch Rechnung trüge? Sollte, ja müsste die Konstruktion nicht vor allem über die Gestalt zur Anschauung kommen, wenn wir der Architektur – ganz allgemein gesprochen – noch Selbstverständlichkeit, Nachvollziehbarkeit und „Lesbarkeit“ zuschreiben wollten?

In theoretisch-technischer Hinsicht ist Konstruktion die Zusammenfügung von Einzelteilen zu einem sinnvollen Ganzen. Dabei wird dieses Ganze nicht nur von der Summe und Art seiner Teile bestimmt, sondern ganz wesentlich von den Beziehungen der Teile untereinander. Wird sie planvoll erzeugt, ist die Konstruktion das Ergebnis einer zielgerichteten Abstimmung und Zuordnung der Teile. Hierzu bedarf es Regeln und Prinzipien, die auf den Gesetzen der Technik beruhen und die Teile in einen auf einen Zweck ausgerichteten übergeordneten Sinnzusammenhang bringen.

In Bezug auf ein Gebäude umfasst die „Konstruktion“ alle eingesetzten Mittel zur Herstellung eines Bauwerks, ganz gleich ob sie tragend, umhüllend, raumbildend oder -konditionierend wirken. Im Unterschied zur konkreten Konstruktion, die die materielle Umsetzung und die Fügung der Bauteile umfasst, meint „Struktur“, jener in Bezug auf die Architektur so schwer zu fassende, unscharfe und doch so wichtige Begriff, die innere Ordnung, den geistigen Zusammenhang, das Ordnungssystem für das Zusammenwirken aller Teile eines Bauwerks.

Damit wird deutlich, dass der Konstruktion innerhalb einer architektonischen Konzeption einerseits mehr als eine formale Vorstellung, mehr als eine gehorsam dienende Aufgabe zukommt, und dass Konstruieren anderseits weit mehr als nur ein auf Stabilität, Standfestig- und Dauerhaftigkeit ausgerichtetes pragmatisches Umsetzen bedeutet.

Wenn es in der Architektur als Baukunst darum geht, Funktion, Technik, Raum und Form in Kongruenz zu bringen, um zu authentischen Aussagen zu gelangen, wie können oder müssen wir Konstruktion dann einzusetzen, dass sie einen selbstverständlichen Bestandteil der Gestaltung bildet und diese aktiv mitbestimmt? Und welchen Einfluss wird dabei der dringende Bewusstseinswandel im Umgang mit Material und Emissionen, Energie- und Stoffkreisläufen auf zukünftige Konstruktionen und architektonischen Konstrukte haben?

Diesen Fragen will die 4. Aachener Tagung in gewohnter Weise in Thesendiskussionen und anhand realisierter Projekte nachgehen, denn erst am konkreten Bespiel erweist sich, dass eine konstruktive Lösung im Kontext einer spezifischen Aufgabenstellung (Ort und Funktion) und einer individuellen architektonischen Konzeption zwangsläufig auch sinnvoll ist.

Fragen

  • 1. Konstruktion und Architektur (Statement)
    Welche Bedeutung hat die Konstruktion für die architektonische Gestalt des Baus? Welchen Stellenwert nimmt die Konstruktion beim Zustandekommen der Architektur ein? Inwieweit gehören Theorie und Praxis der Konstruktion zu den Grundlagen der Architektur?
  • 2. Konstruktion und Entwurf
    Ist eine bestimmte und bestimmende Vorstellung von der Konstruktion immer schon beim Entwerfen präsent und daher auch ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Entwurfs? Bestimmt die Konstruktion Form und Material des Baus, oder passt sich die Konstruktion in einer Wechselwirkung an diese an?
  • 3. Konstruktion und Bau
    In welcher Weise werden die konstruktionsgebundenen entwurflichen Vorstellungen baulich umgesetzt? Welche Rolle spielt das konstruktive Konzept für die architektonische innere und äußere Erscheinung des Gebäudes und wie und wann werden diese Überlegungen auf verschiedenen Ebenen des Entwurfs- und Planungsprozesses untersucht und präzisiert.

Initiatoren
Professor Hartwig Schneider, Lehrstuhl Baukonstruktion
Professor Uwe Schröder, Lehr- und Forschungsgebiet Raumgestaltung

AKNW Mitglieder
Die Teilnahme an der Tagung wird pro Tag mit 4 Unterrichtsstunden für Mitglieder der Architektenkammer NRW, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz der Fachbereiche Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung angerechnet.

Wo: Foyer des Reiffmuseums – Fakultät für Architektur RWTH Aachen University
Wann: 30. und 31.01.2020
Weitere Informationen »»»

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