Büroausbau VALTEQ

StandortBerlin
AdresseBerlin, Deutschland
GebäudetypBürogebäude, Geschäftshaus

Hintergrund und Auftragsrahmen

Die Immobilienberatungsfirma VALTEQ Gesellschaft mbH wurde im Jahr 2012 als Zusammenschluss dreier vormals unabhängiger Unternehmen – THP, makon und Global Assessment – gegründet. Als zentrale Repräsentanz des neuen Unternehmens entschieden sich die Geschäftsführer für die Anmietung einer Etage des Eckgebäudes in der Schützenstraße 6a in Berlin-Mitte. Hier sollten auf rund 500 Quadratmetern Arbeitsplätze für 45 Mitarbeiter entstehen. Die Räume dienten vorher einem Verband als Geschäftssitz, viele der vorhandenen Einbauten – unter anderem eine großformatige Holzschrankwand in der Lounge – sollten jedoch aus Kostengründen erhalten bleiben. Die Architekten von box, Alexander Moers und Daniel Buchheit, hatten bereits vorher mit einer der Gründungsfirmen der VALTEQ zusammengearbeitet und wurden nun für die Planung der Büroarbeitsplätze sowie der zentralen repräsentativen Bereiche der neuen Unternehmenszentrale beauftragt.

Raumprogramm und Konzept
Eine Besonderheit des Geschosses bestand in der räumlichen Verknüpfung von zwei ursprünglich getrennten Mieteinheiten: An der Ecke treffen hier vier Durchgangsräume aufeinander. Diese boten sich für gemeinschaftliche Nutzungen wie Empfang, Garderobe, Bibliothek, Lounge, temporäre Arbeitsplätze („Hot Desks“) sowie Servicestationen mit Druckern und Kopierern an. Die Planung sollte zudem verhindern, dass die Mitarbeiter das öffentliche Treppenhaus als „Abkürzung“ bei der Durchwegung nutzen. Aus unterschiedlichen Entwurfsalternativen wählte die Geschäftsführung der VALTEQ das Konzept des „Blauen Bandes“ aus. Hier setzen die Architekten das Unternehmenssymbol – ein geknicktes blaues Band, das sich schützend um die Immobilienobjekte legt - in ein dreidimensionales Gestaltungselement um, das verschiedene funktionale und gestalterische Aufgaben erfüllt.

Zunächst fungiert es als verbindendes Orientierungs- und Leitsystem, das die diversen Gemeinschaftsbereiche sinnfällig miteinander verknüpft und so das „Ausscheren“ in Richtung Treppenhaus zur unattraktiveren Alternative werden lässt. Dabei nimmt das blaue Band je nach Funktion verschiedene Dimensionen und Formen an, ohne je die Grundsymbolik und -maßstäblichkeit aufzugeben: So verwandelt es sich vom Empfangstresen in eine Bodenmarkierung, wird zur Loungetheke, versinkt wieder im Boden und entwickelt sich danach zum Raumteiler mit Regal. Gleichzeitig werden so die unterschiedlich genutzten Bereiche klar zoniert in Aufenthaltsorte und Durchwegungszonen.
Mit einem einzigen, gestalterisch stark reduzierten Element sind hier schlüssige funktionale Zuordnungen entstanden; gleichzeitig wurde eine räumlich komplexe Situation stringent gegliedert. Zusätzlich greifen die Architekten das Corporate Design des Unternehmens auf und übersetzen es in ein plastisches Element.

Räumliche Choreografie
Der Empfangstresen teilt den ersten Raum in einen Eingangsbereich und das Sekretariat; eine in die Konstruktion integrierte Beleuchtung sowie der eingefräste Firmenschriftzug unterstützen die repräsentative Wirkung. Von dort aus führt das blaue Band in die Bibliothek, in der hinter einem schlichten weißen Regal temporäre Arbeitsplätze angeordnet sind. Der darauf folgende „Loungebereich“ nimmt eine Sonderposition innerhalb des Raumgefüges ein. Ihn gestalteten die Architekten mit wenigen Eingriffen zu einem informellen Treffpunkt um, in dem kurze Besprechungen ebenso wie kleine Feiern stattfinden, der einzelnen Mitarbeitern aber auch als zeitweiliger Rückzugsort für ungewöhnliche oder kreative Arbeiten dient und einen spontanen Austausch mit Kollegen dabei eher begrüßt als ausschließt. In die hier bestehende Holzwand setzten die Architekten ein weißes Küchenelement ein, die lange Theke schafft reichlich Platz und eine zwanglose Atmosphäre. Der Tresen selbst spannt über mehr als fünfeinhalb Meter; auf Grund dieser hohen Spannweite kam im Inneren eine vorgespannte Stahlkonstruktion zum Einsatz. Vor dem Übergang in die einzelnen Büroräume steigt das Band zum hohen, schräg gekippten Regalelement auf. Die dahinter gelegenen Arbeitsplätze verweisen bereits auf die anschließende Nutzung.

Material, Farbe, Kunst
Als Materialität des blauen Bandes bot sich Kautschuk an. Die Eigenschaften dieses Materials – Flexibilität, Robustheit, Farbigkeit, Elastizität – sind nahezu ideal sowohl für den Einsatz als Möbeloberfläche als auch als Bodenbelag. Auf der Suche nach dem „richtigen“ Blau stießen die Architekten auf den französisch-britischen Hersteller Dalsouple. Als Kantenschutz sind die Wangen der aufragenden Elemente aus dem Mineralwerkstoff Corian gefertigt.
Das Prinzip der Reduktion setzt sich auch bei der Gestaltung der Büroarbeitsplätze fort: Unter Weiterverwendung und Ergänzung eines bestehenden weißen Möbelsystems richteten die Architekten in den zwischen 15 und 30 Quadratmeter großen Räumen Plätze für zwei bis vier Mitarbeiter ein. Für die Ausstattung der Besprechungsräume entwickelten sie die vorhandene schwarze Möblierung weiter und ergänzten sie um einen großen runden Besprechungstisch sowie eine weitere halbrunde Einheit. Als leuchtendes „Memento Mori“ installierte die VALTEQ-Geschäftsführung zur Fertigstellung der Umbauarbeiten das Lichtkunstwerk der US-amerikanischen Künstlerin Olivia Steele mit der Aufschrift This might all be gone tomorrow auf der Holzwand der Lounge.

Thorsten Klapsch


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