Wie kocht man einen Architekten?

Feedback der Teilnehmer:

Für mich war es sehr überraschend, dass man trotz des eigentlich fachfremden Themas gelernt hat, Architektur zu verstehen.

Ich habe noch nie vorher im Studium so viele Architekten und deren Arbeitsweise in so kurzer Zeit so eindrücklich und intensiv kennen gelernt.

Die größte Überraschung war für mich, dass man fast alle Gerichte wirklich essen konnte. Bei vielen Architekten hätte ich davor gesagt, dass das nicht genießbar ist.

Das eindruckvollste Erlebnis war für mich die Erkenntnis, dass mich eine Nudel der Architektur ein Stück näher gebracht hat.
Text: Nicole Böhle

Diese Frage beantworteten die Studierenden der Universität Stuttgart und der Fachhochschule Wiesbaden in einem ungewöhnlichen Stegreifentwurf. Die Lehrveranstaltung trug den Titel „Pasta à la Corbusier oder wie kocht man einen Architekten?". Dipl.-Ing. Jens Peter Grunau von der Universität Stuttgart und Prof. Joachim Kieferle von der Fachhochschule Wiesbaden suchten eine Antwort auf die Frage, wie der Entwurfsstil und die Herangehensweise an Bauaufgaben von berühmten Architektinnen und Architekten in ein Pastagericht umgesetzt werden können.

Dabei analysierten die Studierenden in einer ersten Phase die Entwurfsansätze bedeutender Baumeister. Sie untersuchten die verschiedenen Komponenten, nach denen Architekten - geprägt durch ihr Hintergrundwissen, ihr Problemverständnis, ihre Ziele, ihre Methoden oder Vorgehensweisen - handeln. Die Studierenden nahmen nicht nur die Art und Weise in Augenschein, wie Architekten Aufgaben bewältigen, Probleme lösen und an den Entwurf herangehen, sondern sie prüften auch, wie Architekten die Dinge in ihrer Welt betrachten. Hierbei ging es den Dozenten neben dem Fachwissen ebenso um die allgemeine Weltanschauung - die Anschauung über Wahrnehmung und Wissen - sowie die Moral- und Wertvorstellung eines Planers. In einer zweiten Phase übertrugen die Akademiker ihr erforschtes Wissen auf eine andere Kunst: das Kochen. Sie entwarfen im Sinne ihrer Architekturvorbilder Rezepte für ein Pastagericht und setzten diese Kochanleitungen anschließend um. Denn: Von Meistern lernen bedeutet nicht, sie zu kopieren, sondern sie zu verstehen. Nach wie vor hieß es auch in der „Kochkunst“ die klassischen Fragen der Planung und des Entwerfens wie beispielsweise Materialität, Fügung oder Präsentation zu beachten. Um nicht „im eigenen Saft zu schmoren“, gewannen die Dozenten zwei kompetente Gastkritiker: Axel Heldmann, Chef des Stuttgarter Hotels und Restaurants „Der Zauberlehrling“ sowie seinen Küchenchef Ralf Jakumeit.
Während der verschiedenen Phasen arbeiteten die Studierenden der beiden Hochschulen „virtuell“, sprich webbasiert mittels eines BSCW-Servers (Basic Support for Cooperative Work) zusammen. Die Endpräsentation erfolgte gemeinsam über den Dächern von Stuttgart an einem „realen“ Ort. Durch die Zusammenarbeit sind sich nicht nur die Stuttgarter und Wiesbadener Studenten näher gekommen, auch die Nudel hat die Studierenden der Architektur ein Stück näher gebracht.

Damit auch Sie in den Genuss der architektonisch-kulinarischen Nudelwerke kommen, hat Arcguide für Sie eine Auswahl auf den folgenden Seiten zusammengestellt.

Die vollständige Dokumentation der Projekte finden Sie unter:

www.architektur.fh-wiesbaden.de/pasta


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