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Klassiker remixed
Text: Liza Heilmeyer

Beim Bekenntnis zum Material bleiben die etablierten Werkstoffe keineswegs auf der Strecke. Der Klassiker Beton wird stetig in seinen technischen Eigenschaften und seiner Leistungsfähigkeit weiterentwickelt, die Anwendungsmöglich-keiten werden dabei noch vielfältiger.

Mit Hightech-Beton können selbst filigrane Objekte und Möbel realisiert werden. Fotos: Form in Funktion, Esslingen
Wird Architektur in der breiten Öffentlichkeit diskutiert, gibt es kaum einen Aspekt, der so emotional belegt ist wie das Material. Es steht meist als Sinnbild für eine bestimmte Architekturauffassung und wird selten frei von Vorurteilen betrachtet. In einer Zeit, in der kaum noch ein Tabu zu brechen ist, besteht für Architekten und Designer ein besonderer Anreiz darin, durch die ungewohnte Anwendung von Materialien mit den herkömmlichen Sehweisen zu spielen und diese aufzulösen. Werden Werkstoffe außerhalb ihres gewohnten Kontextes eingesetzt, ist der Betrachter überrascht. Er beginnt, die dem Stoff zugeordneten Eigenschaften zu hinterfragen und findet so zu einer ganz neuen Betrachtung der Dinge. Neben Künstlern machen sich diesen Effekt Architekten und Designer ebenso zu Nutzen.

Betonmöbel
Besonders Beton ist in der Literatur und im Alltag oft noch belegt mit der Metapher der Trostlosigkeit und Gefühlskälte. Setzt man sich über die gewohnten Assoziationen hinweg, können samtige Sichtbetonflächen aber eine durchaus verführerische Wirkung im Innenraum entfalten – dies ist schon längst kein Geheimnis mehr. Neue Entwicklungen in der Zusammensetzung und Fertigung lassen den Beton nun aber noch tiefer in den Innenraum eindringen. Ein Beton, der bis zu fünfmal härter ist als der herkömmliche Betonwerkstein, ermöglicht die Ausbildung filigraner Elemente, die im Möbel- und Innenausbau Verwendung finden.

Nach wie vor ist Beton allerdings relativ schwer, das mag in einem mobilen Zeitalter ein Nachteil sein. Vielleicht ist es aber gerade der dauerhafte und unverrückbare Charakter des Betons, der die Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, die man zu Hause sucht. Der Esslinger Designer Günter Peterhoff arbeitet spielerisch mit dieser Schwere. Seine Designagentur 'Form in Funktion' hat sich auf Betonmöbel spezialisiert. Durch geschickte, konstruktive Lösungen, werden Möbelstücke geschaffen, die das optische Gewicht des Materials wirken lassen, oft aber überraschend leicht sind. Im Umkehrschluss ermöglicht der hochfeste Beton den Designern, aber auch leicht wirkende Formen zu generieren, die unerwartet viel Gewicht auf die Waage bringen.
Waschtische aus Beton in die wie aus einem Guss ein Becken eingearbeitet ist, erinnern an die antiken steinernen Waschgelegenheiten und sind doch neuartig. In diesem Zusammenhang stellt die Porigkeit des Betons eine besondere Herausforderung an die Entwickler. Damit der Schmutz sich nicht in der Oberfläche festsetzen kann, muss die Porigkeit minimiert werden. Um die optimale Oberfläche für den jeweiligen Verwendungszweck zu entwickeln, war einiges an Forschungsarbeit notwendig. Inzwischen verfügt Peterhoffs Agentur aber über ein Repertoire an Möglichkeiten, dass den vielen unterschiedlichen Ansprüchen gerecht wird. Der Klassiker Beton wird durch ein neues Anwendungsfeld so technisch weiterentwickelt.

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